Diesel-Skandal: Deutsche Umwelthilfe wirft BMW Manipulationen vor

Die Umwelthilfe sieht klare Indizien für unzulässige Abschalteinrichtungen im Modell 320d. Der Autohersteller dementiert heftig und kündigt an, sich zu wehren.

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BMW verweist auf behördliche Tests, die keine Belege für Manipulationen erbracht hätten.  Foto: 

Zwei Tage vor der Entscheidung der EU-Kommission, Deutschland wegen des Nichteinhaltens der EU-Luftreinhaltevorgaben in 28 Gebieten vor dem Europäischen Gerichtshof zu verklagen, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) neue Abgasuntersuchungen zu einem Dieselfahrzeug von BMW vorgestellt. Es handelt sich um einen 320d, Baujahr September 2016, ausgestattet mit einem 2,-Liter-Dieselmotor. Die Messergebnisse „zeigen klare Indizien, dass unzulässige Abschalteinrichtungen vorhanden sind“, wirft DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch dem Autobauer auf einer Pressekonferenz in Berlin vor.

Zwar erreiche das Auto im Zulassungstest auf dem Prüfstand bei Stickoxid-(NOx)-Emissionen ein sehr gutes Ergebnis. Auch bei einer um 10 Prozent höheren Geschwindigkeit erfülle es die Euro-6-Norm im Labor. Bei Messungen auf der Straße steigt der NOx-Ausstoß bei gleichen Fahrzyklen jedoch auf den 7,2 fachen Wert.

Rückführung abgeschaltet

Vertiefte Untersuchungen sowie Softwareanalysen wiesen darauf hin, dass die Abgasrückführung des Pkw oberhalb einer Drehzahl von 3500 Umdrehungen komplett abgeschaltet werde. Diese Drehzahl erreicht ein Fahrer bereits bei Geschwindigkeiten von 47 km/h im zweiten, bei 70 km/h im dritten, bei 87 km/h im vierten und 112 km/h im fünften Gang. Der Software-Experte Lothar Daub erklärte dazu, die Abschaltung der Abgasrückführung sei in der Motorsteuerung hinterlegt. Neben der Drehzahl werde auch das Drehmoment – die Übertragung der Kraft auf den Antrieb – für die Abschaltung des Abgassystems genutzt.

Dies sei laut EU-Verordnung zur Typzulassung von Fahrzeugen aus dem Jahr 2007 nicht zulässig, erklärte Axel Friedrich, Leiter des Emissionen-Kontrollinstituts der DUH. Der promovierte Chemiker und Abgasexperte leitete bis 2008 die Abteilung Verkehr des Umweltbundesamts. Als Abschalteinrichtung definiert die Verordnung ein Konstruktionsteil, das unter anderem die „Motordrehzahl ermittelt, um die Funktion eines beliebigen Teils des Emissionskontrollsystems zu aktivieren, zu verändern, zu verzögern oder zu deaktivieren“.

BMW erklärt dazu: „Wir wehren uns entschieden gegen die erhobenen Vorwürfe und weisen diese zurück.“ Fahrzeuge des Unternehmens seien nicht manipuliert. Dies hätten auch behördliche Nachprüfungen immer wieder belegt. „Die für die Abgasbehandlung erforderlichen Kontrollsysteme decken in ihrer Wirksamkeit die typischen Kundenfahrweisen vollumfänglich ab.“  Die Münchner werfen der DUH vor, ohne sie zu nennen, „plakative Emissionswerte zu konstruieren“ und kündigen an, sich „gegen falsche Berichterstattung  mit allen Mitteln“ zu wehren. BMW fiel im Abgasskandal bisher wenig auf. Gegen das Unternehmen wurde nicht ermittelt.    

Die DUH entgegnet, sie hätte bereits bei moderaten Beschleunigungen stark erhöhte Abgasemissionen bei diesem Automodell gemessen. Die Umweltorganisation fordert BMW nun auf, „alle in ihren Fahrzeugen verbauten, nach Außentemperatur, Drehmoment oder Motordrehzahl gesteuerten Abschalteinrichtungen zu entfernen“.

Das Bundesverkehrsministerium lässt die Vorwürfe nun prüfen. Das Kraftfahrt-Bundesamt sei „unmittelbar nach Bekanntgabe der Vorwürfe“ beauftragt worden, ihnen nachzugehen.

Die Untersuchungskommission von Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat 2016 drei BMW-Modelle untersucht und nicht beanstandet. Überhöhte Emissionen im Straßenbetrieb führte sie auf die Regeneration des Partikelfilters zurück. Die unabhängige britische Organisation emissions analytics hat BMW-Pkw der Euro-6-Norm getestet. Acht Autos hielten die Grenzwerte auf der Straße ein, 13 lagen zum Teil deutlich darüber. fm

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