Grünes Licht aus Mexiko für E-Plus und O2

O2 will E-Plus kaufen. Der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim macht nun den Weg frei. Für den deutschen Mobilfunkmarkt wird sich viel ändern.

|
Der Mexikaner Carlos Slim ist Mehrheitsaktionär von E-Plus. Foto: dpa

Der Knoten ist geplatzt. Mit dem Schwenk von Multimilliardär Carlos Slim ins Lager der Unterstützer hat die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) eine hohe Hürde genommen. Die Abstimmungen der Aktionäre beider Unternehmen wird damit zum Selbstläufer.

Der Milliardendeal im deutschen Mobilfunkmarkt ist aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Eine Übernahme würde die Anzahl der Anbieter auf dem hartumkämpften Feld von vier auf drei verringern. Und das sehen die Wettbewerbshüter kritisch. In deren Spielfeld liegt nun der Ball. Und noch ist nicht entschieden, welche Kartellbehörde das Geschäft letztlich prüfen wird: Das Bundeskartellamt oder die angesichts der Größe des Geschäfts zuständige EU-Kommission. Kartellamtschef Andreas Mundt jedenfalls betrachtet sein Haus als zuständig.

In Deutschland würde aus E-Plus und O2 zusammen mit einem Schlag ein neuer Marktführer entstehen. Telekom und Vodafone müssten sich mit den Plätzen zwei und drei zufriedengeben. Manche Experten halten es zumindest für möglich, dass das den Wettbewerb auch hier entschärfen könnte - zulasten der Kunden.

E-Plus hatte die Konkurrenten mehrfach mit Preissenkungen geschockt. Diese murrten erst, zogen dann aber nach. Im Laufe der Zeit sackten die Preise immer weiter nach unten. Der Verbraucher freut sich, die Branche ächzt aber unter den Kosten des Netzausbaus, ohne dass sie das Geld dafür bei den Kunden wieder einsammeln kann.

Auch Carlos Slim ging es wohl vor allem ums Geld. Das Verhältnis zwischen der niederländischen E-Plus-Mutter KPN und ihrem Großaktionär war nie besonders gut. Im Sommer vergangenen Jahres war Slim mit seinem Unternehmen America Movil gegen den Willen der KPN-Führung mit knapp 30 Prozent eingestiegen. Als KPN den Verkauf der Ertragsperle E-Plus ankündigte, eskalierte die Lage. Slim fand den Preis zu niedrig. Um den Deal zu stoppen, drohte er damit, KPN komplett zu übernehmen.

KPN setzte Slim die Pistole auf die Brust und lud für den 2. Oktober zur Hauptversammlung. Doch stimmberechtigt sind nur die Aktionäre, die ihre Papiere bereits am 4. September gehalten haben. Denkbar ist, dass Slim die Zeit fehlte, seinen Anteil bis dahin auszubauen. Nun ist ihm Telefónica entgegen gekommen. Eine halbe Mrd. EUR ist die Offerte nun schwerer.

Doch auch die Bundesnetzagentur hat ein Wort mitzureden. Sollte der Verkauf erlaubt werden, ist es wahrscheinlich, dass die Netzagentur das neue Unternehmen zwingen wird, Frequenzen abzugeben. Sie wurden unter der Bedingung erteilt, dass die Unternehmen unabhängig sind. Bei einem Zusammenschluss droht ein Ungleichgewicht gegenüber der Telekom und Vodafone.

Dafür gibt es einen berühmten Präzedenzfall: Als die Deutsche Telekom ihr Netz in Großbritannien mit dem von France Telecom zusammenlegte, mussten sie bei den Frequenzen Federn lassen. TELEFÓNICA]

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Amok-Anlage in List-Schule vor dem Austausch

Die Stadt Ulm reagiert auf ständige Fehlalarme in der List-Schule: Falls die elektronische Steuerung nicht sauber repariert werden kann, kommt ein neues System. weiter lesen