Illegale Preisabsprachen: Kritik an Kartoffel-Kartell

Überhöhte Preise für Kartoffeln haben die Verbraucher und Landwirte in Deutschland möglicherweise über Jahre bezahlt. Das Kartellamt ermittelt wegen illegaler Preisabsprachen gegen Erzeuger und Händler.

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Foto: © Springfield Gallery / Fotolia.com

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat die Ermittlungen des Bundeskartellamtes wegen illegaler Preisabsprachen bei Kartoffeln begrüßt. Nicht nur die Verbraucher, sondern auch viele Landwirte seien durch Absprachen großer Kartoffelhandels-Unternehmen möglicherweise massiv geschädigt und betrogen worden, erklärte der AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann am Wochenende.

Er verwies darauf, dass mehrere Landwirte seit langem ein undurchsichtiges Gebaren großer Kartoffelzucht- und Kartoffelhandels-Unternehmen kritisiert haben. Die AbL fordert deutlich mehr Markttransparenz sowie eine stärkere Bündelung der Interessen der Kartoffelbauern gegen Zucht- und Großhandelskonzerne. Die Notwendigkeit einer eigenen Interessenvertretung der Landwirte gegenüber den Abnehmern ihrer Erzeugnisse werde durch die Nachrichten von einem "Kartoffel-Kartell" erneut bestätigt, sagte Ilchmann.

Zuvor hatte das Bundeskartellamt mitgeteilt, dass es Durchsuchungen bei neun Unternehmen aus den Bereichen Erzeugung und Vertrieb gegeben habe. Außerdem seien gegen fünf weitere Unternehmen schriftlich Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Die Unternehmen stehen im Verdacht, illegale Preisabsprachen beim Handel mit Kartoffeln getroffen zu haben. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat das Kartoffel-Kartell über zehn Jahre einen Gewinn von mehr als 1 Mrd. EUR erzielt.

Niedersachsen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sprach von einem Skandal, sollte sich der Verdacht illegaler Absprachen bestätigen. "Nicht nur die Verbraucher wären durch überhöhte Preise erheblich geschädigt worden", sagte er am Wochenende.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sollen 80 bis 90 Prozent der großen und größeren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebel-Branche regelmäßig die Preise abgesprochen haben, zu denen die Supermarkt-Ketten beliefert wurden. Die Gewinnmarge soll so rasant in die Höhe gestiegen sein und sich mitunter verzehnfacht haben, vor allem auf Kosten der Verbraucher. Diese hätten in den Supermärkten weit mehr gezahlt als notwendig. Auch Pflanzkartoffeln für die Bauern sollen mit weit überhöhten Preisen verkauft worden sein. Medienberichten zufolge stammen fünf der verdächtigen Firmen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

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Kommentare

13.05.2013 08:35 Uhr

Kartoffel-Kartell

Es ist unglaublich was in unserem Land alles Möglich ist; Strom-Kartell, Mineralöl-Kartell, Kartoffel-Kartell,
Automobil-Kartell, Kaffee-Kartell u.s.w. lauter Betrüger am Werk und keiner ist im Stande dem Bürger Normalverbraucher zu helfen. Wir sind diesen Raffis ausgeliefert und der Staat schaut zu. Ich hoffe dass der Bürger mal aufwacht und sich nicht alles gefallen lässt. Den erzielten Gewinn aus den betrügerischen Machenschaften einziehen und in Schulen und Kindergärten investieren.

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