Dämpfer für Carl Zeiss

Der Optikkonzern Carl Zeiss hat in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres seinen Rekordumsatz nicht halten können. Sein wichtigster Geschäftsbereich, die Halbleiter-Sparte erlitt kräftige Einbußen.

|
Zeiss-Chef Michael Kaschke will den Konzern noch globaler aufstellen.

Groß wie eine Duschkabine ist das Gerät, das der High-Tech-Konzern Carl Zeiss aus Oberkochen mit zu seiner Pressekonferenz nach Stuttgart gebracht hat. Sie ist ein Sinnbild für deutsche Präzision. Mit einer Kamera und einem Tastfühler kann die Messtechnik von der Ostalb in drei Dimenisonen Differenzen feststellen, die 30 Mal feiner sind als eine Haaresbreite.

Hersteller von Autos, Flugzeugen, Windrädern und Medizintechnik nutzen solche Lösungen, um die Qualität ihrer Produkte zu prüfen. Davon profitiert die Carl-Zeiss-Gruppe. Der Umsatz des Bereichs Industrielle Messtechnik kletterte in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2011/12 um 29 Prozent auf 237 Mio. EUR. "Uns kommt unter anderem die höhere Modellvielfalt in der Autoindustrie zugute", sagte Vorstandschef Michael Kaschke. Denn die Messtechniklösungen werden jeweils für die entsprechenden Produkte der Kunden angepasst. Die Spanne reicht von Duschkabinen-großen Geräten für 50 000 EUR bis hin zu 32 Meter langen Anlagen für einige Millionen, mit der zum Beispiel Flugzeugflügel oder Teile von Windkraftanlagen vermessen werden. Für den Erfolg in diesem Geschäft ist laut Kaschke die Nähe zum Kunden entscheidend. Neben Oberkochen unterhält Carl Zeiss daher Messtechnik-Standorte in den USA und China. Im indischen Bangalore entsteht ein neues Werk das im Sommer in Betrieb gehen wird.

Der Gesamt-Umsatz der Carl-Zeiss-Gruppe sank von Oktober bis März um 2 Prozent auf 2,1 Mrd. EUR, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen schrumpfte um ein Drittel auf 232 Mio. EUR, das Ergebnis nach Steuern sank um rund 30 Prozent auf 130 Mio. EUR. Kaschke und Finanzvorstand Thomas Spitzenpfeil begründen das mit gestiegenen Rohstoffkosten und höheren Investitionen in neue Werke. Vor allem aber brach der Umsatz des wichtigsten und profitabelsten Unternehmensbereichs, die Halbleitertechnik, um ein Viertel auf 478 Mio. EUR ein. Das hatten die beiden aber angesichts des vorangegangenen Booms und den naturgemäß starken Schwankungen in der Branche erwartet. Erfreut zeigten sie sich, dass die Bereiche Messtechnik, Medizintechnik, Mikroskopie und Markenoptik (Brillengläser) das großteils kompensiert haben.

Einen Abschwung in der Halbleiterbranche nutzen laut Kaschke viele Chipfabriken dazu, um auf eine neue Technologie umzustellen. Carl Zeiss sei darauf mit seiner neuen EUV-Technologie gut vorbereitet. Diese basiert auf Röntgenlicht und ermögliche einen Innovationssprung um den Faktor zehn. Den Fortschritt bei Chips verdeutlichte er an einem Beispiel: Würde man einen Mikrochip, der in einem modernen Handy steckt, mit der Produktionstechnik der 70er Jahren herstellen, wäre dieser so groß wie eine Wohnung mit 200 Quadratmetern. Fürs Gesamtjahr zeigte sich Kaschke vorsichtig optimistisch. Er erwartet, dass sich das Geschäft mit der Halbleitertechnik leicht erholt.

In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres steigerte der Konzern die Investitionen um 64 Prozent auf 108 Mio. EUR. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um 10 Prozent auf 190 Mio. EUR. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich auf 24 800. Davon arbeiten 6700 auf der Ostalb. Von den 600 neuen Stellen entfiel die Hälfte auf Deutschland. Dabei, so sagte Kaschke, seien 200 der 300 Arbeitsplätze mit Zeitarbeitern besetzt worden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drei Millionen Euro für neue SSV-Duschen

Nach heftiger Debatte über die Sporförderung hat der Rat die Sanierung des Baus an der Gänswiese einstimmig durchgewunken. weiter lesen