Börsianer sind optimistisch

Vor der Frankfurter Börse stehen zwei Skulpturen: ein Bär und ein Bulle. Ersterer steht für sinkende, Zweiterer für steigende Kurse. Börsenexperten gehen davon aus, dass 2012 der Bulle dominieren wird.

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  • Die Bären-Skulptur vor der Frankfurter Börse steht für sinkende Kurse. Der Bär soll 2012 aber nicht dominieren. Foto: dpa 1/2
    Die Bären-Skulptur vor der Frankfurter Börse steht für sinkende Kurse. Der Bär soll 2012 aber nicht dominieren. Foto: dpa
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Nicht nur Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Dekabank, lag mit seinen Prognosen zur Börsenentwicklung 2011 daneben. Statte 7300 Punkte hatte der Ökonom dem Deutschen Leitindex Dax vor Jahresfrist für Ende 2011 noch zugetraut. Doch letztlich schloss dieser das Jahr mit 5898 Punkten und damit gut 1000 Zähler beziehungsweise 14,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau ab.

Kollektiv haben die Experten für das Aktienjahr 2011 daneben gegriffen. Kater gehörte nicht einmal zu den größten Optimisten, denn im Schnitt hatten die Auguren den Dax sogar bei fast 7600 Punkten gesehen. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, prognostizierte gar 9000 Punkte und damit ein Plus von über 30 Prozent.

Nicht einmal eine Handvoll der 30 im Dax notierten wichtigsten Aktien schloss 2011 mit einem Pluszeichen: An der Spitze stehen Merck mit 27 Prozent und Fresenius Medical Care mit gut 20 Prozent plus. Auch Adidas, Linde und SAP liegen leicht im Plus. Größter Verlierer ist die Commerzbank mit einem Einbruch von mehr als 70 Prozent.

Und was wird 2012? Regiert der Bulle oder der Bär, steigen oder fallen die Kurse? Die ungelöste Schuldenkrise in Euroland hängt jedenfalls weiter wie ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten. Wie groß die Verunsicherung ist, zeigen die Einlagen der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit fast 440 Mrd. EUR ist die so genannte Angstkasse der Notenbank gefüllt, obwohl es dafür nur einen Minizins von 0,25 Prozent gibt.

Trotzdem ist die deutliche Mehrzahl der Börsenexperten positiv gestimmt. Verständlich: Viel schlechter laufen als 2011 kann es nicht. Wichtiger aber ist die immer noch gute Lage der deutschen Unternehmen, deren Auftragsbücher weiter gut gefüllt sind. Es gibt Maschinenbaufirmen die bis 2015 ausgebucht sind. Auch die Konjunkturprognosen weisen nicht auf einen dramatischen Einbruch hin. Für die USA und die Schwellenländer sind die Aussichten nicht einmal so schlecht, was der Exportindustrie in Deutschland in die Karten spielt. Zugleich gelten deutsche Aktien derzeit als günstig bewertet. Die Abschläge der zurückliegenden Monate seien übertrieben, sagen Börsianer.

Konsequenz: Die Mehrheit der unabhängigen Vermögensverwalter sieht den Dax in einem Jahr bei mehr als 7000 Punkten. Das wäre ein stolzes Plus von nahezu 20 Prozent. 15 Prozent haben sogar 8000 Punkte im Auge und damit den Rekordstand des Dax von 2007.

Auch die Experten der Banken blasen alles andere als Trübsal. Im Schnitt erwarten sie einen Anstieg der Aktienkurse im neuen Jahr um immerhin rund 13 Prozent. Allerdings ist die Schwankungsbreite durchaus beträchtlich. Morgan Stanley etwa rechnet mit einem weiteren Rückgang auf 5400 Punkte bis Ende 2012, die DZ Bank befürchtet im schlimmsten Fall sogar den Sturz auf "unter 4000 Punkte". Dagegen sieht die HSH Nordbank den Dax auf Jahressicht bei 7400 Punkten. Das wäre ein deutliches Plus von gut 25 Prozent. Sogar 30 Prozent höhere Kurse erwartet die Postbank. Ihr Experte heißt schließlich auch Heinz-Gerd Sonnenschein.

Solide Aktien haben 2012 allein schon deshalb keine schlechten Karten, weil Staatsanleihen ihren Nimbus als sichere Anlage verloren haben. Wer heute zocken will, kauft eher Staatsanleihen als Aktien.

Ausgewählte Aktien weisen auf einmal Wege, die Risiken im Depot abzumildern. Trotz seiner Fehlprognose für 2011 rät Dekabank-Chef-Ökonom Kater auch für 2012 wieder zu Sachwerten. "Sachanlagen, das heißt möglichst dicht an einer funktionierenden Weltwirtschaft angelehnte Investitionen durch Aktien, Unternehmensanleihen oder Immobilien, bilden für das nächste Jahr sinnvolle Alternativen." Was den Dax dann binnen Jahresfrist auf immerhin 6500 Punkte treiben könnte.

Aber es gibt nach den Erfahrungen der letzten Jahren auch Experten, die sich extrem schwer tun mit Prognosen. "Die Berechenbarkeit des Marktes ist derzeit weg", sagt Hendrik Pelckmann von der Hypo-Vereinsbank. So offen und ehrlich sind Börsianer und Banker selten.

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