Für Menschen gemacht

Sich und die Produkte verbessern und weiter entwickeln: Nach diesem Motto führt Christoph Ulrich sein Familienunternehmen der Medizintechnikbranche. Die Firma besteht schon seit 100 Jahren.

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Christoph Ulrich an seinem Lieblingsplatz im Unternehmen: Im Zuge der Feier des 100jährigen Firmenjubiläums schufen die Mitarbeiter mit ihren Handflächen das Bild im Hintergrund. Gemeinsam gestalten und besser werden, das sind zwei der Grundsätze Ulrichs. Foto: Matthias Kessler

Viele Menschen kommen mit Produkten von Ulrich Medical aus Ulm in Berührung, ohne es zu ahnen. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Medizintechnik. Dazu gehören neben einer Reihe ausgefeilter chirurgischer Instrumente und medizinischer Geräte wie etwa Kontrastmittelinjektoren oder Blutsperrgeräte auch "Ersatzteile" für den menschlichen Körper, etwa Schrauben aus Titan, Bandscheibenersatz und andere Implantate. Diese werden nach einem Unfall, einer Verletzung oder einer Erkrankung eingesetzt.

Christoph Ulrich führt das Familienunternehmen in der vierten Generation. Mit einem gewissen Stolz schaut der junge Chef auf die 100jährige Firmengeschichte zurück. Die Familie stammt aus dem Kreis Tuttlingen, der bis heute ein Zentrum der Chirurgiemechanik geblieben ist. Heinrich C. Ulrich kam 1912 nach Ulm, auf die Bitte eines Chirurgen hin. "Er wollte, dass mein Uropa für seine OPs entsprechende Instrumente herstellt", erklärt Ulrich. Die enge Zusammenarbeit mit den Kliniken und Ärzten bei der Entwicklung neuer Produkte blieb bis heute. Der Urgroßvater legte mit seiner Werkstatt für Medizintechnik und Orthopädie den Grundstein für die Firma.

Christoph Ulrich lenkt seit drei Jahren das Unternehmen: "Mein Vater hat es geschafft, mich schon frühzeitig für die Firma zu begeistern", sagt der 38-Jährige und schmunzelt: "Ich weiß zwar nicht wie, aber es ist ihm gelungen." Seine Begeisterung hat sich nicht abgenützt. "Es ist toll, dass wir mit unseren Produkten Menschen helfen und ihr Leiden lindern können."

Einmal begleitete er eine Operation in Tübingen, was Medizintechniker gelegentlich tun. "Sie kennen die Instrumente und die Technik am besten und können bei Problemen eingreifen. Nebenbei sieht man auch, wo noch Verbesserungsbedarf ist." Das 11jährige Mädchen, das unter sehr starker Rückgratverkrümmung litt, saß tags darauf aufrecht im Bett und , strahlte über das ganze Gesicht: "Jetzt bin ich so groß wie andere Kinder in meiner Klasse." Solche Erlebnisse motivieren den Unternehmer, immer besser zu werden. "Das ist unser Motto", sagt Ulrich.

Weiterentwicklung und Verbesserung zieht sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. Etwa bei den Injektoren: Es dauerte zu lange, eine Spritze mit Kontrastmittel zu geben, also entwickelte man ein Gerät und führte 1985 den weltweit ersten MRT-Injektor ein.

Es sind diese Geschichten, die Ulrich so mag und die ihn antreiben. Wenn er sieht, wie Mitarbeiter nach einem Unfall dank Implantaten wieder ganz normal leben und arbeiten können, wenn er ein Produkt in seiner ganzen Entstehungsphase begleitet, wenn alles funktioniert - dann weiß er, er hat die richtige Wahl getroffen.

Eine Lehre als Chirurgiemechaniker, wie seine Vorfahren, machte er nicht. Dafür schaute sich der Ulmer nach seinem Abitur an der Waldorfschule bei knapp 20 Herstellern im Kreis Tuttlingen um. "So lernte ich die Branche und die vielen Seiten des Handwerks kennen", sagt er. Ulrich studierte Handel- und Marketing an der Berufsakademie in Heidenheim. Direkt in das Familienunternehmen einsteigen wollte er noch nicht: "Man wird unzufrieden, wenn man keinen Vergleich hat." Und so ging er zu einer Handelsfirma ins Ruhrgebiet.

Die Nachfolge in Ulm klappte reibungslos. Als Ulrich senior mit 65 Jahren in den Ruhestand ging, rückte der Junior nach. Die Belegschaft kennt ihn, spätestens seit er mit 16 ein Praktikum in der Produktion machte. "Abends haben meine Fingernägel von der Arbeit mit dem Metall geblutet", erinnert er sich. Diese Erfahrung möchte er aber nicht missen: "Ich weiß, wie die Instrumente gemacht werden und wie die Leute sich dort fühlen."

Der junge Chef möchte das Unternehmen gesund wachsen lassen. Seine Motivation sei, die Firma so weiterzuführen, dass sie jederzeit verkauft werden könnte, aber nicht müsste. An einen Verkauf denkt er nicht. "100 Jahre stehen ja nicht für nichts. Ich habe da eine große Verantwortung zu tragen."

Das Unternehmen verfügt über 100 Patente. Bereits der Uropa lieferte einige davon, wie etwa den Nadelhalter. Für seine Verdienste erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Sein Sohn bekam für seine Erfindungen als erster Nichtmediziner das Siegel der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Manchmal trifft Christoph Ulrich auf die Firmenprodukte an ungewöhnlichen Stellen. Im Büro eines Chefarztes sah er ein altes Stück aus dem Hause Ulrich im Bücherregal stehen: einen Magen-Darm-Nähapparat von 1934, der damals ein Verkaufsschlager war.

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