Entscheidung in München

Die Tarifverhandlungen in der südwestdeutschen Metall- und Elektrobranche sind gestern ergebnislos abgebrochen worden. Nun sollen sie heute in München zu einem Abschluss gebracht werden.

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  • Warnstreik der IG Metall gestern in München vor dem BMW-Werk. Die Tarifeinigung könnte dieses Jahr in Bayern ausgehandelt werden. Foto: dpa 1/2
    Warnstreik der IG Metall gestern in München vor dem BMW-Werk. Die Tarifeinigung könnte dieses Jahr in Bayern ausgehandelt werden. Foto: dpa
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Ob das vielleicht ein Indiz ist? Das Buffet für die Medien, die die vierte Runde der Tarifverhandlungen zwischen der IG Metall und Südwestmetall, einem der bundesweit größten Arbeitgeberverbände, ist vom Feinsten. Die Köche der Böblinger Kongresshalle haben jedenfalls so angerichtet, dass man auch das längste nächtliche Ringen zumindest kulinarisch durchstehen könnte. Doch es kommt anders.

100 Betriebe und fast eine halbe Million Beschäftigte der südwestdeutschen Metallindustrie hängen gespannt an diesem Ergebnis. Doch Baden-Württemberg ist diesmal nicht der Pilotbezirk. Zwar hat die Gewerkschaft vorher noch eben die Folterwerkzeuge gezeigt: Allein im benachbarten Sindelfingen stoppen 7000 Metaller die Mercedes-Produktion schon am gestrigen Morgen; auch der Zulieferer Bosch in Stuttgart ist in die Warnstreiks einbezogen. Insgesamt nehmen hier deutlich mehr Mitarbeiter an den Warnstreiks teil als in Bayern. Dort aber, so Südwestmetall-Chef Stefan Wolf, soll nun die Entscheidung fallen: "Die Bayern machen das gut, das wird ein akzeptabler Abschluss, ich bin da sehr zuversichtlich."

Schon zu Beginn am frühen Nachmittag gaben sich die Verhandlungspartner entspannt: "Wir sind mit einer kleinen Mannschaft hier", so Wolf, allein das Fehlen des Präsidenten der Metallarbeitgeber signalisiere, dass man sich erst am heutigen Dienstag im Tarifbezirk Bayern einigen werde. "Wir wollen ein Ergebnis vor Pfingsten", wiederholt einmal mehr Jörg Hofmann, aber auch er gönnt den Bayern den Abschluss. Man habe in Böblingen konstruktiv verhandelt, gleichwohl "müssen wir feststellen, dass wir in vielen nicht unwesentlichen Fragen weiter Differenzen haben." Während Hofmann den Arbeitgebern steigende Auftragseingänge vorhält, erklärt Wolf deren Rückgang: "Jeden Tag wird es schlimmer als ursprünglich erwartet."

Die Abstimmung zwischen den beiden Bezirken im Süden sei eng, so Hofmann, und immer schon habe die IG Metall Wert darauf gelegt, in möglichst vielen Bezirken gleichzeitig abschlussfähig zu sein. Wolf will eine sachgerechte Lösung über alles stellen, die Eitelkeit, einen Pilotbezirk zu führen, stehe hinten an. Wolf ist in jedem Fall dabei, er wird auch am bayerischen Verhandlungstisch sitzen.

Was aber , wenn man sich erneut nicht einigt? Dann tagen die großen Tarifkommissionen: am Mittwoch in Baden-Württemberg, am Donnerstag in Bayern. Sie können das Scheitern der Verhandlungen erklären, dann drohen Urabstimmung und Streiks von Juni an.

Aber auch da dämpfen die beiden. Hofmann sagt: "Ich hoffe, wir kommen am Streik vorbei." Wolf warnt: "Streik bedeutet Stellenabbau. Aber soweit sind wir noch nicht." Ein Streik wäre immerhin der erste in der Branche seit nunmehr elf Jahren.

Zwar hatte man sich bereits in der dritten Verhandlungsrunde in der vergangenen Woche angenähert, aber noch immer klafft die Lücke zwischen der Forderung der IG Metall von 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr sowie dem Angebot der Arbeitgeber von 2,3 Prozent, der etwas längeren Laufzeit von 13 Monaten sowie zwei "Nullmonaten" ohne jedwede Lohnsteigerung.

Für die Bayern kann dies der erste Pilotabschluss seit 1995 werden. Dafür spricht ein Indiz, das stärker ist als jeder üppig gedeckte Tisch: Gleichzeitig mit den Tarifpartnern tagen auch die beiden Spitzenverbände der Gewerkschaft und der Arbeitgeber in der bayerischen Hauptstadt, zunächst allerdings in getrennten Hotels.

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