Boni-Debatte kocht weiter

Wie teuer die Abgas-Affäre für VW am Ende wird, ist noch völlig offen. Klar ist, dass gespart werden muss. Die Höhe der Vorstandsboni ist in dieser Situation deshalb auch ein höchst brisantes Thema.

|

Die Spitze des VW-Aufsichtsrates wird laut Insidern am heutigen Montag noch keine abschließende Entscheidung zur Höhe der Vorstandsboni fällen. Jedoch ist der Umgang mit den millionenschweren Prämien eines der Top-Themen für das sechsköpfige VW-Präsidium, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Konzernkreisen. Das Gremium bildet die Spitze der insgesamt 20 Volkswagen-Kontrolleure.

Die Boni sind ein heißes Eisen für den kriselnden Konzern. Einerseits sind die variablen Vorstandsvergütungen vertraglich fest geregelt. Sie hängen am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und zudem an individuell mit den Managern vereinbarten Zielen für die persönliche Leistung. Sowohl für einen Komplett- als auch für einen Teilverzicht müssten die Vorstände jeweils einwilligen und von den vertraglichen Regelungen zurücktreten. Sie könnten aber auch genauso gut auf einer Zahlung der Boni nach den Berechnungsregeln bestehen.

Die Höhe der Vorstandsboni und ein möglicher freiwilliger Verzicht haben im Strudel des Abgas-Skandals auch große öffentliche Signalwirkung. Erste Leiharbeiter müssen das Unternehmen schon verlassen. Die 120.000 Mitarbeiter im VW-Haustarif haben wegen roter Zahlen bei der VW-Kernmarke keinen Anspruch auf ihre gewohnte Erfolgsbeteiligung. Sie erhalten alternativ eine Anerkennungsprämie, deren Höhe aber noch unklar ist. Die Volkswagen-Aktionäre müssen sich diesmal auf weniger Dividende einstellen oder womöglich sogar auf eine Minimal-Zahlung.

VW-Aufsichtsrat Jörg Hofmann hatte bereits am Freitag gesagt: "Es wird allein durch die Folgen des Abgas-Skandals zu einer signifikanten Reduzierung der Boni kommen. Darüber hinaus werden wir mit dem Vorstand über die Frage diskutieren, was in der jetzigen Situation angemessen ist." Hofmann steht der IG Metall vor. Er geht davon aus, dass der Vorstand in der Boni-Frage der Ankündigung von VW-Chef Matthias Müller folgt. Der hatte Ende 2015 erklärt, dass der Vorstand bei den Boni im Zuge der Krise "den Gürtel enger schnallen" werde. Hofmann kündigte an: "Letztlich wird dann der Aufsichtsrat eine Entscheidung treffen und dort werden wir unseren Einfluss geltend machen." Auch das Land Niedersachsen hatte als Großaktionär mit zwei Aufsichtsratssitzen schon erklärt, es gebe ein großes "Problembewusstsein" bei der Boni-Frage.

Mit der Affäre um 11 Mio. manipulierte Dieselfahrzeuge drohen besonders in den USA hohe Strafen und Prozessrisiken, die laut Konzernkreisen einen zweistelligen Milliardenbetrag erreichen können. Bei zwei Personen ist die Bonidebatte besonders delikat: Der in der Affäre zurückgetretene Vorstandschef Martin Winterkorn hat noch Ansprüche in Wolfsburg. Er trat ab, "im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin", wie er damals erklärte. Auf das Salär seines Vertrages wollte er nicht verzichten. Vielmehr bat er den Aufsichtsrat im Spätsommer 2015, "mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen". Details der Vereinbarung, bei der es ums Geld geht, werden sich Ende April zeigen, wenn der Konzern seine Bilanz vorlegt. Für 2014 hatte Winterkorn knapp 16 Mio. EUR erhalten.

Hinzu kam noch Geld für seine Tätigkeit beim VW-Großeigner Porsche SE, die er auch beendet hat. Winterkorn war bestbezahlter Vorstandschef im Dax. Der Wert seiner Pensionsvorsorge, für die das Unternehmen neben seiner jährlichen Vergütung aufkommt, belief sich zuletzt auf fast 29 Mio. EUR (Barwert zum 31. Dezember 2014). Sein früherer Finanzchef Hans Dieter Pötsch erhielt für 2014 6,8 Mio. EUR Salär. Der Barwert seiner Pensionsleistung lag zuletzt bei 21 Mio. EUR. Pötsch ist im Zuge des Abgas-Skandals Aufsichtsratschef geworden. In dieser Funktion verdient man weniger.

Vertrauensfrage gestellt

Krach Bei Volkswagen ist dem "Spiegel" zufolge der Streit zwischen dem Betriebsrat und dem Chef der Marke VW eskaliert. Markenvorstand Herbert Diess habe dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh die Vertrauensfrage gestellt, berichtete das Magazin. Der Betriebsrat hatte Diess in einem am Donnerstag teilweise veröffentlichten Brief "Unzuverlässigkeit" vorgeworfen Diess habe daraufhin wissen wollen, ob er den Konzern verlassen solle, berichtete der "Spiegel" am Freitag. Die Antwort habe "nein" gelautet.

 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Innenstadthandel klagt über Gewalt und Drogen

Bei Regen und Kälte ist nur wenig zu sehen von den unhaltbaren Zuständen, die einige Geschäftsleute auf der Bahnhofstraße beklagen. Doch es gibt sie, auch wenn es derzeit eher entspannt zugeht. weiter lesen