Ideen zum gleitenden Übergang

Neue Gewerkschaftsforderungen zum flexiblen Wechsel in den Ruhestand hören sich für Arbeitnehmer attraktiv an. Fragen zur Finanzierung und Fachkräfte-Ausstattung der Wirtschaft bleiben aber.

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Die IG Bergbau Chemie Energie will eine Drei-Tage-Woche für ältere Beschäftigte. Im Bild ein Mitarbeiter im Braunkohletagebau Welzow-Süd.  Foto: 

Forderungen der Chemie-Gewerkschaft IG BCE, in der Tarifrunde 2015 einen Anspruch auf eine Drei- oder Vier-Tage-Woche ab 60 Jahren durchzusetzen, stoßen im Arbeitgeberlager auf Skepsis. Dies sind die Kernpunkte in der Debatte um "gleitende Übergänge" in die Rente:

Tarifliche kontra gesetzliche Regelung Vereinbarungen zu Altersteilzeit oder Vorruhestand werden meist über Tarifverträge der jeweiligen Branche abgedeckt oder betriebsintern getroffen. Die IG BCE sieht auch die Politik in der Pflicht: Deutschlands drittgrößte Gewerkschaft - sie vertritt 664 000 Beschäftigte - schlägt vor, dass sich neben einem Arbeitgeber-Lohnausgleich die gesetzliche Rentenversicherung an der Finanzierung beteiligt.

Mehr ältere Beschäftigte Insgesamt zeigt der Trend klar in Richtung eines längeren Arbeitslebens. Die Erwerbstätigenquote älterer Menschen in Deutschland stieg in den letzten zehn Jahren überproportional: Während 2003 nur knapp 13 Prozent der 60- bis unter 65-Jährigen noch einem sozialversicherungspflichtigen Job nachgingen, waren es Ende 2013 fast 32 Prozent. Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist auch die Quote von rund 61 Prozent bei den 55- bis unter 65-Jährigen überdurchschnittlich hoch.

Schon jetzt möglich Die grundsätzliche Möglichkeit, bei entsprechendem Einkommensverzicht vorzeitig aus dem Beruf auszusteigen, gibt es in Deutschland bereits seit 1992. Kritiker bemängeln, die bisherigen Spielregeln für die frühzeitige Teilrente seien zu starr und komplex. So sind Beschränkungen für Zusatzverdienste an die Lohnentwicklung gekoppelt. Die Bundesregierung diskutiert über eine "Flexi-Rente", bei der ab dem 60. Lebensjahr 30 bis 70 Prozent der vollen Summe beantragt werden könnten. Ein ähnlicher Vorstoß des Deutschen Gewerkschaftsbunds stieß bei Union und Arbeitgebern auf Widerstand.

Nachfrage gering Zwar interessieren sich immer mehr ältere Arbeitnehmer für die betriebliche Altersteilzeit. Ende 2011 waren es fast 500000. Die gesetzliche Teilrente fristet aber - jedenfalls in der aktuellen Struktur - noch ein Schattendasein. Nur gut 1000 ältere Beschäftigte entscheiden sich in Deutschland jährlich dafür.

Chemie-Branche Die IG BCE will das Anspruchsalter von 63 Jahren auf 60 Jahre drücken. Der Arbeitgeberverband Chemie (BAVC) will jedoch keine pauschalen Regeln. Die Tarifverträge erlaubten bereits die Gestaltung der Lebensarbeitszeit.

Metall- und Elektroindustrie Die von der großen Koalition beschlossenen Änderungen zur Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren machten es in der Stahlindustrie sowie in der Schlüsselbranche Metall und Elektro nötig, bestehende Regeln zur tariflichen Altersteilzeit neu zu fassen. Grundsätzlich will auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall den Beschäftigten die Möglichkeit erhalten, bis zu zwei Jahre vor dem eigentlichen Renteneintritt auszuscheiden. Dafür müssen sie bislang vier Jahre mit 82 Prozent ihres letzten Nettoentgelts auskommen. In den im Dezember startenden Tarifverhandlungen will die IG Metall höhere Sätze durchsetzen. Hinzu kommt die Forderung nach einer neuartigen Arbeitszeitverkürzung für Fortbildungswillige.

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