Daimler: Gerüchte um Zukunft von Produktionsvorstand Andreas Renschler - Markus Schäfer rückt auf

Mit Andreas Renschler kehrt ein heißer Kandidat für die Nachfolge von Daimler-Chef Dieter Zetsche dem Autobauer den Rücken. Für den Stuttgarter Konzern kommt der Zeitpunkt ungünstig.

|
Vorherige Inhalte
  • Sein Weggang kommt für viele überraschend: Andreas Renschler. 1/2
    Sein Weggang kommt für viele überraschend: Andreas Renschler. Foto: 
  • Markus Schäfer wird Bereichsvorstand für Produktion und Einkauf. 2/2
    Markus Schäfer wird Bereichsvorstand für Produktion und Einkauf. Foto: 
Nächste Inhalte

Bei Daimler herrscht gleich zu Jahresanfang schon wieder viel Unruhe. Grund ist der überraschende Abgang von Daimler-Urgestein Andreas Renschler. Der Rückzug des bestens vernetzten Produktionschefs wirft in Stuttgart viele Fragen auf, galt Renschler doch als einer der Kronprinzen von Konzernchef Dieter Zetsche.

Noch dazu könnte Renschler nach einem Medienbericht zum Rivalen VW wechseln. Dort ist die Nachfolge von Unternehmenslenker Martin Winterkorn noch ungeklärt. Eine Sprecherin des Konzerns erklärte gegenüber der SÜDWEST PRESSE, dass es bei den Verträgen der Daimler-Vorstandsmitglieder branchenübliche Sperren gäbe. Angaben zu Vertragsdetails und Fristen mache Daimler nicht.

Renschler verlasse den Konzern "aus persönlichen Gründen", lautet die offizielle Begründung. Welche das sein könnten, darüber wird noch heftig spekuliert. Die "Stuttgarter Zeitung" berichtete etwa über einen möglichen Wechsel zur Nutzfahrzeugsparte von VW. Renschler war vor nicht einmal einem Jahr Knall auf Fall zum Produktionsvorstand ernannt worden - davor war er Nutzfahrzeugchef gewesen.

"Wenn ich einen solchen Topmann im Nutzfahrzeugbereich habe, dann ist das am Ende des Tages keine richtige Entscheidung gewesen", hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Konzernchef Zetsche verliere in Renschler einen wichtigen Manager und Strategen.

Tatsächlich hatte der Schwabe, der bereits Ende der 1980er Jahre zu Daimler kam, im Konzern einen guten Stand. Während seiner Zeit dort baute er nicht nur das erste Auslandswerk von Mercedes-Benz in den USA auf, er brachte auch die krisengeschüttelte Kleinstwagenmarke Smart auf Kurs.

Immer wieder war sein Namen im Zusammenhang mit der Nachfolge von Daimler-Chef Dieter Zetsche genannt worden. Zumal Renschler so manchem Vorstandskollegen etwas voraus hatte: die Sympathie des Betriebsrats, mit dem er stets den Schulterschluss gesucht hatte. Für die Arbeitnehmervertreter ist sein Abgang denn auch besonders bitter: Der Betriebsrat hatte im vergangenen Jahr Renschlers Postenwechsel wegen Querelen mit dessen Vorgänger Wolfgang Bernhard initiiert.

Nun muss sich die Arbeitnehmervertretung fragen, ob sie sich damit womöglich selbst ein Bein gestellt hat. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer meint: "Das war der größte Fehler, den man machen konnte." Ob Renschler tatsächlich einen Wechsel zur Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen plant, wollten am Mittwoch weder Daimler noch VW kommentieren. In Wolfsburg gäbe es für ihn zumindest genug zu tun: Die engere Verzahnung des Nutzfahrzeuggeschäfts ist bei VW eine Dauerbaustelle. Die Lasterspezialisten MAN und Scania sind Zukäufe, im Konzern gewachsen ist dagegen die Sparte VW-Nutzfahrzeuge. Alle drei sollen verstärkt zusammenarbeiten. Für Renschler wäre das eine neue Herausforderung.

Zumindest bei einem Produkt dürfte sich Renschler - sollte er wechseln - zu Hause fühlen: Bisher bauen die Schwaben in VW-Auftrag den Großtransporter Crafter, der fast baugleich mit dem Mercedes-Sprinter ist. Die Zusammenarbeit endet 2016, dann baut VW den Crafter-Nachfolger in Eigenregie.

Bei Daimler reißt Renschlers Abgang erst einmal eine Lücke. Die Schwaben wollen ihre Erzrivalen, die VW-Tochter Audi und BMW, bis 2020 unter anderem bei Absatz und Profitabilität überholt haben und haben dabei noch ein paar Baustellen offen. Dazu hätte auch Renschler, der zuletzt für das wichtige Pkw-Geschäft verantwortlich war, beitragen sollen. Sein Nachfolger Markus Schäfer muss sich noch beweisen: Anders als Renschler hat der das Amt lediglich als Bereichsvorstand inne und ist nicht selbst im Konzernvorstand vertreten.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Albi: Edeka übernimmt Mitarbeiter

Der Edeka-Verbund hat am Freitag das komplette Unternehmen der Albi GmbH & Co. KG in Bühlenhausen übernommen. weiter lesen