Deshalb wird der Euro schwächer

Gegenüber dem Dollar hat der Euro zuletzt an Wert eingebüßt. Von seinem tiefsten Stand im Jahr 2000 ist er aber noch weit entfernt. Die USA und Europa entwickeln sich aktuell unterschiedlich.

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Seit Mai ist der Euro auf Talfahrt. Gegenüber dem Dollar hat die europäische Einheitswährung gut 7 Prozent eingebüßt. Waren es vor fünf Monaten noch knapp 1,39 Dollar, so steht der Kurs aktuell bei gut 1,29 Dollar. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum sinkt der Euro-Kurs? Die Kurse von Dollar und Euro werden maßgeblich von der ökonomischen Entwicklung und den Zinsen in beiden Wirtschaftsräumen geprägt. Insofern ist die jüngste Entwicklung des Euro logisch: Die Wirtschaft in den USA läuft deutlich besser (dieses Jahr wächst sie vermutlich um 2,0 Prozent) als in der Eurozone (plus 0,9 Prozent). Auch die Zinsunterschiede werden größer: Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren aktuell mit 2,6 Prozent, zehnjährige Bundesanleihen dagegen nur mit rund 1,0 Prozent. Anlagegeld fließt deshalb verstärkt in den Dollarraum. Das alles schwächt den Euro.

Welche Rolle spielen die Notenbanken? Die Europäische Zentralbank (EZB) betreibt offiziell keine Wechselkurspolitik. Tatsächlich aber ist ihr Einfluss auf den Wert des Euro beträchtlich. Sie ändert den Leitzins und kann notfalls Staatsanleihen aufkaufen.

Was bedeuten niedrige Zinsen für den deutschen Verbraucher? Kredite und Baugeld bleiben weiter günstig, die Zinsen aufs Sparbuch und aufs Tagesgeld bleiben ebenfalls dürftig.

Ist ein niedriger Eurokurs von der EZB beabsichtigt? Dem EZB-Präsidenten Mario Draghi kommt die Entwicklung nicht ungelegen. Ein schwächerer Euro könnte die Wirtschaft vor allem in den Krisenländern ankurbeln und gleichzeitig Deflationsgefahren eindämmen.

Was bedeutet die Schwächung des Euro für deutsche Unternehmen? Auf der einen Seite werden Importe und Rohstoffe, die in Dollar bezahlt werden, teurer. Auf der anderen Seite werden Maschinen, Anlagen und Autos, sofern in Deutschland produziert, billiger. "Der niedrige Euro-Kurs und die sehr guten Aussichten für die US-Konjunktur sollten deutschen Exporten wieder etwas Schub geben", sagt Hans-Joachim Massenberg vom Bundesverband Deutscher Banken. Allerdings: 60 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Eurozone und in die EU. Hier spielt der Wechselkurs logischerweise keine Rolle, weil nur in Euro bezahlt wird.

Und die Auswirkungen auf Öl- und Spritpreise? Im Prinzip verteuert ein schwächerer Euro Öl und damit auch den Sprit. Denn Öl wird in Dollar bezahlt. Derzeit aber ist der Effekt kaum zu spüren, weil Öl so günstig ist wie lange nicht mehr.

Leidet der Verbraucher unter dem schwächeren Euro? An der Tankstelle könnten Diesel und Benzin noch günstiger sein. Teurer werden Reisen in die USA und in andere Länder, in denen mit Dollar bezahlt werden muss. Anleger, die auf US-Aktien oder auf Dollar-Fonds setzen, müssen ebenfalls mehr auf den Tisch legen.

Hat der schwächere Euro Folgen für die Inflationsrate? Auch hier gilt: Im Prinzip ja. Denn Importe, die in Dollar bezahlt werden, verteuern sich. Allerdings ist kein deutlicher Anstieg der Preise zu erwarten. Ökonomen rechnen damit, dass die Inflationsrate in Deutschland in diesem Jahr auf 1,1 Prozent leicht ansteigt. Und 2015 weiter auf zwei Prozent klettert. Dieses Niveau bedeutet für EZB und Bundesbank Preisstabilität.

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