Drama um Schlecker vor dem Höhepunkt

Ist Schlecker bald Geschichte? Ein Investor springt ab und die Gläubiger entscheiden morgen, ob die insolvente Drogeriemarktkette zerschlagen wird. Das würde Tausende Arbeitsplätze kosten.

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Der Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz steht unter Druck.

"Ich rechne jeden Tag mit dem Schlimmsten", sagt eine Verkäuferin bei Schlecker. Die halbleeren Regale in ihrer Geislinger Filiale dürften ihr Recht geben. Das Drama um Schlecker steht vor dem Höhepunkt. Morgen entscheidet sich das Schicksal der insolventen Drogeriemarktkette. Der Gläubigerausschuss tritt zusammen. Diesmal geht es aber ums Ganze.

Bis jetzt zeigten sich die Gläubiger - der größte ist die Warenschutzversicherung Euler Hermes, die den Lieferanten ihre Ausfälle zahlen müsste - kooperativ. Jetzt werden sie aber nervös. Einer der Investoren, das Emirat Katar, soll laut Medienberichten, abgesprungen sein.

Von den zuletzt drei möglichen Investoren für Schlecker blieben damit nur noch zwei. Ob diese weiterhin Interesse an einem Unternehmen haben, das hohe Verluste schreibt, mit Kündigungsschutzklagen zu kämpfen hat und um einen Sanierungstarifvertrag ringt, sei fraglich, sagte ein Insolvenzexperte der SÜDWEST PRESSE.

Die Gläubiger werden nun entscheiden, ob eine Zerschlagung des Unternehmens für sie doch die bessere Lösung wäre, um an ihr Geld zu kommen. Euler Hermes wollte dies gegenüber unserer Zeitung nicht kommentieren. Auch die anderen Gläubiger wie etwa Markant oder die Agentur für Arbeit Ulm äußerten sich zu ihren Plänen nicht. Verdi möchte sich an den Spekulationen grundsätzlich nicht beteiligen. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz setzte anfangs auf die Investorenlösung, um das Unternehmen weiter fortzuführen und so die Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern zu erfüllen. Nun scheint er sich davon zu verabschieden. Das wollte sein Sprecher, Patrick Hacker auf Anfrage aber nicht bestätigen. Ebenso wenig wie den Rückzieher des Emirats Katar. "An der Sachlage hat sich nichts geändert", sagte Hacker gestern unserer Zeitung. "Die eigentliche Entscheidung, wie es mit Schlecker weiter geht, trifft die Gläubigerversammlung am 5. Juni." Bei Verdi heißt es, die Situation spitze sich dramatisch zu. Auch Insolvenzexperten sehen die Situation kritisch: "Herr Geiwitz ist nicht die Mutter Theresa. Er ist verpflichtet, die Interessen der Gläubiger zu bedienen. Sonst haftet er." Wenn ein Fortführen von Schlecker die Insolvenzmasse schmälere, müsse das Unternehmen zerschlagen und die Einzelteile veräußert werden.

Die Zerschlagung würde allerdings bedeuten, von den derzeit 3200 Schlecker-Filialen blieben Schätzungen zufolge nur noch 200 übrig, die dann wahrscheinlich von Wettbewerbern übernommen werden würden. Das heißt: Schlecker verschwände vom Markt. Die 14 000 Mitarbeiter bekämen ihre Kündigung. "Es wäre eine Katastrophe", sagt Verdi.

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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