Es ist wohl noch eine ganze Menge da

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Seit März sitzt Anton Schlecker (rechts) auf der Anklagebank. Unser Bild zeigt ihn beim Prozessauftakt mit seinem Anwalt. Kurz vor dem erwarteten Urteil hat die Familie Schlecker vier Millionen an den Insolvenzverwalter überwiesen.  Foto: 

Mindestens 4 Mio. € waren also doch noch da: Diesen Betrag hat die Familie Schlecker jetzt an den Insolvenzverwalter ihres im Jahr 2012 niedergegangenen Drogeriemarkt-Imperiums überwiesen. Und das, obwohl Tochter Meike damals vor der versammelten Presse den vielzitierten Satz sprach, dass eben nichts mehr da sei. Die Zahlung wurde am jüngsten Verhandlungstag vor dem  Landgericht Stuttgart bekanntgegeben.

„Das Geld ist vergangene Woche bei uns eingegangen“, bestätigt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Die Zahlung sei abgesprochen gewesen. Das Geld könnte zu großen Teilen den ehemaligen Beschäftigten zu Gute kommen. Aber es wird bei weitem nicht reichen: Die ausstehenden Gehälter summieren sich laut Geiwitz auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Durch die Insolvenz verloren fast 25 000 Menschen ihre Arbeit.

Der Schluss liegt nahe, dass mit der Zahlung die 11. Große Wirtschaftsstrafkammer milde gestimmt werden soll. Denn der Richter muss laut Strafgesetzbuch bei einer Verurteilung auch das „Verhalten nach der Tat, besonders sein Bemühen, den Schaden wiedergutzumachen“ des Täters berücksichtigen. Der Prozess gegen den gescheiterten Firmen-Patriarchen läuft bereits seit März, für die kommende Woche werden die Plädoyers erwartet. Und wahrscheinlich noch im November soll das Urteil fallen.

Jeweils 1 Mio. € steuerten die Schlecker-Kinder Meike und Lars bei. Dies diene dem „Zwecke der Schadenswiedergutmachung“, wie es in einer persönlichen Erklärung des 46-Jährigen formuliert ist. Er betonte aber erneut, noch kurz vor der Insolvenz „nicht im Geringsten“ mit einer Überschuldung gerechnet zu haben. Ihm und seiner Schwester gehörte die Logistikfirma LDG.

Sein Anwalt betonte außerdem, dass es sich um eine freiwillige Zahlung handle, der Insolvenz­verwalter habe diese nicht eingefordert. Während Meike und  Lars ihre Summen aus dem eigenen Vermögen bezahlten, musste Anton Schlecker nach eigenen Angaben seine Ehefrau „bitten und überzeugen“, die Summe von 2 Mio. € in seinem Sinne zu überweisen. Er selbst sei seit der Insolvenz mittellos. Eine Einschätzung, die sein Insolvenz­verwalter teilt: „Anton Schlecker hat alles verloren, er hat die größtmögliche Konsequenz aus seinem Scheitern getragen.“

Bereits im Jahr 2013 hatte die Familie gut 10 Mio. € an den Insolvenzverwalter gezahlt. Im Gegenzug blieben Immobilien und Sachgüter im Besitz der Familie Schlecker. Darunter die Villa in Ehingen. Diese hatte Anton Schlecker im Jahr 2009 seiner Ehefrau übertragen. Das Paar hat Gütertrennung vereinbart.

Das Geld aus beiden Zahlungen fließt in die Insolvenzmasse, insgesamt haben die knapp 23 000 Gläubiger inzwischen mehr als 1 Mrd. € an Forderungen angemeldet. Einen Teil davon will der Insolvenzverwalter über Schadenersatzklagen gegen einstige Lieferanten eintreiben. Sie hatten von Schlecker überhöhte Preise verlangt.

Der Prozess gegen Anton Schlecker und seine Kinder wird am kommenden Montag fortgesetzt. Für diesen Tag sind die Plädoyers geplant, eine Woche später könnte bereits das Urteil fallen.

Anfang März hat der Prozess gegen Anton Schlecker bereits begonnen. Mit ihm auf der Anklagebank sitzen seine beiden Kinder Meike und Lars, die das Logistikunternehmen LDG geführt hatten. Die Verfahren gegen Schleckers Ehefrau Christa und zwei Wirtschaftsprüfer wurden inzwischen gegen Geldauflagen eingestellt.

Die lange Liste der Vorwürfe gegen Anton Schlecker und seine Kinder wurde vom Gericht im  Laufe des Verfahrens deutlich zusammengestrichen. Doch auch die verbliebenen Vorwürfe, die sich auf eine mutmaßliche Verschiebung von Vermögen im Jahr vor der Pleite beziehen, könnten für eine Verurteilung genügen. Unter Umständen sogar für eine Gefängnisstrafe.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen einen besonders schwerer Fall von Bankrott vor. Sie sollen angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit mehrere Millionen Euro auf Privatkonten verschoben und das Geld so dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. mone

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