Für Athen läuft die Uhr ab

Die Prüfer von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank rücken wieder in Athen an. Was sie vorfinden, wird ihnen kaum gefallen. Griechenland stürzt weiter ab.

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Szenen wie diese von Januar dieses Jahres werden sich wohl heute in Athen wiederholen: Demonstranten wehren sich gegen den Besuch der Troika. Foto: dpa

Seit zweieinhalb Jahren hält das griechische Drama die Welt in Atem. Nicht nur die Euro-Zone und die EU, Politiker und Finanzstrategen rund um den Erdball blicken besorgt nach Athen. Mit dem heute beginnenden Besuch der Troika in Athen scheint sich der Vorhang zum letzten Akt der Tragödie zu heben. Die Gläubiger verlieren die Geduld, drohen damit, den Geldhahn zuzudrehen. Kommt es dazu, wäre Griechenland binnen weniger Wochen pleite. Der Austritt Athens aus der Euro-Zone wäre wohl die Folge einer Insolvenz. Auch wenn manche diesen Schritt für beherrschbar halten, könnte dies Schockwellen um den Globus senden.

Fast ein Dutzend Krisengipfel haben die EU-Politiker seit Beginn der griechischen Krise bereits absolviert, zwei Hilfspakete wurden geschnürt, ein Schuldenerlass in Milliardenhöhe durchgezogen. Aber gebracht haben die Rettungsversuche wenig. Die Troika wird ihren Prüfungsbericht wohl erst Anfang September vorlegen, aber schon jetzt steht fest: Die Delegationschefs der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und derEuropäischen Zentralbank werden den Griechen kein gutes Zeugnis ausstellen.

Zwei Wahlkämpfe haben das Land drei Monate lang gelähmt. Bei der Umsetzung der Reformauflagen gerät die Regierung in Athen immer weiter in Rückstand. Die Hoffnung der Politiker einen weiteren Aufschub für die Umsetzung der Sparvorgaben aushandeln zu können, scheint sich zu zerschlagen. Denn das würde weitere Hilfsmilliarden erfordern, die auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht locker machen will. Sollte der IWF seine Zahlungen an Griechenland einstellen, wie es jetzt in Medienberichten heißt, wäre das gesamte Rettungspaket hinfällig. Die Uhr läuft. Alles hängt jetzt vom Urteil der Troika ab.

Der Eindruck, in Griechenland bewege sich nichts, ist falsch. Bei der Haushaltskonsolidierung hat das Land Fortschritte gemacht. In nur zwei Jahren wurde das Budgetdefizit um 6 Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) - das ist die Summe aller erzeugten Güter und Dienstleistungen - reduziert. Auch macht das Land weniger neue Schulden. Das sogenannte Primärdefizit im Haushalt sank von 10,4 auf 2,2 Prozent des BIP.

2012 belief sich das Haushaltsdefizit auf 12,5 Mrd. EUR statt erwarteter 14,9 Mrd. EUR. Kein anderes EU-Land hat eine solche Konsolidierungsleistung vorzuweisen, sagen griechische Experten. Dieser Erfolg sei umso bemerkenswerter, als er vor dem Hintergrund einer schweren Rezession erzielt wurde.

Griechenlands Wirtschaft befindet sich bereits im fünften Jahr einer steilen Talfahrt. Bis zum Ende dieses Jahres wird das BIP um ein Fünftel geschrumpft sein. Das ist der steilste wirtschaftliche Absturz seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

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