Commerzbank reißt das Ruder herum

Die Commerzbank baut ihr Privatkundengeschäft um. Dabei wird es auch einen Personalabbau geben. Genauere Angaben macht Vorstands-Chef Martin Blessing aber nicht. Eine Dividende ist weiter nicht in Sicht.

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    Commerzbank-Chef Martin Blessing setzt auch beim Personal den Rotstift an. Foto: dpa
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Die Commerzbank baut den Konzern zum wiederholten Mal um, belebt einen schon früher benutzten Slogan ("Die Bank an Ihrer Seite") neu, will bis 2016 rund 2 Mrd. EUR investieren, wird allerdings auch viele Arbeitsplätze streichen. Davon seien alle Bereiche der Bank betroffen, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing in Frankfurt.

"Klar ist, dass es durchaus zu größeren Einschnitten kommen wird." Details wollte er allerdings nicht nennen, das sei abhängig von den Gesprächen mit den Betriebsräten. Spekulationen zufolge könnten bis zu 6000 der aktuell noch 56 300 Stellen wegfallen. Nach der Übernahme der Dresdner Bank vor vier Jahren hatte die Commerzbank 9000 Stellen gestrichen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte das Vorgehen scharf. Ein Abbau sei schädlich, die Planungen seien intransparent und führten zu einer starken Verunsicherung der Beschäftigten und ihrer Familien.

Blessing räumte lediglich ein, dass man in der Vergangenheit Fehler gemacht und die gesetzten Ziele nicht erreicht habe. Allerdings habe sich auch das Umfeld für die Banken deutlich verändert. Renditen wie in früheren Zeiten seien nicht mehr zu erzielen. Für das mit der neuen Strategie gesetzte Zieljahr 2016 gab er keine Gewinnvorgabe.

Bislang hatte die Bank für 2012 einen Betriebsgewinn von 4 Mrd. EUR angestrebt. Dieses Ziel wird sie klar verfehlen. Nach neun Monaten lag er lediglich bei 1,25 Mrd. EUR.

Auch in ihrer wichtigsten Sparte wird die Commerzbank kleinere Brötchen backen müssen. Das Privatkundengeschäft soll zwar bis in vier Jahren 1 Mio. neue Kunden (auf dann 12 Millionen) gewinnen, allerdings erwartet die Bank nur noch einen Betriebsgewinn von rund 500 Mio. EUR. Vor zwei Jahren noch hatte Blessing für 2012 einen doppelten so hohen Ertrag von 1 Mrd. EUR angekündigt. Tatsächlich hat das Privatkundengeschäft in den ersten neun Monaten 2012 gerade mal 215 Mio. EUR erwirtschaftet.

Jetzt sollen alle Bereiche der Bank mit Investitionen von 2 Mrd. EUR bis 2016 auf Vordermann gebracht werden. Allein in das Privatkundengeschäft soll 1 Mrd. EUR fließen. Damit ebenfalls verbundene Maßnahmen zur Kostensenkung und zum Personalabbau werden der Sparte 2012 allerdings vermutlich erst einmal Verluste bescheren. "Ein Weiter so kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben", sagt der Commerzbank-Chef. Konsequentes Kostenmanagement und der Abbau nicht strategischer Aktivitäten sollen die notwendige Flexibilität für Wachstum im Kerngeschäft geben.

Dabei soll für die Privatkunden eine "moderne Multikanalbank" entstehen und das Netz der derzeit rund 1200 Filialen flexibilisiert werden. Schließungen soll es nicht geben. Vier Filialtypen sind geplant: Vom voll ausgestatten Ableger mit kompletter Beratung bis zur Servicefiliale mit maximal 3 Mitarbeitern.

Die Bank schiebt gerade im Privatkundengeschäft einen hohen Kostenblock vor sich her. Um 1 EUR umzusetzen, muss sie 90 Cent aufwenden. Bis 2016 soll dieser Betrag auf 60 Cent sinken.

Auch die anderen Bereiche der Bank sollen mit einer Mischung aus Sparen und Kostensenkung nach vorne kommen. Zugleich will Blessing das Volumen von für das Geschäft nicht notwendigen Wertpapieren und Krediten bis 2016 von 160 auf 90 Mrd. EUR ohne größere Verlust abbauen.

Die Aktionäre der Bank werden auch für dieses und das kommende Jahr auf eine Dividende verzichten müssen.

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