Gigantisches Sicherheitsloch durch Windows XP

Die Besitzer von 18 Millionen Computern in Deutschland müssten von heute an eigentlich unruhige Nächte haben: Microsoft beendet die Unterstützung von Windows XP. Das ist ein großes Sicherheitsrisiko.

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Am Dienstag schließt sich ein Fenster: Das noch weit verbreitete Betriebssystem Windows XP wird vom Hersteller Microsoft nicht mehr abgesichert. Der Support, also die Unterstützung, endet nach fast 13 Jahren. Damit können Unbefugte möglicherweise leichter von außen über das Internet in Computer eindringen, Daten ausspähen, Dokumente und Bilder stehlen, sie als Werbe-Verschicker missbrauchen oder PCs etwa völlig sperren und nur gegen Geld wieder frei geben.

Antiviren-Systeme und so genannte Firewalls - die den Internet-Verkehr des Computers kontrollieren - erschweren das Eindringen in der Regel zwar. Verhindern können sie künftig Angriffe laut Computermagazin "ct" aber nicht unbedingt.

"Wir empfehlen dringend, einen Wechsel des Betriebssystems in Betracht zu ziehen", sagt Sebastian Barchnicki vom Institut für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen. Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder gefährliche Lücken, obwohl Microsoft regelmäßig "Heftpflaster" für die löchrige "Haut" von Windows XP programmierte und über Internet zur Verfügung stellte. Fällt dieser Schutz weg, stehen Angreifern Tür und Tor offen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI erwartet, dass sich Kriminelle mit Attacken derzeit bewusst zurückhalten, um bereits gefundene Sicherheitslücken künftig auszunutzen. Selbst Microsoft schätzt das Risiko, sich mit Schädlingen zu infizieren 21 mal höher ein als etwa unter dem Nach-Nachfolger Windows 7.

Das Sicherheitsloch ist gigantisch. In Deutschland soll noch auf 30 Prozent der Computer das für die IT-Welt als "Oldie-Programm" geltende Windows XP laufen: 18 Mio. PC oder Laptops sind damit ausgestattet. Weltweit könnte das zweithäufigste installierte Betriebssystem auf bis zu einer halben Milliarde Rechnern laufen.

Gründe für die Treue zu Windows XP gibt es viele. So war der Nachfolger Windows Vista bei den Verbrauchern eher unbeliebt, weil er Computer ausbremste und neue Software verlangte. Noch heute wird Windows XP etwa in Asien gern verwendet, weil es sich auf mehreren Rechnern illegal installieren lässt - die Nachfolger sind da zickiger.

In Unternehmen und Behörden ist XP ebenfalls noch weit verbreitet. Professionelle Nutzer sind meist sehr konservativ bei Software: Bevorzugt werden Programme ohne Kinderkrankheiten, über die viel bekannt ist und für die es eine große Auswahl an preiswerten Anwendungen gibt. Von den 7200 Rechnern der Bundestagsverwaltung liefen im Januar laut "Süddeutscher Zeitung" noch mehr als 5400 mit XP. Bis Ende Mai sollen immerhin die Computer in den Abgeordnetenbüros aktualisiert worden sein.

Schwachstellen in Programmen wie Windows XP und Office 2003 - für das ebenfalls der Support endet -, hält Barchnicki für normal: "Ein Betriebssystem ist ein sehr komplexes Stück Software, das wird immer viele Sicherheitslücken haben." Je länger es am Markt sei, desto größer sei die Energie, um Sicherheitslücken zu finden und auszunutzen.

Für Matthias Gärtner vom BSI ist klar: "Im klassischen Einsatz von XP, etwa im privaten Bereich, raten wir zu einem Wechsel auf ein aktuelles Betriebssystem, das ist unsere Kernaussage." Das gelingt auch kostenlos. Wer nur wenig Computer-Erfahrung hat, wird dafür aber wohl Geld in die Hand nehmen müssen.

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