Die Karte hat ausgedient

Mit einem Jahr Verspätung startet am 1. Januar 2013 die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte. Trotzdem müssen Arbeitnehmer weiter zum Finanzamt, um sich Freibeträge eintragen zu lassen.

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Viel Handarbeit und manuelle Datenerfassung waren bisher nötig, damit Finanzbeamten die Höhe der Steuer festsetzen konnten. Mit der elektronischen Steuerkarte soll der Aufwand deutlich geringer ausfallen. Illustration: Getty Images

Weniger Aufwand, Kosten und Bürokratie verspricht die elektronische Lohnsteuerkarte, die ab Anfang 2013 eingeführt wird. Die Details stehen jetzt fest: Das Bundesfinanzministerium hat sie in einem 15seitigen Schreiben veröffentlicht. Trotzdem rät Sylvia Mein vom Deutschen Steuerberaterverband zu Geduld: Nicht alles dürfte gleich auf Anhieb funktionieren.

Pannen begleiten das Projekt schon länger: Eigentlich sollte es Anfang 2012 losgehen. Doch dies musste um ein Jahr verschoben werden, weil es in der zentralen Datenbank zu viele Fehler gab.

Bis 2010 bekam jeder Arbeitnehmer im Herbst die Lohnsteuerkarte auf Karton zugeschickt. Auf ihr waren Steuerklasse, Zahl der Kinder und Religion erfasst. Zusätzlich konnte er sich Freibeträge eintragen lassen, etwa die Pendlerpauschale. Künftig werden die "Elstam" zentral bei der Finanzverwaltung gespeichert. Das Kürzel steht für die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale. Dort ruft sie der Arbeitgeber ab. Das erspart die manuelle Erfassung der Daten.

Arbeitnehmer sollten kontrollieren, ob die über sie gespeicherten Angaben korrekt sind. Eigentlich sollte das schon seit Mitte September im Internet auf der zentralen Finanzamts-Seite elster.de möglich sein. Dazu ist zunächst eine Registrierung erforderlich; dann kommt per Post eine PIN zur Identifizierung beim Abruf im Internet. Aber das klappt noch nicht, berichtet Bernhard Lauscher von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe; dies könnte noch bis November dauern.

Änderungen wie Heirat, die Geburt von Kindern oder der Austritt aus der Kirche werden von den Meldeämtern direkt an die Zentraldatei weitergeleitet. Der Arbeitnehmer muss nicht mehr aktiv werden - falls es klappt, was nach Angaben von Mein ungewiss ist wegen der Probleme beim Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen: Dort gab es bei 15 Prozent der Arbeitnehmer Fehler.

Der Weg zum Finanzamt - oder ein schriftlicher Antrag - ist dagegen auch künftig unerlässlich, wenn ein Steuerfreibetrag eingetragen werden soll, egal ob für die Pendlerpauschale oder für Verluste bei einer vermieteten Wohnung. Nur in einer Übergangsphase 2011 und 2012 hatten die Finanzbehörden darauf verzichtet, wenn die Beträge unverändert blieben. Anträge können ab sofort gestellt werden; die Finanzämter sind nach Angaben des Stuttgarter Finanzministeriums vorbereitet. Allerdings gibt es keinen Grund zur Eile: Freibeträge für 2013 werden noch bis November nächsten Jahres eingetragen. Auch die Arbeitgeber können sich Zeit lassen: Sie müssen ihre Lohnbuchhaltung nicht schon Anfang 2013 komplett umstellen. Vielmehr können sie dies in Etappen oder im Lauf des Jahres tun. Zwar können sie die Elstam-Daten bereits ab dem 1. November 2012 abrufen. Aber mit der Umstellung haben sie im Prinzip bis zum Dezember 2013 Zeit. Allerdings empfiehlt Mein, zumindest für die ersten Mitarbeiter möglichst früh zu starten, um Erfahrungen zu sammeln.

Der Arbeitgeber soll seinem Mitarbeiter "zeitnah" mitteilen, wann er für ihn erstmals die Elstam anwendet. Zudem kann er ihm auf einem Vordruck bescheinigen, welche Angaben er von der zentralen Datenbank erhalten hat. Beides ist allerdings keine Pflicht.

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