Hausärzte sind im Glück

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Ich bin zufrieden mit meinem Einkommen, mache meine Arbeit gerne und bin auch mit Leib und Seele dabei. Und letztlich ist es einfach schön, zu wissen, dass ich etwas Sinnvolles mache.“ Nicola Buhlinger-Göpfarth ist Hausärztin in Pforzheim und gleichzeitig Vorstandsmitglied im Hausärzteverband Baden-Württemberg. Sie gehört zu einem ausgewählten Kreis: Ihr Beruf macht am glücklichsten – zumindest laut einer Studie des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die Ärztin weiß auch warum. „Unser Beruf ist sehr abwechslungsreich, denn wir haben ein breit gefächertes, interessantes Arbeitsgebiet.“ Hausärzte behandeln als Generalisten den ganzen Menschen und kennen Patienten oft schon lange, sagt sie. „Die Patienten schätzen das genauso und ich spüre das im gemeinsamen Gespräch.“ Persönlich findet sie es wichtig, dass sie Beruf und Familie gut vereinbaren kann – durch die  Selbstständigkeit sei das möglich.

Das DIW fragt regelmäßig mehr als 20 000 Deutsche nach ihren Lebensumständen. Hausärzte, so ein Fazit, sind tatsächlich am zufriedensten mit ihrem Job, gefolgt von Geschäftsführern, Softwareentwicklern, Hochschullehrern, Rechtsanwälten, Psychologen und Lehrern. Ganz am Ende der Rangliste stehen Objekt- und Personenschützer sowie Call-Center-Agenten. Wer im Call-Center arbeite, dem fehlen oft Geld, positive Rückmeldungen und  Anerkennung, wie eine Umfrage von Verdi gezeigt hat.

Nun gibt es zur Zufriedenheit nicht nur eine Studie, sondern viele – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Laut einer Umfrage der Jobsuchmaschine Indeed zum Beispiel gehören zu den Top 20 der zufriedensten Berufe Handwerksberufe wie Maurer, Tischler oder Elektriker. Oben in der Glückshitliste stehen aber auch Lehrer und Krankenschwestern. Ganz an der Spitze findet man Trainer, studentische Hilfskräfte und Geschäftsführer.

Wichtige Voraussetzungen

Wovon hängt es ab, ob ein Beruf glücklich macht oder nicht? „Am glücklichsten machen Berufe, in denen die Beschäftigten direkte Wertschätzung von ihrem Arbeitgeber und von denen, für die sie ihre Arbeit machen, erfahren“, sagt Andreas Henke, Pressesprecher des Verdi-Landesbezirks Baden-Württemberg. Dazu gehöre auch die materielle Wertschätzung, sprich: die Bezahlung. Und nicht zuletzt spiele der Sinn der eigenen Tätigkeit eine nicht unerhebliche Rolle.

Am unteren Ende rangierten schlecht bezahlte und hoch belastende Berufe. „Dazwischen ist die Welt aber oft nicht schwarz oder weiß: Die allermeisten Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger beispielsweise lieben ihre Arbeit und können sich keine andere vorstellen“, stellt er klar. Wesentlich sei auch, ob selbstbestimmt gearbeitet werden kann.

Das scheint zu stimmen. Selbstbestimmung und Individualisierung seien heute die treibenden Kräfte hinter motivierten Mitarbeitern, meint die Arbeitgeber-Bewertungsseite „kununu“. So lägen jene Branchen, die neue Formen des Arbeitens wie Homeoffice anbieten, im Glücks-Ranking vorn. Absoluter Spitzenreiter ist laut dieser Umfrage die Branche Internet/Multimedia, die Textilbranche belegt den letzten Platz, hinter dem Handwerk. Abgefragt wurden Faktoren wie Kollegenzusammenhalt, Vorgesetztenverhalten, interessante Aufgaben und Arbeitsatmosphäre.

Am DIW hat  Psychologe David Richter herausgefunden, dass Menschen nicht viel unglücklicher werden, wenn sie auch am Wochenende arbeiten müssen. Zumindest die Arbeitszeit spielt also keine herausragende Rolle. Auch die Arbeitsmenge ist nicht entscheidend, zumindest hat das eine Untersuchung mehrerer europäischer Länder an der „London School of Economics“ gezeigt.

Laut des britischen Meinungsforschungsinstituts Yougov sind übrigens nur 7 Prozent der Deutschen wirklich unzufrieden mit ihrem Job, drei Viertel der Arbeitnehmer macht ihre Arbeit aber mehrheitlich Spaß, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Zahlen und Fakten zur Frage nach den besten Berufen hat die Handwerkskammer Ulm nicht. Eindrücke aber wohl. So meint Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich, dass Menschen, die einen Handwerksberuf ausüben, meist sehr zufrieden sind. Für ihn spiegelt sich dieser Eindruck darin wider, dass auch das Thema Burn Out im Handwerk eine untergeordnete Rolle spiele. „Grundsätzlich kann man in jedem Beruf glücklich werden, wenn man den Mut hat, das zu machen, wofür man Spaß, Engagement und Leidenschaft aufbringt, ohne sich von außen unter Druck setzen zu lassen.“ So gebe es schlicht in allen Berufssparten glückliche Menschen.

In welchen Bundesländern die Mitarbeiter am glücklichsten sind, hat die Arbeitgeber-Bewertungsplattform „kununu“ analysiert: Hamburg liegt vor Berlin, Bayern, Bremen und Baden-Württemberg, die mit dem Wert 3,65 alle gleichauf liegen. 1 bedeutet in dieser Skala sehr schlecht, 5 heißt sehr gut. Ganz unten bei der Zufriedenheit landet Sachsen-Anhalt. Auffällig sei bei der Auswertung der Aufwärtstrend in Baden-Württemberg, das sich für den Zeitraum des letzten Jahres auf den zweiten Platz schiebt. Maßgeblich daran beteiligt seien Unternehmen wie Daimler, Porsche, Bosch oder Heidelberg Cement, die nicht nur zu den führenden Anbietern in ihren Branchen zählen, sondern auch hohe Werte bei der Mitarbeiterzufriedenheit erzielen. cast

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