Herbstbelebung kaum zu sehen

Kein goldener Oktober am Arbeitsmarkt im Südwesten: Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 3,8 Prozent. Es gab weniger Stellensuchende als im September. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl aber.

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Stuttgart - Die saisonübliche Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt ist im Südwesten schwächer ausgefallen als noch vor einem Jahr. Insgesamt waren im Oktober 218 200 Baden-Württemberger ohne Arbeit. Das sind 1,8 Prozent weniger als im September, aber auch 5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mit. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 3,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 3,7 Prozent gelegen.

Bundesweit rangiert der Südwesten damit weiterhin auf Platz zwei hinter Bayern (3,4 Prozent). Im Freistaat stieg die Zahl der stellensuchenden im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,5 Prozent auf 231 468. In Deutschland insgesamt lag die Arbeitslosenquote im Oktober unverändert bei 6,5 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich leicht auf 2,75 Millionen.

"Die Delle in der Konjunktur wird vor allem in der Zurückhaltung der Unternehmen bei der Arbeitskräftenachfrage deutlich", sagte Eva Strobel, Chefin der Stuttgarter Regionaldirektion. So waren im Oktober 72 384 offene Stellen gemeldet, 3017 weniger als im September und 5598 weniger als im Vorjahr.

Die geringere Einstellungsfreudigkeit trifft besonders Frauen und Männer unter 25 Jahren. Im Oktober hatten 18 869 junge Menschen keine Arbeitsstelle, 14,2 Prozent weniger als im September, aber auch 14,8 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. "Erfahrungsgemäß zeigt sich, dass bei einer konjunkturellen Abschwächung vor allem die Jugendlichen unter 25 Jahren stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind", erklärte Strobel.

Die Arbeitslosenquote liegt hier bei 2,8 Prozent (Vorjahr: 2,5 Prozent). Auch bei den Jugendlichen ist Baden-Württemberg aber anderen Bundesländern voraus und belegt hinter Bayern Platz zwei (2,7 Prozent).

Der Fachkräftemangel ist den Angaben zufolge auch im Südwesten spürbar. So registrierten das verarbeitende Gewerbe sowie die Bereiche Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung im Oktober Bewerberengpässe.

Wirtschaftsminister Nils Schmid und Arbeitsministerin Katrin Altpeter (beide SPD) sprachen trotz des schwächeren Herbstaufschwungs von einer stabilen Lage. Sorgen bereitete Altpeter die hohe Arbeitslosenquote bei Ausländern von aktuell 8,8 Prozent. Im Oktober 2011 lag sie noch bei 8,4 Prozent. Die Gründe seien oftmals Probleme mit der deutschen Sprache und fehlende oder geringe Qualifikation, sagte Altpeter. "Angesichts der demografischen Entwicklung können wir es uns nicht leisten, auf diese Menschen zu verzichten."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritsiserte, dass fast jeder zweite Arbeitnehmer bereits in Leiharbeit, Teilzeit oder in Minijobs tätig sei. "Gute Arbeit sieht anders aus", sagte DGB-Landeschef Nikolaus Landgraf.

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