Ein Krippenplatz für 1300 Euro im Monat

Der Vollzeit-Job dauert meist von 9 bis 17 Uhr. Mit den Öffnungszeiten normaler Kitas passt das nicht zusammen. Private Anbieter bieten Betreuung bis abends. Bezahlbar sind sie nur für Spitzenverdiener.

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Michael, Alba und Benjamin besuchen eine private Kita. Diese bietet lange Öffnungszeiten und ganzjährige Betreuung. Demensprechend teuer ist sie. Foto: dpa

Der Mangel an Krippenplätzen in den deutschen Großstädten lockt immer mehr private Anbieter auf den Markt. Sie setzen dort an, wo städtische oder kirchliche Einrichtungen aufhören: Mit XXL-Öffnungszeiten und ganzjähriger Betreuung auch in den Ferien punkten sie vor allem bei Eltern, die beruflich stark eingespannt sind und es sich leisten können, bis zu 1300 EUR pro Monat für die Betreuung ihres Kleinkindes zu zahlen.

Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz vom 1. August an hilft vielen Eltern wenig: Zum einen fehlen immer noch mehr als 100 000 Plätze, zum anderen erfüllen die meisten Kitas die Wünsche der Vollzeit-Berufstätigen nicht. "Rechtsanwälte, Ingenieure oder Ärzte sind so eingespannt, dass sie nicht mit den 08/15-Öffnungszeiten einer normalen Kita auskommen", sagt Werner Schipmann vom Bundesverband privater Träger der Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe. Wenn der Kindergarten um 13 Uhr schließt und die Oma weit entfernt wohnt, bleibe ihnen kaum etwas anderes übrig, als einen privaten Anbieter zu wählen - auch wenn er deutlich teurer ist. "Die mangelhaften Öffnungszeiten betreffen aber auch weniger betuchte Eltern", sagt Schipmann. Sie können sich aber keine Alternative leisten.

Der Bundesverband kämpft daher darum, dass die privaten Einrichtungen finanziell genauso unterstützt werden wie die gemeinnützigen. "Sonst zementiert sich die Zwei-Klassen-Gesellschaft." In einigen Bundesländern würden private Träger nicht gefördert. Sie müssten daher Preise verlangen, die nur Spitzenverdiener zahlen können.

Die meisten privaten Krippen haben bis in die Abendstunden geöffnet, einige wie "Bengel & Engel" in Hamburg bieten sogar Übernachtungen an, wenn die Eltern auf Dienstreise sind oder Nachtschicht haben. "Bei uns müssen die Eltern keine Angst haben, dass ihr Kind vor die Tür gesetzt wird, wenn sie nicht pünktlich da sind", sagt der Geschäftsführer der Münchner Wichtel Akademie, Patrick Smague. Wenn ein Flug Verspätung hat oder eine Besprechung in der Firma länger dauere, dann warte man eben. Notfalls reicht auch eine Mail vom Smartphone von unterwegs. "Wir sehen uns als Dienstleister."

Das Konzept geht auf: Seit Herbst 2010 hat die Wichtel Akademie sieben neue Krippen und Kindergärten in München eröffnet, in denen mehr als 550 Kinder betreut werden. Je nach Standort kostet der Ganztagesplatz für ein Kind unter drei Jahren dort zwischen 695 EUR und 1280 EUR. Windeln, Essen und Englischunterricht inklusive. In jeder Gruppe arbeitet eine Erzieherin mit Muttersprache Englisch, um die Kleinen an die Weltsprache heranzuführen. Auf einem Flachbildschirm im Flur können sich die Eltern jeden Abend auf Digitalfotos anschauen, wie die Kleinen ihren Tag verbracht haben.

Bei der privaten Kita-Kette "Elly & Stoffl", die mehr als 400 Kinder in ihren fünf Münchner Standorten betreut, können Eltern für eine Zusatzpauschale von 350 EUR monatlich auch noch einen Hol- und Bringdienst dazu buchen.ELLY &STOFFL]

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