Hannover Messe: Maschinenbauer rechnen mit mehr Aufträgen

Zum Auftakt der Hannover Messe ist die Industrie positiv gestimmt. Alle großen Verbände rechnen im laufenden Jahr mit Zuwachs, die Fragezeichen konjunktureller Natur sind kaum der Rede wert.

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Deutschlands Industrie sieht sich allen positiven Konjunkturprognosen zum Trotz an einem Scheideweg stehen. Der Trend zur digitalisierten Wirtschaft, die umstrittene Energiewende und der Mangel an Fachkräften stellen unsichere Vorzeichen für die Zukunft dar, betonten die Branchenverbände der Industrie in Hannover zum Start ihrer Weltleitmesse übereinstimmend. Zudem wächst die Sorge, dass sich die politische Krise auf der Krim auch zu einer wirtschaftlichen Belastungsprobe für das Russlandgeschäft auswächst.

Die nackten Zahlen stimmen zunächst zuversichtlich: "Die globale Wirtschaftstätigkeit wird weiter anziehen", sagte der Präsident des Industriebranchenverbandes BDI, Ulrich Grillo. Gute Aussichten etwa für die Absatzmärkte USA und Japan stimmten ihn optimistisch. "Ein Exportzuwachs von 5 Prozent ist unsere Schätzung", sagte Grillo und bekräftigte die BDI-Jahresprognose für ein Plus der bundesweiten Wirtschaftsleistung (BIP) "in einer Größenordnung von 2 Prozent".

Zum Vergleich: 2013 hatte die deutsche Wirtschaft nur dank der Kauflaune der Verbraucher preisbereinigt ein Mini-Wachstum von 0,4 Prozent geschafft. In den Jahren zuvor war mehr Tempo drin.

Auch die Maschinenbauer sind guter Dinge. Nach einem Dämpfer bei den Auftragseingängen zum Jahresstart hoffen sie auf spürbar mehr Orders in den nächsten Wochen. In den ersten beiden Monaten 2014 habe der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau mit plus 1 Prozent Zuwachs zum entsprechenden Vorjahreszeitraum stagniert, berichtete der Branchenverband VDMA. "Da beißt die Maus keinen Faden ab: Ein Aufschwung sieht anders aus", sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge. Dennoch erhalte der VDMA seine Wachstumsprognose fürs laufende Jahr und peile plus 3 Prozent bei der Produktion an, die zeitversetzt aus den Auftragseingängen resultiert.

VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers sprach von einer durchwachsenen Gemengelage. Die Zukunftsaussichten für das Produktionsplus von 3 Prozent seien keinesfalls einheitlich für die Sparten, sondern ein Gesamtbild. "Insgesamt sind wir aber nach wie vor der Ansicht, dass die Weltkonjunktur anzieht und wir davon profitieren."

Unisono mahnte die Industrie mehr Transparenz, Sicherheit und Tempo bei der Energiewende an, die in politischen Reformen steckt. Grillo sagte: "Bedauerlich ist, dass die entscheidenden Schritte, die Kosten insgesamt zu stoppen, immer noch nicht absehbar sind." Die Entlastungen von der EEG-Umlage seien ein wichtiger Standortfaktor.

Einig waren sich BDI und VDMA beim Thema Krim-Krise. Sie warnten vor einer weiteren Eskalation, stärkten der Politik aber gleichzeitig den Rücken. "Es ist völlig klar, dass hier ein eklatanter Bruch des Völkerrechtes begangen wurde", sagte VDMA-Präsident Festge. "Aber man muss wissen, was man tut, wenn man mit lautem Geschrei weiter an der Eskalationsschraube dreht: Es geht um den viertgrößten Markt für den Maschinenbau und es gibt kein Land, das derartig massive Investitionen in Russland getätigt hat, wie Deutschland", warnte er.

Kritische Töne gab es bei Einschätzungen zur Wettbewerbsfähigkeit für den Erfolg von Morgen. Der Technikverband VDE fürchtet im Rennen um Spitzenforschung einen Rückfall. Er vertritt die Schlüsselbranchen Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. So sorge sich die deutsche Hochschullandschaft, dass die Budgets für akademische Lehre und Forschung 2014 eher sinken und Förderung bestenfalls stagniere.

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