Indien lockt Unternehmen aus Deutschland

Der Hunger der Inder nach Wissen und Leistung ist groß, doch in dem Land geht wirtschaftlich wenig voran. Auch deutsche Unternehmen tun sich schwer auf dem Subkontinent. Aber sie geben die Hoffnung nicht auf.

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Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler spricht auf der Asien-Pazifik-Konferenz in Indien mit heimischen Unternehmerinnen. Foto: dpa

"Indien ist der große weiße Elefant. Das große Talent, das seine Chancen nicht nutzt", sagt Hubert Lienhard. Der Chef des Heidenheimer Maschinenbauers Voith ist Indien-Sprecher des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. "Ich bin tief davon überzeugt, dass Indien etwas kann", sagt er, doch stecke das Land derzeit im Reformstau: Lizenzen für die fehlende Infrastruktur würden nicht vergeben, Genehmigungen dauerten ewig, und der Protektionismus sei stark. Deswegen hat Lienhard die Investitionen von Voith in Indien vorerst eingefroren. "Wir warten, bis es weitergeht."

So sehen es viele der Unternehmer, die sich mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) unweit der Hauptstadt Delhi Ende vergangener Woche zur Asien-Pazifik-Konferenz trafen. Diese Veranstaltung ist mit ihren insgesamt 750 Teilnehmern das wichtigste Treffen für deutsche Unternehmen, die mit Asien Geschäfte machen wollen.

"Das Interesse an Indien ist ständig vorhanden. Doch derzeit ist eine Zurückhaltung spürbar", sagt Katrin Pasvantis, Repräsentantin von Germany Trade and Invest in Indien für die deutsche Außenwirtschaftsförderung.

Indiens Wirtschaftsdaten sind schlecht. Die Zentralbank hat ihre Wachstumsprognose für 2012 gerade gesenkt, von 6,5 auf 5,8 Prozent, das wäre das schlechteste Ergebnis seit Jahren. Die Inflation liegt bei 7,6 Prozent und die Produktion sinkt. Die Probleme sind vor allem hausgemacht. Die Außenhandelsquote ist gering, deswegen spielt etwa die Euro-Krise eine untergeordnete Rolle. Indiens Wirtschaft wird vor allem vom Binnenmarkt mit seinen 1,24 Mrd. Menschen angetrieben. Die Regierung versucht nun, das Land mehr für Investoren zu öffnen.

"Es muss jetzt was passieren", meint Lienhard. Der deutsche Mittelstand sei hier, verdiene gut, und denke nicht daran, das Land zu verlassen. "Jeder jammert aber über die verpassten Chancen."

Die Firmen leiden unter einer restriktiven Kreditvergabe, einer schwachen Rupie, die Rohstoffe verteuert, und der langsamen Produktion durch den Reformstau. Besonders betroffen sind deutsche Maschinenbauer und Infrastrukturunternehmen, besser geht es Dienstleistern wie IT-Firmen. "Indien ist ein hochqualifiziertes Land", freut sich SAP-Chef Jim Hagemann Snabe. Die 6000 SAP-Mitarbeiter in Indien, alles lokale Kräfte, produzierten in Indien für die ganze Welt.

Zu den großen Problemen Indiens gehört auch die fehlende Rechtssicherheit. Vodafone etwa soll Milliarden Steuern nachzahlen, nachdem ein Gesetz rückwirkend geändert wurde. Im gerade veröffentlichten Doing-Business-Report der Weltbank liegt Indien bei der Rechtssicherheit auf Rang 184 von 185 untersuchten Ländern.

Ausufernde Bürokratie, wenig Verlässlichkeit, das kritisiert auch Peter Leibinger, der geschäftsführende Gesellschafter des Ditzinger Laserspezialisten Trumpf: "Die Unverbindlichkeit, was die Zeit angeht, ist für uns ein Riesenproblem." Trotzdem versuche er es weiter, denn er glaubt fest daran, dass Indien ein starker Markt wird. "Das Maß an Bildung und Wertschätzung für Bildung ist unerhört", meint er.

Seinem Vater, Aufsichtsrats-Chef Berthold Leibinger, imponiert das Streben nach Leistung, das er erlebt. Deswegen soll das Indien-Geschäft ausgebaut werden. "Ich werde der Geschäftsführung nach meiner Rückkehr vorschlagen, sich hier neu zu positionieren."

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