Daimler werkelt auf vielen Baustellen

Der Autobauer Daimler würde gerne die Konkurrenten abhängen. Doch bisher ist ihm das nicht gelungen. Der Rückzug des Großaktionärs Abu Dhabi macht die Lage der Stuttgarter nicht einfacher.

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Die Scheichs aus Abu Dhabi und der Stuttgarter Autohersteller Daimler gehen künftig getrennte Wege. Foto: dpa

Der Treueschwur war so vollmundig, wie es zu einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht passen könnte. "Das ist eine langfristige Investition. Wahrscheinlich so lange, wie es Abu Dhabi gibt", hatte Aabar-Chef Khadem Al Qubaisi Anfang 2009 versichert, als sich der Staatsfonds aus Abu Dhabi zu Daimlers größtem Einzelinvestor aufschwang. Nun, nach nicht einmal vier Jahren, haben die Scheichs die letzten Aktien der Schwaben aus ihrem Tresor geräumt und damit Kasse gemacht. Das Emirat wahrt sich zwar noch ein Hintertürchen per indirektem Zugriff auf Anteile. Aber es will sich nicht mehr direkt an den Erfinder des Automobils binden.

Dabei hat Daimler schon genug andere Baustellen. Daimler droht in der Auto-Champions-League hinter Audi und BMW weiter zurück zu fallen. "Daimler fährt deutlich hinterher und hat viele Probleme", sagt einer der Top-Manager aus der Branche. "Aber die werden sie in den Griff bekommen", meint er.

Eine andere Branchengröße ist da pessimistischer: "Ich mache mir wirklich ernsthaft Sorgen." Zwar seien der Nachholbedarf erkannt und erste Weichen für die Kehrtwende gestellt, doch es sei zweifelhaft, ob das ausreiche, um wie von Konzernboss Dieter Zetsche angekündigt bis 2020 wieder vor Audi und BMW zu fahren.

Erst Ende September warnte Zetsche vor sinkenden Gewinnen in der Pkw-Sparte. Ein Sparprogramm soll helfen. Insidern zufolge sind Einkauf und Produktion bei Daimler zu teuer. Bis diese Fehler behoben sind, braucht es Zeit. Dabei könnte ausgerechnet der Faktor Pech die ersten Verbesserungen bei Daimler ausbremsen - dann nämlich, wenn die Stuttgarter ihre Hausaufgaben erledigt haben, just aber die Konjunktur wieder lahmt.

Entscheidend ist für den Konzern die Kompaktwagen-Strategie. Daimler ist neben der neuen B-Klasse mit der jungen A-Klasse ein Wurf gelungen. Der kleinste Mercedes soll drei Ableger bekommen: ein Mini-Offroader, ein viertüriges Coupé und eine noch geheime Variante. Kräftig Geld floss in die Palette, mit der Mercedes der Konkurrenz Paroli bieten könnte, die das Segment längst besetzt hat - etwa mit dem Mini, dem BMW 1er, oder dem Audi A1. Doch der Erfolg der Kompakten braucht ein global günstiges Konjunkturumfeld - und damit wird es schwierig.

Auch tief im Inneren der Produktion schlummern bei Daimler Probleme. Zum Sparen braucht es Partner - nach dem Desaster mit Chrysler tut sich Daimler dabei schwer. Zwar werkeln Ingenieure in Sindelfingen an der Renault/Nissan-Kooperation JC1, bei der es um Synergien für die Kompaktwagen von morgen geht. Auch bei Motoren arbeiten die Stuttgarter mit dem Partner zusammen. Aber das alles sei zu halbherzig, warnen Experten.

Doch längst nicht alle Branchenkenner sehen den Rückzug des Großaktionärs als alarmierend an: "Es ist natürlich keine tolle Nachricht für Daimler, einen großen Ankeraktionär zu verlieren", sagt Stefan Bratzel, der Leiter des Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Dennoch bedeute der Verlust für den Konzern, dass er sich bei einem merklich sinkenden Börsenkurs ernste Gedanken machen müsse. Anders als bei BMW und VW fehlen Daimler beständige Investoren als Fels in der Brandung, um bei sinkendem Marktwert kein Übernahmekandidat zu sein. "Es braucht gerade in diesen Zeiten einen langen Atmen", sagt Bratzel. Da sei es nicht vorteilhaft auf den Börsenkurs schielen zu müssen und von Quartal zu Quartal zu denken.

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