Gefeuerter Motorenentwickler belastet Audi-Chef

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Brisante Vorwürfe erhebt ein entlassener Motorenentwickler gegen Audi-Chef Rupert Stadler in einem Prozess vor dem Heilbronner Arbeitsgericht. Ulrich Weiß behauptet, Stadler habe spätestens seit Sommer 2012 von jenen Manipulationen an den Autos gewusst, die als „Dieselgate“ bekannt geworden sind. Am Rande der Verhandlung beharrte ein Audi-Sprecher auf der bisherigen Erklärung, Stadler habe „erst Ende 2015“ von den illegalen Machenschaften erfahren.

Der Kläger sieht sich als Bauernopfer. Er will zurück zu Audi. Ulrich Weiß, der zuletzt 458 000 € verdiente, habe bei seinem Arbeitsbeginn am 1. Juli 2011 bei Audi „ein System der bestehenden Manipulationen“ vorgefunden, deren Ursprung in den Jahren 2007/2008 liege, erklärte einer seiner Anwälte. Er selber habe stets größten Wert auf saubere Motoren gelegt. Als Beweis wurde ein Papier vorgelegt, aus dem hervorgehen soll, dass sich Weiß 2015 geweigert habe, einen Q7 mit einem „Sonderdatenbestand“ zu bestücken, damit die Abgaswerte für Hongkong eingehalten werden könnten.

Gepräch mit dem Chef

Der Ingenieur wurde ab 25. November 2015 bei vollen Bezügen freigestellt. Einen Monat später habe Stadler seine Vermutung bei einem Gespräch in Ingolstadt bestätigt, dass er auf Druck von Aufsichtsrat und Vorstand geopfert werde. „Da ist was Wahres dran“, habe der seit 2007 amtierende Audi-Chef gesagt.

Im Prozess wurde auch eine E-Mail aus einer Audi-Abteilung verlesen, aus der hervorgehen soll, dass ein Arbeitskreis mit Wissen Stadlers am 18. Juli 2012 beschlossen habe,  die Fahrzeugproduktion für die USA „dreckig anlaufen“ zu lassen. Gemeint ist damit offenbar, Abgasregeln technisch auszutricksen. Ein Grund für die Eile sei der starke Wettbewerbsdruck gewesen.

Vor Verhandlungsbeginn hatte ein Audi-Anwalt Weiß eine ordentliche Kündigung auf den Tisch gelegt. Am 17. Februar war eine außerordentliche Kündigung eingegangen, obwohl zwei Tage zuvor vor dem Landesarbeitsgericht noch nichts von einer Entlassung bekannt war. Im Prozess wurde den Rauswurf mit der Vernichtung von Dokumenten über „defeat devices“ und der unterbliebenen Information des Vorstandes ab September 2015 begründet. Weiß wies diese Vorwürfe zurück.

Die Kammer unter Vorsitz des Gerichtsdirektors Carsten Witt wollte das Verfahren nicht zu „einer politischen Generalabrechnung“ geraten lassen. Zu der Sitzung war ein in der Geschichte des Gerichts einmaliges Medienaufgebot erschienen. Witt wird am 10. März die Entscheidung verkünden.

Autobauer prüft Anzeige

Auf die Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden will Audi möglicherweise strafrechtlich reagieren. Es werde eine Anzeige gegen Unbekannt wegen falscher Verdächtigung, gefälschten Dokumenten und Verrats von Betriebsgeheimnissen geprüft, sagte ein Unternehmenssprecher.

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