IG Metall will 6 Prozent mehr Lohn

Gewerkschaft: Die Große Tarifkommission im Südwesten will mehr Geld für die Beschäftigten  – und mehr Freiraum bei der Arbeitszeit. 28 Wochenstunden sollten befristet möglich sein. Die Arbeitgeber reagieren empört.

|
Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg: „Die wirtschaftliche Situation ist sehr gut.“  Foto: 

Für die anstehende Tarifrunde peilt die IG Metall die Forderung nach einem Lohnplus von um die 6 Prozent an. Außerdem soll für alle Beschäftigten ein Anspruch auf eine befristete Arbeitszeitverkürzung auf bis zu 28 Wochenstunden ausgehandelt werden. Die Große Tarifkommission der IG Metall im Südwesten beschloss in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart eine entsprechende Resolution. Auch in den sechs anderen Metalltarifbezirken trafen sich die Gremien, um über ihre Forderungen zu beraten – mit ähnlichen Ergebnissen.

„Die wirtschaftliche Situation ist gut, ist sehr gut“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. Anzeichen für eine Verschlechterung gebe es nicht. Verglichen mit der vorangegangenen Tarifrunde 2016 könne man einen Schritt mutiger sein. Damals war IG Metall mit einer Forderung von 5 Prozent gestartet.

Im Durchschnitt 63.000 Euro

Die Metallarbeitgeber im Südwesten nannten die Vorstellungen der Gewerkschaft „eine schwere Hypothek“ für die anstehende Tarifrunde. Für eine Umverteilung gibt  es nach seinen Worten keinen Anlass. So hätten die baden-württembergischen Tarifbeschäftigten seit dem Jahr 2000 bei einer Tarifsteigerung von gut 60 Prozent bereits ein Reallohnplus von mehr als 26 Prozent eingestrichen. Der Durchschnittsverdienst liegt nach seinen Worten mittlerweile bei mehr als 63.000 €.

Derzeit laufe das Geschäft in der Metall- und Elektroindustrie zwar gut. Doch trotz optimaler Rahmenbedingungen sei die Durchschnittsrendite seit Jahren bei mageren 3 Prozent festgetackert, sagte Wolf. „Knapp die Hälfte unserer Betriebe liegt sogar unter zwei Prozent.“ Die Forderungen der IG Metall bezeichnete er als absurd hoch.

Naturgemäß sieht die IG Metall die wirtschaftliche Lage anders. Auch in Nordrhein-Westfalen schwebt der Industrie-Gewerkschaft eine Forderung in einem Korridor um 6 Prozent vor. Im Bezirk Mitte wurden ebenfalls 6 Prozent vorgeschlagen, in Niedersachsen wurden 6,5 bis 7 diskutiert, Bayern legte sich nicht auf eine genaue Zahl fest.

Neben der Lohnforderung  strebt die IG Metall auch bei der Arbeitszeit Verbesserungen an. Mit der sogenannten kurzen Vollzeit will die Gewerkschaft dem Wunsch vieler Menschen Rechnung tragen, Arbeit und Privatleben besser miteinander vereinbaren zu können. Für 24 Monate sollen Beschäftigte ihre Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche herunterfahren und anschließend entscheiden können, ob sie in die reguläre Vollzeit zurückkehren oder weiter verkürzt arbeiten wollen. Für bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter oder Beschäftigte, die zu Hause Kinder zu betreuen haben oder Angehörige pflegen, will die IG Metall einen Zuschuss aushandeln.

Südwestmetall-Chef Stefan Wolf nannte die „alimentierte Arbeitszeitverkürzung für große Teile der Belegschaften“ einen extremen Kostentreiber. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hingegen betonte, es sei gut, dass die IG Metall die Arbeitszeit zu einem zentralen Punkt in der anstehenden Tarifrunde machen wolle.

Der Vorstand der IG Metall gibt seine Forderungsempfehlung am 10. Oktober ab. Gut zwei Wochen später legt der Vorstand die endgültige Forderung fest. Erstmals verhandelt wird dann im November.

In der Metall- und Elektrobranche in Baden-Württemberg sind rund 900.000 Menschen tätig. In ganz Deutschland sind es 3,9 Millionen, von denen knapp die Hälfte in Firmen mit Tarifbindung arbeitet. Auf Firmen ohne Bindung hat der Tarifvertrag aber eine Orientierungswirkung. dpa

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drei Millionen Euro für neue SSV-Duschen

Nach heftiger Debatte über die Sporförderung hat der Rat die Sanierung des Baus an der Gänswiese einstimmig durchgewunken. weiter lesen