Fitness-Check am Handgelenk: Computer geben Auskunft und wollen motivieren

Puls, Herzschlag und Laufschritte messen und übers Handy abrufen. Immer mehr Menschen wissen, wie aktiv und gesund sie sind. Fitness-Bänder, Sensoren an T-Shirts und Brillen geben Auskunft.

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Diese Uhr verrät etwas über den eigenen Herzschlag, verbrauchte Kalorien und Übungszeit.  Foto: 

Für Tobias W. war es am Anfang nur einer kleiner Gag, den ihm seine Frau vor einem Jahr in New York schenkte. Mittlerweile trägt der begeisterte Läufer das schwarze Armbändchen fast jeden Tag, oft rund um die Uhr. Wenn er durch den Park joggt oder einfach zum Auto geht, gibt es ihm Auskunft über die Zahl seiner Schritte. "Und wenn ich mein Tagesziel verfehle, sagt es mir ,Lauf noch mehr, du bist zu faul".

Immer mehr Menschen messen direkt am Körper ihre persönliche Fitness und erstellen online daraus ihre Trainingsprogramme. Die Industrie hat den Trend längst erkannt. Mittlerweile gibt es nicht nur Armbänder mit übertragbarer Messfunktion. Auch Brillen, T-Shirts und Uhren mit speziellen Sensoren sind im Angebot - ein Riesengeschäft.

"Nike war quasi der Vorreiter. Es gibt kaum noch einen namhaften Hersteller, der nicht auf den Zug aufgesprungen ist", berichtet Christian Stammel, Chef der Wearable Technologies AG, der weltweit führenden Plattform für tragbare Technologien. "Wir haben am Auto oder Fahrrad einen Tacho, aber am Körper hatten wir lange gar nichts." Vor gut 13 Jahren habe es mit einem T-Shirt mit EKG-Messfunktion angefangen. Mittlerweile werde der Markt überschwemmt. "Einen wichtigen Schub gab es durch die Smartphones", sagt Stammel.

Mit der Übertragungstechnologie Bluetooth und dem hohen Grad der Standardisierung sei die Weiterentwicklung erst möglich geworden. Jetzt können die Bänder, Brillen oder Uhren an Endgeräte angeschlossen werden, ob Smartphone oder Tablet-Computer. Außerdem sind die bunten Bänder und Uhren zum modischen Accessoire geworden. "Eigentlich medizinische Geräte wie Puls- und Herzfrequenzmesser sehen plötzlich hipp aus und wer sie trägt, zeigt, dass er up-to-date ist", erläutert Stammel.

Ein großes Thema sind die Fitness Tracker (Bewegungskontrollgeräte) auch auf der diesjährigen Sportartikelmesse Ispo in München, die am gestrigen Sonntag begann und bis 29. Januar dauert.

"Die Verbindung der physischen mit der digitalen Welt des Sports spielt für den Konsumenten eine immer wichtigere Rolle", erläutert Olaf Markhoff von Nike/Western Europe. 2006 habe Nike einen Chip auf den Markt gebracht, der in der Sohle des Laufschuhs kabellos mit dem iPod kommuniziert und dem Athleten Daten wie Distanz, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch und gelaufene Distanz liefert.

Läufer können nicht nur diese Daten hochladen und ihren Trainingsfortschritt verfolgen. Mit anderen Nutzern können sie sich auch weltweit darüber austauschen.

Jüngste Innovation sei das Fitness-Band fürs Handgelenk (Fuelband). Sony stieg mit seiner ersten Smartwatch - einer Art Bluetooth-Armbanduhr - vor fast sieben Jahren in den Markt ein und sieht sich in dem Segment als Pionier, wie Marketing-Direktor Björn Bourdin betont. Samsung brachte bereits 1999 ein so genanntes Watchphone heraus, quasi ein Vorläufer der später entwickelten Smartwatch.

Wer Interesse an den am Körper tragbaren Computersystemen hat, muss zum Teil tief in die Tasche greifen. So kostet ein Nike Fuelband gut 139 EUR, für eine Smartwatch von Samsung sind fast 300 EUR zu berappen.

Die Geräte dienen immer mehr als technische Assistenten. "Amateuren geben sie die Möglichkeit zu trainieren wie die Profis mit ihren hoch bezahlten menschlichen Trainern", sagt Trendforscher Sven Gábor Jánszky vom Leipziger Institut 2b Ahead. Dies sei aber kein Trend mehr, der nur auf den Sport beschränkt ist. "Wir entwickeln uns zu einer Profigesellschaft. Denken Sie an den Hausbesitzer, der mittels smart metering und intelligentem Assistenten seinen Stromverbrauch nicht nur steuern, sondern auch sekundengenau kaufen und verkaufen kann, wie früher nur ein Händler an der Strombörse."

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