Hypovereinsbank schließt rund 240 Zweigstellen

Viele Bankkunden erledigen ihre Überweisungen inzwischen im Internet. Das macht den ansässigen Banken zu schaffen. Tausende Zweigstellen haben in den letzten Jahren dicht gemacht.

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Alte Schalterhalle: So sehen die neuen Bankfilialen nicht mehr aus. Viele Niederlassungen sind modernisiert - oder wurden geschlossen.  Foto: 

Die kleine Bankfiliale verschwindet in vielen Straßen Deutschlands aus der Nachbarschaft. Jahrzehntelang gehörten die Niederlassungen der Geldhäuser zum Bild wie die Bäcker oder Metzger. Weil aber immer mehr Kunden ihre Überweisungen online erledigen, dünnen die Banken ihr Netz aus. Die Hypovereinsbank prescht voraus und schließt bis zum kommenden Jahr 240 Filialen. "Wir können uns keine 600 Filialen erlauben", sagte Bankchef Theodor Weimer. Rund 1500 Arbeitsplätze fallen weg. Die verbleibenden 340 Zweigstellen werden für dreistellige Millionensummen zu Beratungscentern mit Lounge-Ecke und schicken Besprechungsräumen herausgeputzt. Fragen und Antworten zum Thema:

Was heißt das für die Kunden? Vor allem weitere Wege zur nächstgelegenen Bankfiliale - denn der Stadtplan ist bei Schließungen zum wichtigen Planungsinstrument geworden. Je näher zwei Zweigstellen beieinander liegen, desto eher wird eine davon geschlossen. Wer sich trotzdem auf den Weg macht, wird manch alte Filiale nicht wiedererkennen: Schalterhalle war gestern - in den neuen Bankhäusern werden die Kunden mit Cappuccino vor dem TV bei Laune gehalten.

Schätzen die Kunden die Modernisierungen? Bei den Kunden kommt das neue Erscheinungsbild nach Worten von Bankchef Weimer gut an. "Sie finden es toll, wenn sie in hochwertigere Filialen kommen." Der Kundenschwund durch die Schließungen sei bislang geringer als befürchtet. Die Commerzbank eröffnete am Berliner Kurfürstendamm und in der Stuttgarter Innenstadt "Flagship-Filialen". Um die Bankmitarbeiter in Sachen Gastlichkeit fit zu machen, gehörte sogar eine Fortbildung bei einer Restaurantkette dazu.

Sterben die Bankfilialen bald ganz aus? In naher Zukunft zumindest nicht. Denn viele Kunden erledigen ihre Überweisungen oder Daueraufträge zwar gerne vom Sofa aus, besprechen die Finanzierung ihrer Immobilie oder die Geldanlage der Erbschaft aber doch lieber persönlich mit ihrem Bankberater.

"Filialen sind unverzichtbar für eine Bank, die im Privatkundengeschäft auch in Zukunft erfolgreich sein will", meint der Chef der Commerzbank, Martin Blessing, die viel Geld in die Modernisierung der Filialen steckt. Zwar kommen die Kunden deutlich seltener in die Zweigstellen als früher. Aber wenn sie kommen, sind die Kundenkontakte für die Bank auch oft ergiebig: Weil es zum Beispiel um große Kredite für den Hauskauf geht, mit denen sich der Kunde über viele Jahre an seine Bank bindet.

Wie viele Filialen gibt es noch? Ende vergangenen Jahres gab es laut Deutscher Bundesbank noch gut 36 000 Zweigstellen der Banken in Deutschland. Das klingt erstmal viel - im Jahr 1995 waren es aber noch fast doppelt so viele, nämlich knapp 68 000. Mit Abstand die meisten Filialen haben die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken. Durch das schrumpfende Netz sind die einzelnen Filialen der Banken heute für wesentlich mehr Kunden zuständig als früher. Nach Berechnungen der Managementberatung A.T. Kearney betreut eine durchschnittliche Filiale heute 5000 Kunden und damit fast ein Fünftel mehr als noch im Jahr 2008.

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