EU will Autobauern beim Forschen helfen

Europas Autoindustrie schwächelt. Die EU-Kommission reagiert darauf, sie will am Donnerstag einen Aktionsplan vorstellen. Details daraus sind schon bekannt, sie stoßen nicht nur auf positives Echo.

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Autoterminal in Bremerhaven: Neuwagen warten auf ihre Verschiffung. Doch in Europa sinkt die Nachfrage. Nun will die EU-Kommission eingreifen. Foto: dpa

Die Flaute in der europäischen Autoindustrie ruft die EU-Kommission auf den Plan. Sie will am Donnerstag erläutern, wie sie der Branche mit ihren rund 12 Mio. Mitarbeitern unter die Arme greifen will. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Focus" geht es in diesem Aktionsplan zum Beispiel darum, die Entwicklungsabteilungen von Autokonzernen aus dem EU-Forschungsbudget zu bezuschussen. Die Kommission schlägt dem Bericht zufolge für die Forschungspolitik für die Jahre 2014 bis 2020 einen Topf von insgesamt 80 Mrd. EUR vor.

Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), relativiert diese Zahl allerdings. Die 80 Mrd. EUR bezögen sich auf alle Industriebranchen und auf einen Zeitraum von sieben Jahren. Momentan gebe es rund 200 Mio. EUR pro Jahr an Forschungszuschüssen für die Automobilindustrie, das wären auf sieben Jahre hochgerechnet 1,4 Mrd. EUR.

Der VDA-Vertreter begrüßte die Initiative aus Brüssel, die auf Bitte von Spitzenvertretern aus Industrie, Politik und Gewerkschaften zustande gekommen war. Die Experten dieser so genannten Cars21- Gruppe hatten im Juli eine Unterstützung von Forschung und Entwicklung empfohlen, insbesondere mit Blick auf die Zukunftsthemen Batterien und Hybridtechnologie. Da hinke Europa der Konkurrenz hinterher. Industriekommissar Antonio Tajani will sich in seinem Aktionsplan auf die Expertise der Gruppe stützen.

Nach Informationen des "Focus" möchte die Kommission die Industrie bei neuen Klimaschutzauflagen für Autos künftig umfassend einbinden. Zudem wolle sie Werksschließungen mit Hilfsprogrammen abfedern, berichtet "Focus".

"Die Vorschläge bieten gute Ansätze für die Stärkung der europäischen Autoindustrie im weltweiten Wettbewerb und damit zur Sicherung von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen", sagte Wissmann. Entscheidend sei aber, dass "die geplanten Maßnahmen rasch und konsequent umgesetzt werden".

Das Echo auf die EU-Pläne fällt nicht nur positiv aus. Willi Diez, der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, ist skeptisch. Eine generelle Forschungsförderung löse die Probleme der Branche nicht, sagte er. Ein solches Programm zeige höchstens mittelfristig Wirkung, zudem bräuchten nicht alle Hersteller eine derartige Unterstützung. Die deutschen Autobauer seien noch "bärenstark unterwegs", allen voran VW und BMW. Auch Mercedes-Benz habe kein Absatz-, sondern nur ein Kostenproblem, sagte Diez. Schlecht stünden lediglich die Hersteller in Italien und Frankreich da.

Seiner Ansicht nach wäre der Branche am meisten damit gedient, die Produktion zu drosseln. Das sei überfällig. "Schon in der Krise in den Jahren 2008 und 2009 wäre es nötig gewesen, Werke zu schließen." Stattdessen reagierten damals die europäischen Länder mit staatlichen Kaufanreizen. Aktuell reiche die Kapazität der europäischen Fabriken für 30 Prozent mehr Neuwagen, als sich verkaufen ließen, rechnete Diez hoch.

Der baden-württembergische Autoexperte sieht die Zukunft der Branche aber keinesfalls schwarz: "Ich rechne für 2013 mit einer Rezession, aber schon 2014 und 2015 wird der Absatz wieder anziehen", und dann in ganz Europa. "Es baut sich zurzeit ein Nachfragestau auf, die Autos werden länger gefahren als sonst üblich."

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