HINTERGRUND: "Ein Boykott hilft nicht"

In Asien stehen die Nähstuben der Welt. Die Arbeitsbedingungen sind schlimm. Verbraucher stellen sich die Frage: Welche Textilien soll ich kaufen?

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"Der Verkaufspreis eines T-Shirts gibt keinen Aufschluss darüber, wo es hergestellt ist", sagt Kirsten Clodius von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC). Darunter seien auch hochwertige Markenhersteller. Sie rechnet damit, dass die Lohnkosten einer in Asien genähten 100-Euro-Jeans bei 1 EUR liegen. Werbung mache 25 EUR aus, 50 EUR stecke der Handel ein.

Würde es den Näherinnen helfen, wenn Kleidung aus Asien boykottiert würde? Nein. Die Näherinnen hätten ihre Organisation darum gebeten, nicht zum Boykott aufzurufen, sagt Clodius. Sie hätten Angst, ihre Arbeit zu verlieren.

Wer kann dann dafür sorgen, dass die Textilproduktion sicherer und menschenfreundlicher wird? Darüber gibt es Streit. Der Modeverband sieht Produktionschefs und Politiker in den Herstellerländern in der Pflicht. Hier herrsche viel zu oft "ein Raubtierkapitalismus", sagt Rasch. Auch Kunden aus Deutschland könnten helfen: "Ich darf keine Jeans für 9,90 EUR kaufen!" Diese Preise seien mit normalen Arbeitsbedingungen nicht zu erreichen.

Wie viel mehr würde ein Kleidungsstück kosten, wenn angemessene Löhne bezahlt würden? Nach Verdi-Berechnungen würden ein T-Shirt oder eine Bluse nur 12 Cent mehr kosten, wenn deutsche Textilhändler in ihrer Kalkulation für jede Näherin im Monat 50 EUR mehr berücksichtigen würden. Damit würden viele Arbeiter etwa doppelt so viel verdienen wie jetzt.

Wie lassen sich besser produzierte T-Shirts erkennen? Für Mode gibt es mehrere Siegel. Ein grünes Label mit weißem Hemd steht für "Global Organic Textile Standard" (GOTS) - zu den Kriterien gehören das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit sowie die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Ein rot-weißes Label mit dem Aufdruck "IVN zertifiziert Naturtextil" findet sich auf Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Seide. Es steht auch für die Einhaltung von Sozialstandards am Arbeitsplatz und die Einhaltung geregelter Arbeitszeiten. Auch das Öko-Zeichen "Textiles Vertrauen nach Oeko-Tex Standard 100plus" steht mit für die Einhaltung von Sozialkriterien.

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