Eine fiese Würfelei ist Deutschlands populärstes Spiel

Das kann kein anderes Brettspiel von sich behaupten: „Mensch ärgere Dich nicht“ ist bislang 90 Millionen Mal über den Ladentisch gegangen. In diesem Jahr feiert die fiese Würfelei ihren 100. Geburtstag.

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Zugegeben, vor 100 Jahren war die Spielelandschaft in Deutschland noch recht überschaubar und nicht zu vergleichen mit den vielen konventionellen Karten- und Brettspielen, die heutzutage alljährlich erscheinen. Aber ein Spiel bricht seither alle Rekorde und dürfte wohl in keinem einzigen Haushalt fehlen: "Mensch ärgere Dich nicht". Vor 100 Jahren wurde Würfelspiel zum ersten Mal produziert. Und das mit einer für damalige Zeiten beachtlichen Startauflage von 3000 Exemplaren. Inzwischen sind daraus rund 90 Millionen geworden. Das sagt zumindest der Berliner Verlag Schmidt Spiele, bei dem das Spiel seit Anbeginn bis heute erscheint.

Die Geschichte von "Mensch ärgere Dich nicht" begann im Jahr 1907, als der Münchner Fierant - also Händler - und Verlagsgründer Josef Wilhelm Schmidt in seiner Wohnküche im Armeleute-Viertel jenseits der Isar an einem Spiel bastelte. Aus verbeultem Hutkarton und kleinen Holzklötzchen schnitt und schnitzte er eine Art Beruhigungsmittel für seine drei Söhne, um deren Tatendrang in der engen Wohnung zu bremsen.

Inspiriert wurde Schmidt dabei von einem Spiel, das fast 2000 Jahre alt ist, aus Indien stammt und "Pachisi" heißt. Dies ist ein ähnlich angelegtes, aber viel taktischeres Laufspiel. Schmidt verschlankte die Spielregel auf das Notwendigste und gab zudem die Spielfiguren quasi "zum Abschuss" frei.

Vier Spielfiguren werden mittels eines Würfels auf eine Rundreise geschickt. Wer alle zuerst in seinem Haus unterbringt, hat gewonnen. Unterwegs wird gestritten und gelitten: Wer rausgeschmissen wird und mit einer Figur wieder zum Start muss, tut das, was der Titel verbietet: Er ärgert sich.

Auf seinen Spielen blieb Verleger Schmidt zunächst sitzen. Erst als er Teile der Erstauflage an Lazarette schickte, in denen verwundete Soldaten des Ersten Weltkriegs lagen, nahm die Erfolgsgeschichte an Fahrt auf. Dank Mundpropaganda wurde schon 1920 die Millionen-Grenze überschritten.

"Mensch ärgere Dich nicht" führt auch heute noch Alt und Jung am Spieletisch zusammen wie kaum ein anderes Spiel. Für viele war und ist es die Einstiegsdroge in die phantastische Welt der Spiele, die heute viel vielfältiger, komplexer und wirtschaftlich hart umkämpft geworden ist.

Jährlich erscheinen mehrere Hundert neue Spiele, oft mit einer relativ kurzen Halbwertszeit. Sprich: Nicht selten schon nach einem Jahr werden sie wieder verramscht, sofern sie nicht eingeschlagen haben und zu Longsellern geworden sind. Wie beispielsweise "Die Siedler von Catan", jenem modernen Brettspielklassiker, Anfang der 90er Jahre von Klaus Teuber erfunden. Von diesem Spiel wurden seit der Erstauflage 1995 auch schon über 10 Millionen Exemplare verkauft.

Info Eine Sonderausstellung zum populärsten deutschen Spiel ist vom 10. April bis zum 2. November im Museum Malerwinkelhaus im unterfränkischen Marktbreit zu sehen.

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