China sichert Ölreserven

China sichert sich den Zugriff auf Rohstoffreserven - insbesondere aufÖl und Gas. Dazu schloss das chinesische Staatsunternehmen Cnooc einen Übernahmevertrag mit der kanadischen Energiefirma Nexen.

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Das chinesische Unternehmen Cnooc möchte die kanadische Energiefirma Nexen (im Bild eine Ölverarbeitungsanlage der Kanadier) übernehmen. Foto: dpa

Chinesische Firmen sind zwar bereits seit einiger Zeit weltweit auf Einkaufstour. So hat etwa Lenovo vor einigen Jahren die PC-Sparte von IBMübernommen oder der chinesische Baumaschinenhersteller Sany Anfang des Jahres das schwäbische Traditionsunternehmen Putzmeister. Aber keine Übernahme wird so gigantisch ausfallen wie diese: Für rund 15,1 Mrd. US-Dollar will der chinesische Ölkonzern Cnooc seinen kanadischen Konkurrenten Nexen kaufen. Am Montag haben die beiden Unternehmen verkündet, dass sie sich in sämtlichen Details einig seien. Es fehle nur noch die Zustimmung der Politik. Kommt dieses Geschäft zustande, wäre es die bisher größte ausländische Übernahme eines chinesischen Unternehmens.

Cnooc bemüht sich nicht zum ersten Mal um ein nordamerikanisches Energieunternehmen. Vor sieben Jahren wollte das chinesische Staatsunternehmen schon einmal den US-Riesen Unocal erwerben. Doch damals scheiterte das Geschäft an Washington. Politiker aller Couleur schrien auf und wetterten heftig gegen den Kauf. Cnooc sah sich gezwungen, sein Angebot von mehr als 18,5 Mrd. Dollar wieder zurück zu ziehen.

Dieses Mal sind die Voraussetzungen für das chinesische Staatsunternehmen sehr viel günstiger. Angesichts der kriselnden Euro-Staaten und auch der schwachen Konjunktur in den USA finden sich weltweit kaum mehr finanzkräftige Investoren, die das kanadische Unternehmen derzeit aber dringend benötigt. Denn vor allem für die sehr kostspielige Förderung von Ölsand in der kanadischen Provinz Alberta braucht Nexen in den kommenden Jahren sehr viel Geld.

Umgekehrt erhält das chinesische Unternehmen über den Kauf von Nexen Zugang nicht nur zu den kanadischen Reserven, sondern auch zu denen im Golf von Mexiko, der Nordsee und der Küste vor Nigeria. Insgesamt bietet Cnooc bei der Übernahme für jede Aktie 27,40 Dollar und schlägt damit 61 Prozent auf den Marktwert drauf.

Aber auch Cnooc steht unter Investitionsdruck. Denn bei der momentanen Fördermenge halten die Reserven des chinesischen Staatskonzern keine zehn Jahre mehr. In China selbst sind die Ölreserven in weiten Teilen ausgeschöpft. So wie Cnooc machen auch die beiden anderen großen - ebenfalls staatlichen - Energiekonzerne Sinopec und Petrochina weltweit Jagd auf Energieunternehmen. Sinopec hat nur wenige Stunden nach dem Cnooc-Deal verkündet, dass sie für 1,5 Mrd. Dollar 49 Prozent der Nordsee-Förderung des ebenfalls kanadischen Unternehmens Talisman Energy übernehmen wird.

Seit dem Jahr 2007 hat China bereits insgesamt mehr als 75 Mrd. Dollar in ausländische Öl- und Gasfirmen investiert, fast die Hälfte davon in Kanada, sehr viel auch in Lateinamerika und Afrika. Chinas Führung verfügt mit über 3,2 Billionen Dollar enorme Währungsreserven zumeist in den USA, die sie nun versucht, in werthaltige Investitionen umzuwandeln.

Der Energiehunger der Chinesen und ihre weltweite Einkaufstour alarmiert jedoch nicht nur die Konkurrenz im Westen, sondern auch Sicherheitsexperten."Keine vernünftige Nation sollte die Kontrolle ihrer strategischen Ressourcen so leichtsinnig einem potenziellen Feind überlassen", kritisierte Greg Autry, leitenderÖkonom bei American Jobs Alliance in der Toronto Sun.

Cnooc-Präsident Li Fanrong hingegen versucht zu beschwichtigen. In einer Telefonkonferenz versprach er eilfertig, unter anderem in soziale Einrichtungen zu investieren.

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