ENBW tief in den roten Zahlen

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Strom- und Gaspreise sind im Keller, die ENBW ist in den Miesen. Wurde in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres noch ein Plus von rund 230 Mio. EUR erwirtschaftet, liegt das Minus ein Jahr später bereits bei mehr als einer Dreiviertelmilliarde Euro. Auf das Ergebnis drückt zwar vor allem eine Sonderabschreibung von 1,2 Mrd. EUR auf den Kraftwerkspark, aber auch sonst zeigt die Profitabilität tendenziell nach unten.

"Wir belasten durch den Kauf den Haushalt nicht", hieß es noch vor ziemlich genau vier Jahren, als der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus dem Landtag die klammheimliche Übernahme des Konzerns schmackhaft machte. Die Kosten der Refinanzierung, also die Zinsen für den 4,7 Mrd. EUR umfassenden Kredit, sollten durch die Dividende mehr als gedeckt werden.

Die Geschichte des Stromkonzerns nährte optimistische Annahmen: mehr als drei Prozent Dividendenrendite sowie eine konservative, auf 40 Prozent des Überschusses limitierte Ausschüttungsquote standen dem damals noch mäßigen Zinssatz von 2,5 Prozent für den Kredit gegenüber. "Selbst im ungünstigsten Fall wird die ENBW nach unserem Einstieg immer eine Dividende zahlen, die in Summe über unseren Kosten liegt", bilanzierte Mappus und versprach, die Übernahme werde deshalb nicht zu Lasten der Steuerzahler im Land gehen. Ordnungspolitisch umstritten war die Entscheidung nur außerhalb des Parlaments: Alle vier Landtagsfraktionen begrüßten wenn auch nicht die klandestinen Umstände, so doch den Deal an sich. Denn mit dem schlimmsten aller Fälle hatte niemand gerechnet. Doch dann kamen der japanische Katastrophenreaktor Fukushima und die deutsche Energiewende. Statt der im Bundestagswahlkampf versprochenen Laufzeitverlängerung für die vier ENBW-Atomkraftwerke kam die sofortige Abschaltung von zwei Meilern. Auf einem Schlag verlor der Konzern die Hälfte seiner Kernkraftkapazität.

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