Einzelhandel: Im Land knausern die Verbraucher

Die Umsätze der Läden entwickeln sich in Baden-Württemberg deutlich schlechter als bundesweit.

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Hermann Hutter, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg.  Foto: 

Eigentlich müsste der Einzelhandel in Baden-Württemberg ständig neue Rekorde einfahren. Denn die Rahmenbedingungen sind bestens: Löhne und Gehälter legen kräftig zu. Trotz höherer Inflation haben die Verbraucher mehr Geld in der Tasche. Die Beschäftigung nimmt weiter zu. Trotzdem laufen die Geschäfte deutlich schlechter als im Bundesgebiet. In den ersten sieben Monaten 2017 stiegen die Umsätze im Land inflationsbereinigt nur um 0,7 Prozent. Bundesweit gab es dagegen ein Plus von 2,8 Prozent. Im benachbarten Bayern legte der Handel sogar um 4,2 Prozent zu.

Schon das vergangene Jahr lief unbefriedigend: Während der Einzelhandel bundesweit real mehr als 2 Prozent mehr umsetzte, gab es im Südwesten nur ein Plus von 1 Prozent.

Mit Erklärungsversuchen tut sich der Handelsverband Baden-Württemberg ziemlich schwer. Sein Präsident Hermann Hutter verweist auf das hohe Ausgangsniveau. Es gebe im Land „eine gewisse Sättigung“ bei den Konsumenten. Zudem spielten Sondereffekte wie der Einkaufs­tourismus aus der Schweiz keine so große Rolle mehr.

Innenstädte verlieren Besucher

Hinzu kommt ein Strukturproblem: Die Zahl der Besucher in den Innenstädten nimmt ab. Im Südwesten gebe es recht viele kleine Städte, die an Anziehungskraft verloren haben. Dort haben die selbstständigen Einzelhändler zu kämpfen. Die Innenstädte müssten auch in Zukunft attraktiv und erreichbar bleiben. Fahrverbote, das Streichen von Parkplätzen in den Innenstädten sowie zu geringe Investitionen in den Öffentlichen Nahverkehr wirkten wie ein Konjunkturprogramm für den Online-Handel. Der wächst sowieso schon deutlich stärker als der stationäre Handel.

Ungewiss ist, ob sich auch die Diesel-Krise negativ auf die Kauflaune der Verbraucher auswirkt. Gerade in Stuttgart gibt es die Regel: Wenn der Daimler hustet, bekommt die Region eine Lungenentzündung.

Die Aussichten sind ebenfalls nicht so prächtig. Für das ganze Jahr hofft der Handelsverband im Land auf 2 Prozent realen Zuwachs. Dazu müsste das Weihnachtsgeschäft sehr gut laufen. Bundesweit hat der Handelsverband HDE seine Prognose auf 3 Prozent hochgeschraubt.

Händler skeptisch

Eine Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg unter seinen Mitgliedern zeigt deutlich mehr Skepsis: Jeder zweite befürchtet für das ganze Jahr einen Umsatzrückgang. Ein Drittel hofft auf Zuwächse, der Rest auf stabile Verkaufszahlen. Angesichts der Probleme fordert Hutter von der Landesregierung mehr Hilfen für die Firmen bei der Digitalisierung, etwa beim Einrichten von Online-Shops.

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