Dreikampf der Drogerien: Schlecker von DM überholt, Rossmann auf Rang drei

Gut gegen Böse, DM kontra Schlecker. In keiner anderen Branche sind die Rollen scheinbar so klar verteilt wie bei den Drogeriemarktketten in Deutschland. Rossmann lauert als Dritter auf seine Chance.

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Jeder in Deutschland kennt die Läden der drei dominierenden Drogeriemarkt-Ketten - es gibt schließlich Zehntausende davon. Fotos: dpa

Erich Harsch ist ein stiller Genießer. Der Chef der Drogeriemarktkette DM (Karlsruhe) macht kein großes Aufhebens darum, dass er nach langjähriger Aufholjagd den Erzrivalen Schlecker eingeholt hat. Während sein Unternehmen hohe einstellige Wachstumsraten verzeichnet, kämpft Schlecker mit dem Umbau und schließt Filiale um Filiale.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Rollen klar verteilt. Nach etlichen Skandalen in der Vergangenheit schlägt sich Schlecker bis heute mit dem Image des Ausbeuters herum, auch wenn Gewerkschafter sagen, das habe sich fundamental geändert. Harsch dagegen muss erst gar nicht belegen, dass er seine Mitarbeiter zum Teil übertariflich entlohnt. Für sein soziales und umweltpolitisches Engagement hat der DM-Chef 2011 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis eingeheimst.

Doch allein von einem guten Ruf kann man sich nichts kaufen, weiß auch Harsch. "Entscheidend ist der Mix aus neuen Produkten, kompetenter Beratung und guten Preisen. Da unser Marktanteil steigt, haben wir anscheinend einiges besser gemacht als andere", glaubt der Karlsruher Firmenchef. Die Schwächen von Schlecker will er nicht kommentieren. Nur so viel: "Kulturentwicklung ist immer ein langer Weg. Und je später man daran arbeitet, desto mühsamer wird er."

Das wissen auch Meike und Lars Schlecker, die statt ihres Vaters und Firmengründers Anton den Familienkonzern nach außen vertreten. "Unsere Restrukturierung ist kein Sprint", sagt Meike Schlecker. Auch 2011 werde der Umsatz leicht sinken. Damit sind sie wohl nicht mehr Nummer 1. "Das ist zu verkraften", bekundete Lars Schlecker bereits im Frühjahr 2011.

Trotz Berichten über finanzielle Engpässe wollen die Schleckers weiter allein den Weg zurück auf eine Erfolgsspur finden: "Wir haben im Laufe des Jahres eine Reihe Gespräche mit Banken geführt. Hier hat es auch die eine oder andere Vereinbarung gegeben", sagt Lars Schlecker, ohne konkreter zu werden.

Wichtigster Punkt ist ein neues Ladenkonzept, das bislang in rund 300 Filialen umgesetzt worden ist. "Für dieses Jahr planen wir mit 750 bis 1000 Märkten", sagt Meike Schlecker. "Das sind neben Alt-Filialen, die wir auf das neue Konzept umstellen, auch eine Reihe von Neueröffnungen." Bis ins erste Quartal gehe es aber auch weiter mit den Schließungen - bis zu 800 waren es 2011, auch wenn Schlecker die Zahl nicht offiziell bestätigt.

Für den Handelsexperten Wolfgang Adlwarth vom Marktforscher GfK ist Schlecker spät dran, sein unattraktives Ladenkonzept zu überarbeiten. Auch mit günstigen Preisen könne man nur noch bedingt punkten, denn die Konkurrenz biete inzwischen auch Billigprodukte - aber in besserer Lage, denn DM und Rossmann haben nach Branchenmeinung den Trend erkannt und setzen auf großzügige Verkaufsräume in der Stadtmitte. Mit dieser Strategie gibt sich Rossmann angriffslustig. Schon mehrfach hat Gründer Dirk Roßmann mittelfristig zumindest die Position des Zweiten für sich reklamiert. Gleichzeitig bemüht er sich, den beiden Hauptkonkurrenten nicht auf die Füße zu treten: "Wir haben einen guten Wettbewerb, und vor allem DM ist nach wie vor ein gut aufgestelltes Unternehmen."

Zu Schlecker hält sich der Rossmann-Chef ebenfalls zurück. Dass der Rivale Probleme mit einigen Großlieferanten gehabt haben soll - dazu schweigt er, während es von den Schleckers heißt, diese seien bereinigt. Die Familien kennen sich im Übrigen persönlich.

Das Rossmann-Netz soll weiter ausgebaut werden und die Geschäftszahlen nach oben treiben. Der Markt bleibt hart umkämpft. Aber er hält laut Harsch auch noch etliche Möglichkeiten bereit: "Nur 40 Prozent der Drogerie-Artikel werden in Fachmärkten umgesetzt, die größere Menge verkauft weiterhin der Einzelhandel. Das ist noch ein Riesenpotenzial für uns." Das konnte zum Teil schon erschlossen werden, die Spezialanbieter haben Boden gutgemacht: Vor zehn Jahren wurde nur jedes vierte Drogerieprodukt in einem Fachmarkt verkauft.

Der Kampf der Großen kann einen Sog für die Kleinen erzeugen. Einige Anbieter wie Kaisers Drugstore oder Idea mussten schon aufgeben. "Wie lange dieser Konzentrationsprozess andauern wird, kann ich schlecht abschätzen", sagt Harsch. "Aber das Ende haben wir sicher noch nicht erreicht." dpa

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Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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