Deins, meins, unser

Vor allem gut gebildete Menschen zwischen 35 und 45 Jahren verzichten zunehmend auf den eigenen Wagen und steigen stattdessen in ein Carsharing-Auto ein. Die Anbieter setzten auf Expansion.

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Heute einen Stadtflitzer für die Shopping-Tour buchen und morgen einen Kombi für den Möbeltransport: Die Carsharing-Betreiber bieten Kunden in vielerlei Hinsicht Flexibilität. Deshalb ist der Trend auch im Südwesten eindeutig für das geteilte Auto, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

Aber nicht nur die klassischen Anbieter verzeichnen seit Jahren einen Zuwachs bei den Fahrten sowie Kunden- und Fahrzeuganzahl. "Jedes Jahr haben wir etwa 200 Neukunden und bieten dementsprechend jährlich 5 bis 10 neue Stationen an", berichtete Uta Kurz, Geschäftsleiterin von Teilauto in Tübingen. Momentan unterhält das Unternehmen allein im Stadtgebiet 1850 Fahrzeuge an 75 Stationen.

Dabei ist die Altersstruktur der Nutzer in der Universitätsstadt durchaus mit der in anderen Städten vergleichbar und liegt bei etwa 35 bis 45 Jahren. Für Studenten sei das Angebot noch zu teuer.

Entscheidend für eine erfolgreiche Etablierung von Carsharing-Angeboten sei eine dichte Wohnbebauung, Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsplätzen und als Ergänzung ein gut ausgebautes Netz des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) in den Innenstädten. "Der Nutzer von Carsharing ist multimodal unterwegs", erklärte Kurz. Für Kunden sollten Ziele nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß gut erreichbar sein.

Was das Carsharing-Angebot und die Kombination mit dem ÖPNV angeht, hat die Stadt Karlsruhe laut dem Bundesverband Carsharing (BCS) die Nase weit vorne. "Die kommunale Unterstützung, die Wahrnehmung des Angebots bei den Bewohnern und natürlich eine gute Vernetzung" würden das Wachstum eines Anbieters erleichtern, sagte Gabi Lambrecht vom BCS. Beispielhaft für die gute Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen Nahverkehr und Carsharing-Anbietern sind die Vergünstigungen, die Kunden in Karlsruhe bekommen: Besitzer von bestimmten Abo-Karten erhalten ein pauschales Schnupperangebot für eine dreimonatige Nutzung von den gut 500 Stadtmobil-Autos. Umgekehrt erhalten Stadtmobil-Kunden Rabatt beim Karlsruher Verkehrsverbund.

Längst im Geschäft sind auch die Automobilhersteller wie Daimler, BMW oder VW. Galt es früher, möglichst vielen Privatkunden den Traum vom eigenen Neuwagen schmackhaft zu machen, bekommen es die Autobauer beim Carsharing nun mit ganz neuen Akteuren zu tun. Statt nur die Markentreue beim Kunden zu festigen, geht es nun zunehmend auch um das Flottengeschäft mit den Leihautoanbietern oder um eigene Angebote. Die Daimler-Tochter Car2go etwa ist unter anderem schon in Stuttgart groß eingestiegen und will ab Ende November 2012 in der Landeshauptstadt 300 Elektro-Smarts anbieten.

"Für das kommende Jahr sind weitere 200 Fahrzeuge in der Region Stuttgart geplant", erklärte Andreas Leo von Car2go. Auch der Ausbau der Ladestationen durch den Versorger ENBW laufe "nach Plan".

In der Car2go-Pilotversuchs-Stadt Ulm, wo seit März 2010 die Kleinwagen das Stadtbild ergänzen, behauptet sich auch der Carsharing-Anbieter Confishare und bietet seit mehr als sechs Jahren Carsharing an. Mittlerweile kooperiert der Dienstleister mit dem Anbieter Stadtmobil in mehreren Städten im Südwesten. Durch so genannte Quernutzung können seine Kunden zu Confishare-Konditionen Fahrzeuge von Stadtmobil in Stuttgart, Karlsruhe oder auch Mannheim nutzen. "Dort, wo etablierte Anbieter bereits sind, da gehen wir nicht hin", erklärte Geschäftsführer Joachim Vogt die Strategie. Für die 16 Fahrzeuge gibt es 300 Nutzer.

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