Hautcreme mit Quecksilber

Wenn ein Wasserkocher in Flammen aufgeht oder ein T-Shirt abfärbt, kann es gefährlich werden. Dann greifen Tester ein und lassen das Produkt vom Markt nehmen. In Europa finden sich mehr solcher Waren.

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Der Binnenmarkt bietet den Verbrauchern heute mehr Sicherheit, glaubt EU-Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg. Foto: afp

Die Puppe war schön anzufassen, aber ihr Kunststoff voller verbotener Weichmacher. Den Wasserkocher konnte man zwar benutzen, aber nur einmal, denn er ging sofort in Flammen auf. Und wer die Hautcreme auftrug, strich sich Quecksilber auf den Körper und musste mit Vergiftungen rechnen.

Dass diese Produkte keinen weiteren Schaden anrichten konnten, verdanken Europas Verbraucher dem Schnellwarnsystem der EU. Tausende Prüfer der nationalen Behörden sind in den EU-Ländern im Einsatz, um riskante Waren an der Grenze, in Häfen oder im Laden zu beschlagnahmen oder zu verbieten. Die Warnung geht über die "Rapex"-Datenbank an alle EU-Länder - die dann handeln. So wird die Gefahr schneller gebannt.

2013 entdeckten die Tester fast 2300 gefährliche Produkte. Das war über ein Viertel mehr als 2011 und eine ähnliche Menge wie 2010. Seit neun Jahren gibt es die Rapex-Datenbank. Die EU-Kommission wertet die hohe Zahl der Funde als gutes Zeichen. Die Überwachung zeige Erfolge. "Der Binnenmarkt bietet den Verbrauchern heute mehr Sicherheit", sagt EU-Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg.

Doch ist das wirklich so? Kritiker sehen das anders. "Die hohe Zahl belegt, dass immer noch zu viele riskante Güter in die Regale unserer Geschäfte gelangen", sagt die Leiterin der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc, Monique Goyens. "Die Behörden schaffen es einfach nicht, das zu stoppen." Viele Länder hätten in den vergangenen Jahren beim Personal und bei den Budgets von Prüfstellen gekürzt. Zudem gebe es eine hohe Dunkelziffer an riskanten Waren, die den Kontrolleuren entgingen.

Die Wirkungsweise des Schnellwarnsystems kann wohl noch verbessert werden. So fällt auf, dass fünf Länder - darunter Deutschland - mehr als die Hälfte aller Warnungen in Europa verschickte. Andere Staaten handhaben das laut EU-Bericht sehr viel lascher.

Unbestritten ist aber, dass die EU-Kommission vielen Lieferländern wie China oder Indien klar macht, dass sie die Qualität ihrer Waren verbessern müssen, um diese in Europas Läden zu bringen.

Als Problemland gilt nach wie vor China, das mit weitem Abstand am häufigsten unangenehm auffällt, und zwar seit Jahren. Ein Grund dafür ist, dass China den europäischen Markt mit billigen Textilien und Spielzeugen überschwemmt. Beide Produktgattungen tauchen bei den Warnungen besonders oft auf. Die Kunststoff-Puppe mit den verbotenen Weichmachern etwa kostete nur 4,75 EUR. Falls ein Kind daran lutschen würde, gelangten die hochtoxischen Weichmacher in den Körper, die im Verdacht stehen, unfruchtbar zu machen.

Dass China nach wie vor die Negativliste anführt, nährt den Verdacht, dass die EU dem wichtigen Handelspartner China nicht genug Druck macht. EU-Kommissar Borg tritt dem entgegen: "Es gibt keinerlei politische Überlegungen, wenn es um die Sicherheit geht." Bei Kinderspielzeug darf Deutschland zudem an extra-strengen Grenzwerten für Schwermetalle festhalten: Das EU-Gericht gab der Bundesregierung gestern mit einem Urteil Rückendeckung.

Und die EU legt nach. Um den Herstellern mangelhafter Ware schneller auf die Schliche zu kommen, soll das Label "Made in" mit Angabe von Land und Hersteller bald zur Pflicht werden. Waren, die immer wieder mit Mängeln auffallen, sollen zudem dauerhaft vom Markt verbannt werden.

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