In Stufen zum Mindestlohn: Seit August gilt neuer Tarifvertrag für Friseure

Nicht weniger als 8,50 Euro pro Stunde soll ein Friseur in Deutschland ab 2015 verdienen. Ziel ist, das Image des Friseurberufs aufzubessern und Preisdumping durch Niedriglöhne zu verhindern.

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Eine Friseurin föhnt einer Kundin die Haare. Für die Branche gilt jetzt ein tariflicher Mindestlohn. Foto: dpa

"Früher wurde Jeder Friseur, das war schlecht für die Branche", stellt Linda Goebel fest, die in Ulm zwei Salons führt. Jetzt bleibt der Nachwuchs aus. "Wir haben dieses Jahr noch keinen Lehrling, drei könnten wir verkraften." Es gebe bedeutend weniger Bewerber, die richtigen seien bisher noch nicht dabei gewesen. Ob der Tarifvertrag die Lage verbessert? "Ich hoffe es", sagt Goebel.

Seit August gilt der erste bundesweite Mindestlohntarifvertrag für Friseure. Die Tarifgemeinschaft des Friseurhandwerks einigte sich mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) auf ein Stufenmodell, das für die nächsten zwei Jahre eine Erhöhung der Lohnuntergrenze vorsieht, jeweils zum 1. August. Bis 2014 gilt in Westdeutschland ein Mindestlohn von 7,50 EUR pro Stunde, in den neuen Bundesländern von 6,50 EUR. Dann wird die Untergrenze im Westen auf 8 EUR und im Osten auf 7,50 EUR erhöht. Ab August 2015 gilt dann ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn von 8,50 EUR.

Damit soll die branchenübliche schlechte Bezahlung - die allerdings oft durch Trinkgeld aufgebessert wird - ein Ende haben und neuer Nachwuchs für die Betriebe angelockt werden. "Die Arbeitgeber wollen einen bundesweiten Tarifvertrag für Friseure", betont Matthias Moser, Geschäftsführer des Fachverbands Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg.

"Dieses Jahr ist der Lehrlingsmangel besonders stark. Dagegen muss man etwas tun", sagt Moser. Das Schwarze Brett bei ihm sei voll mit Azubi-Gesuchen. Moser spricht von einer "prekären Situation", da sich immer weniger für das Haar-Handwerk entschieden. Der Verband empfiehlt den Obermeistern der Innungen, junge Leute in der Ausbildung gut zu entlohnen, um den Beruf attraktiver zu machen. Der Mindestlohn soll dazu beitragen.

Marcus Hertel, Inhaber eines Salons in Stuttgart, kennt keine Nachwuchsprobleme. "Die Auszubildenden suchen sich die besten Betriebe aus. Wir bieten Zusatzausbildungen und sorgen für eine gute Gruppendynamik", sagt er. Den Tarifvertrag findet er dennoch sehr gut. "Für Süddeutschland ist er zwingend notwendig." Seine Angestellten bekommen schon länger mehr als 8,50 EUR in der Stunde. Außerdem erhofft er sich vom Mindestlohn eine Marktbereinigung. Denn die Fachbetriebe leiden unter der Billigkonkurrenz von Betrieben, deren Mitarbeiter nur über die Runden kämen, indem das Arbeitsamt ihren geringen Verdienst aufstockt.

Vor allem in Ostdeutschland sind die Stundenlöhne niedrig. Manche Friseurinnen und Friseure bekommen hier nur einen Grundlohn von etwas mehr als 3 EUR pro Stunde. Für sie bedeutet der Mindestlohn eine Verdoppelung des Verdienstes. Die Folge wird auch der Verbraucher spüren: Die besonders günstigen Betriebe werden wohl die Preise fürs Haareschneiden deutlich erhöhen müssen, um ihre Angestellten nach Tarif entlohnen zu können.

Profiteure des Tarifvertrags sind vorerst nur Gewerkschaftsmitglieder, die bei einem Tarifpartner beschäftigt sind. Laut Verdi trifft das in Deutschland auf etwa 92 000 Angestellte zu. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales kann den Tarifvertrag auch für all diejenigen verbindlich machen, die nicht tariflich gebunden sind. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Hälfte aller Friseurinnen und Friseure von dem neuen Mindestlohn betroffen sind. Verdi und der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks wollen die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifvereinbarung möglichst schnell erreichen.

"Arbeitgeber sollten den Mindestlohn bereits jetzt bezahlen", empfiehlt Bernd Wuttig von Verdi. Da die Allgemeinverbindlichkeit meistens rückwirkend beschlossen werde, drohen den Arbeitgebern, die sich nicht an die Untergrenze halten, später Nachzahlungen. Unter Umständen bis zu zwölf Monate.

Der Mindestlohn gilt für alle Angestellten eines Friseurbetriebs, unabhängig von ihrer Ausbildung und ihrer Tätigkeit im Betrieb. Er gilt nicht für Azubis. Deren Verdienst wird, wie üblich, in der Ausbildungsvergütung gesondert geregelt.

Zahl der Betriebe und der Mitarbeiter steigt
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Kommentare

30.08.2013 17:22 Uhr

Anfang und Ende

Weil es die Unternehmen einiger Branchen aus SPD Sicht überfordern würde, sofort auf 10 €, 11 € oder noch höher gehen zu müssen.
8.50€ ist ein Beginn und soll stetig nach oben angepasst werden.
Sollte eine Koalition Rot-Grün und mit der Linken kommen, was ich mir persönlich wünsche, so wird die Höhe des flächendeckenden Mindestlohns sicherlich Thema bei Koalitionsverhandlungen sein.
Doch mit der SPD gibt es einen sicheren Einstieg in einen gesetzlich garantierten, flächendeckenden Mindestlohn. Anders mit der CDU, die sich aus der verantwortung des Staates stehlen will und tarifliche Regelungen vorschlägt.
Dabei unterschlägt Frau Merkel, dass es in vielen Branchen und Unternehmen keine Tarifparteien gibt, weil die Unternehmen in keinerlei Verbänden eingebunden sind oder die Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder nicht ausreicht.
Ein Versprechen zu geben, das niemals erfüllt werden muss, ist mehr als schäbig und typisch für die Union. Ähnlich verhält sich Seehofer in Bayern mit seinem Wahlversprechen einer Maut nur für Ausländer.
Nach EU-Recht ist es nicht möglich, aber es bringt eben Wahlstimmen von Dummen, die zu faul zum selber informieren sind.
Wer leere Inhalte will, wählt die CDU/CSU.
Wer sich unsicher ist, sollte lieber links der Mitte wählen.
Denn im Zweifel ist links immer besser für unser Gemeinwohl.

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30.08.2013 16:05 Uhr

Na, da wählen wir aber sofort die SPD !

Dann gibt es sofort für alle 8,50€/Std.

Jetzt fragt sich der (mit)denkende Mensch aber, oder alle 4 Jahre auch Wähler genannt, warum den franz. Sozialisten ein Mindestlohn von 11,50€/Std gerecht erscheinen, und den deutschen Sozialisten nur 8,50€/Std. ?
;)

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