Griechenland vor neuem Schreckensjahr

Die Griechen haben den Jahreswechsel in verhaltener Stimmung erlebt. Der Zustand ihres Landes verunsichert die Bevölkerung zutiefst. Gerüchte um die Rückkehr zu Drachme schüren schon Panik.

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Der Sparkurs ruft in der Bevölkerung weiterhin Proteste hervor. Foto: dpa

Das neue Jahr beginnt in Griechenland mit den alten, gewaltigen Problemen: Die Wirtschaft ist weiter auf Talfahrt, es wird gestreikt, die Regierung warnt vor der Staatspleite. Die Griechen sind tief verunsichert. Um bis zu 40 Prozent sei der Konsum über die Feiertage zurückgegangen, berichtete der Restaurant- und Barverband von Athen. Die Hotels in den Urlaubszentren waren halbleer. Gestern starteten die Apotheker einen 48-stündigen Streik, weil die Zahlungen der staatlichen Versicherungen um Monate hinter ihren Verpflichtungen hinken.

Die griechische Regierung will jede Panikmache wegen einer möglichen Rückkehr des Landes zur Drachme verhindern. Regierungssprecher Pantelis Kapsis sagte gestern im griechischen Radio: "Es bringt jetzt nichts, Panik zu erzeugen, dass wir zur Drachme zurückkehren." Das Land müsse hart und konsequent arbeiten, um die Rückkehr zur Drachme abzuwenden. Die griechische Wirtschaft aber befinde sich in einem "sehr schlimmen Zustand". Wachstumsfördernde Investitionen und Maßnahmen seien dringend notwendig.

Regierungschef Lucas Papademos machte keinen Hehl daraus, wie schlimm die Lage ist: "Es gibt keine Wunderlösungen", sagte er bei seiner Neujahrsansprache. Alle Bemühungen müssten fortgesetzt werden, damit die Krise nicht zu einer "unkontrollierbaren katastrophalen Zahlungsunfähigkeit" führe.

Es mehren sich die Berichte, der bislang geplante freiwillige Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent könnte nicht reichen, das Ziel betrage nun 70 bis 80 Prozent. Das Finanzministerium in Athen wollte dies jedoch bislang nicht bestätigen. Ziel seien "die 50 Prozent", heißt es immer wieder. Damit würde Griechenland nach den Worten des Finanzministers Evangelos Venizelos 100 Mrd. EUR seiner Schulden loswerden.

Die nächsten drei Monate bestimmten die Zukunft des vom Bankrott bedrohten Landes für Jahrzehnte, sagte Papademos. Bis Mitte März soll eine, wie die griechische Presse sie nennt, "Supertranche" für Griechenland in Höhe von 89 Mrd. EUR von den internationalen Geldgebern ausgezahlt werden. Ende März muss Athen 14,5 Mrd. EUR für fällige Anleihen zahlen.

Um diese "Supertranche" zu bekommen, muss Athen aber zusammen mit seinen Gläubigern den geplanten Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent unter Dach und Fach bringen. Nur wenn dieser Schuldenschnitt geregelt ist, kann das neue Hilfsprogramm für Griechenland in Höhe von 130 Mrd. EUR in die Wege geleitet werden. dpa

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