Cyberkriminellen auf der Spur

Die Digitalisierung der Welt bringt neue Berufsbilder hervor: IT-Forensiker werten Spuren aus, ob im PC oder in Autos, als fahrende Computer. Ausgebildet werden sie an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.

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Kriminalität findet zunehmend auf digitalem Weg statt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch die Spuren- und Täter-Suche folgt dem Trend folgt. Wie man dabei vorgeht, lernen die Studenten an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen im berufsbegleitenden Master-Studiengang "Digitale Forensik". "Weil in der digitalen Forensik ein weltweiter Expertenmangel herrscht, sind die Berufsperspektiven der Absolventen äußerst erfolgsversprechend", sagt Studiendekan Professor Martin Rieger. Er ist Initiator des Studiengangs. Dessen Teilnehmer sind entweder Informatiker, Ingenieure oder Absolventen der Polizei-Hochschule, allesamt aber mit Affinität zur IT.

Die Studenten, die von der Polizei kommen, machen die Ausbildung, um aufzusteigen. Die anderen, um sich beruflich zu verändern. Sie arbeiten als Sachverständige oder in der IT-Sicherheit von Unternehmen. Dort greifen sie das eigene Unternehmen an, um herauszufinden, ob die Systeme sicher sind. Oder sie verfolgen Spuren, falls jemand eingedrungen ist. "Solche Innenrevisionen machen die Unternehmen selbst, weil sie nicht wollen, dass die Vorfälle publik werden", erläutert Rieger. Denn das schadet dem Image.

Studienschwerpunkte sind Datenträger- und Netzwerk-Forensik sowie digitale Ermittlungen. Im Fall der Datenträger geht es darum, aufgrund von Spuren Aktionen von Nutzern herauszufinden. In der Netzwerkforensik werden Verbindungsdaten etwa aus der Nutzung des Internets analysiert.

Computer sind längst Werkzeuge für kriminelle Handlungen und zugleich Ziel von Angriffen. Sicherheitssysteme sollen, das Eindringen verhindern. Doch im vergangenen Jahr verzeichnete die Kriminalitätstatistik der Polizei rund 74 000 Fälle von Computerkriminalität. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat in ihrer Studie e-Crime 2015' herausgefunden, dass von den befragten 500 deutschen Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen 40 Prozent in den vergangenen beiden Jahren Opfer von Computerkriminalität waren. Das häufigste Angriffsziel sind bargeldlose Zahlungssysteme.

IT-Forensiker machen IT-Systeme sicherer und wenn sie doch jemand knackt, helfen sie, die Fälle aufzuklären. Den Studiengang in Albstadt-Sigmaringen gibt es seit dem Jahr 2010, er dauert vier Jahre und Rieger rechnet mit etwa 20 Absolventen jährlich.

Thomas Käfer, 49, gehört zu den ersten Absolventen. Seine Prüfungen hat er geschrieben, zurzeit sitzt er an seiner Master-Thesis. Käfer hat Informationstechnik studiert und sich mit einem IT-Systemhaus in Würselen selbstständig gemacht. Zunächst hat er klassischen IT-Service für mittelständische Unternehmen angeboten. Später kam die Sachverständigentätigkeit dazu. Käfer ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Systeme und Anwendungen der Informationsverarbeitung. Daraus resultierte seine Tätigkeit in der digitalen Forensik.

"Ich suche mit wissenschaftlichen Methoden nach digitalen Spuren, die eine These belegen oder widerlegen." Käfer arbeitet im Auftrag von Gerichten, der Staatsanwaltschaft, Rechtsanwälten oder privaten Auftraggebern. Ein Beispiel: Käfer erstellte ein Gutachten in einem Arbeitsrechtsfall, in dem einem Arbeitnehmer Industriespionage vorgeworfen wurde. Der Mann hatte gekündigt und - so der Vorwurf seines ehemaligen Arbeitgebers - auf dem Unternehmenslaptop Daten verschlüsselt und sie später gelöscht. Das habe ein anderer Sachverständiger herausgefunden.

Käfer widerlegte die These, denn er stellte fest, dass der andere Sachverständige die von ihm eingesetzten Werkzeuge zur Analyse des Rechners nicht verstanden und zudem fehlinterpretiert hat. "Der ehemalige Mitarbeiter hat zwar Daten gelöscht. Es gab aber keinen Beweis dafür, dass sie verschlüsselt waren", erläutert Käfer. Die Folge: Der Vorwurf war nicht haltbar.

Das Auto ist ein moderner Anwendungsfall digitaler Forensik und ein Spezialgebiet von Käfer. "Autos sind rollende Computer und die darin enthaltenen oder gekoppelten IT-Systeme nicht die Domäne von Kfz-Sachverständigen", sagt er. In der Rechtsprechung werde es aber zunehmend Fälle geben, für dessen Aufklärung Auto-Forensiker gebraucht werden durch vernetztes und automatisiertes Fahren mit immer mehr Fahrerassistenzsystemen und Kopplung externer Geräte. Reale Fälle gibt es zurzeit nur wenige, aber bereits erste forensisch verwertbare Erkenntnisse aus Forschungsarbeiten.

Für seinen Job braucht Käfer überdurchschnittliche IT-Kenntnisse. Ingenieur- und naturwissenschaftliches Wissen helfen ihm, Systeme zu verstehen. Außerdem ein Grundverständnis für juristische Fragestellungen und ausgeprägtes sprachliche Kompetenz in Wort und Schrift. "Ich muss äußerst komplexe Sachverhalte verständlich und dennoch fachlich präzise vortragen und zu Papier bringen."

Digitale Forensiker müssen sehr sorgfältig arbeiten, hartnäckig und kreativ darin sein, Lösungen zu finden, die der Wahrheit dienen.

Steigende Nachfrage

Ausbildung Studium der Digitalen Forensik an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Allgemeine und digitale Forensik an der Hochschule Mittweida, IT Forensik als Fernstudium an der Hochschule Wismar.

Arbeitsmarkt Berufschancen bei der Polizei, in der IT-Sicherheit von Unternehmen oder als selbständige Sachverständige.

Status Steigende Nachfrage - durch den Trend zum Internet der Dinge;

Verdienst Im höheren Dienst beginnt die Besoldungsstufe bei A 13, das sind knapp 4000 Euro monatliches Grundgehalt. In der Wirtschaft verdienen Berufseinsteiger rund 1000 Euro mehr. pi

SWP

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