Deutschland im Visier

Sommerpause? Von wegen: Europas Politikern steht ein heißer August ins Haus. Die Krisen in Griechenland und Spanien schwären weiter, nun droht Moodys auch noch Deutschland mit einer Abstufung.

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Die Einschläge in der Euro-Schuldenkrise kommen immer näher: Der Stabilitätsanker Deutschland droht sein Spitzenrating zu verlieren. Auch die Top-Bonität der Niederlande und Luxemburgs sind gefährdet. Die Ratinagentur Moodys hatte am späten Montagabend den Ausblick für Deutschland und die beiden Nachbarn von stabil auf negativ gesenkt. Dies kann der erste Schritt auf dem Weg zu einer Abstufung sein. Eine schlechtere Note kann zu steigenden Zinsen bei der Schuldenaufnahme führen. Denn Investoren müssen vor einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass sie ihr Geld nicht wiedersehen. Bisher besitzen ale drei Länder die Bestnote"Aaa".

Als Grund für die Überprüfung der Ratings nannte Moodys die steigende Unsicherheit der Schuldenkrise und die daraus resultierende weitere Belastung für die Helferländer. Im Falle Deutschlands verwies Moodys auch auf die"Verwundbarkeit des Bankensystems". Die deutschen Kreditinstitute seien stark in den Problemstaaten engagiert und könnten Rückschläge angesichts ihrer mauen Gewinne nur schlecht abfedern.

Unterdessen trafen die Experten von Internationalem Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission in Athen zu den entscheidenden Prüfungen der Sparfortschritte seit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise ein. Griechenland ist akut von einer Pleite bedroht.

Im Kampf gegen die Schuldenkrise steht den europäischen Politikern womöglich auch noch ein heißer August bevor. Angesichts der Turbulenzen an den Weltbörsen, der sich zuspitzenden Finanzlage Spaniens und der neu entflammten Diskussion um ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ist die Sommerpause ernsthaft in Gefahr.

Im Mittelpunkt der Sorgen steht dabei nicht die aktuelle Drohung der US-Ratingagentur Moody"s, Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg aufgrund der"wachsenden Unsicherheit" in der Eurozone die Topnote für ihre Kreditwürdigkeit zu entziehen. Ursache der Unruhe sind Spaniens Finanzprobleme.

Erst am Freitag hatten die Euro-Finanzminister endgültig ein Paket von bis zu 100 Mrd. EUR für die angeschlagenen spanischen Banken beschlossen. Ihr nächstes Treffen ist für Ende August oder Anfang September geplant, um über den Antrag Zyperns auf Finanzhilfe zu beraten und die Konsequenzen der stockenden Fortgang der Spar- und Reformbemühungen in Griechenland zu diskutieren.

Doch inzwischen scheint wegen Spanien auch ein vorheriges Eingreifen möglich. Außer Valencia und seit gestern auch Katalonien könnten weitere hoch verschuldete spanische Regionen Finanzhilfe der selbst mit Haushaltsproblemen kämpfenden Zentralregierung benötigen."Wenn sich Spanien für die Regionen Geld am Markt leihen muss, wird die Situation unhaltbar", befürchtet der ranghohe Brüsseler Diplomat.

Denn die Zinssätze für spanische Staatsanleihen schossen zu Wochenbeginn auf ein Rekordhoch von rund 7,5 Prozent. Das ist ein Wert, der für Spanien auf Dauer nicht tragbar ist. Die Regierung der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone denkt der spanischen Zeitung"El Economista" zufolge offenbar ebenfalls bereits in diese Richtung, auch um die im Oktober fällige Rückzahlung von 28 Mrd. EUR stemmen zu können. Möglich wäre ein Antrag auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF, etwa in Form einer vorbeugenden Kreditlinie, des Aufkaufs von Staatsanleihen oder einer vollständigen Flucht unter den Rettungsschirm. Der EFSF hat jedoch nur noch rund 200Mrd. EUR zur Verfügung.

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