Bio-Lebensmittel: Halten Discounter, was sie versprechen?

Wer Bio-Produkte kaufen will, hat mehrere Möglichkeiten: Wochenmarkt, Hofladen, Bio-Supermarkt oder man greift zu gekennzeichneter Ware beim Discounter. Doch ist dort wirklich alles so bio, wie es verspricht?

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Ein heiteres Gesicht auf der Eier-Verpackung. Nebenan leuchtet es in sattem Grün auf der Konfitüre. Die Augen sind die Buchstaben b und o, dazwischen steht das i als Nase und darunter ist ein lachender Mund gemalt. Aldi Süd will, dass die Kunden Bio-Produkte auf einen Blick erkennen. Der Discounter bietet - wie die Mitbewerber - zahlreiche biologisch produzierte Produkte an, darunter auch Käse und Gemüse.

Mittlere Preise bezahlt der Kunde in Bio-Supermärkten wie Denn's oder Basic - im Naturkostfachhandel mit mehr als 400 Quadratmetern Fläche. Das Geschäftsmodell boomt, allein der Pionier der Branche, Alnatura, hat 88 Filialen in Deutschland, davon 25 in Baden-Württemberg, und sucht weiter nach Verkaufsflächen, sagte Chef Götz Rehn dem "Handelsblatt".

Doch welche Qualitätskriterien stecken hinter Bio vom Discounter und Bio aus dem Fachhandel? Bei Aldi Süd verweist man auf das EU-Bio-Siegel. "Alle Bio-Produkte erfüllen die Richtlinien der geltenen EU-Bioverordnung." Die legt fest, dass Gentechnik, Pflanzenschutzmittel und künstliche Düngemittel verboten sind sowie dass die Tiere artgerecht gehalten werden und nur Biofutter bekommen. Häufig allerdings steckt dahinter auch Massentierhaltung - aber mit besseren Bedingungen für die Tiere. Außerdem sind bei der Weiterverarbeitung viele Zusatzstoffe verboten. Kontrolliert werden die Vorgaben bei einer jährlichen Kontrolle, dazu kommen unangemeldete Besuche. Und auch die Discounter testen die Produkte nach eigenen Aussagen auf Rückstände.

Laut Sprecherin Stefanie Neumann gehen die Qualitätsanforderungen bei Alnatura "weit über die gesetzlichen Vorgaben der EU-Öko-Verordnung hinaus." Sie werden durch die behördliche Lebensmittelüberwachung, Öko-Kontrollstellen, Bio-Verbände und Alnatura selbst überprüft.

Als High-End-Bio gelten Produkte von Anbauverbänden wie Bioland, Naturland und Demeter. Demeter bezeichnet die Wirtschaftsweise seiner Betriebe als biologisch-dynamisch. Dort sind die Regeln für die Tierhaltung- und Fütterung strenger als für das EU-Siegel, weniger Stoffe sind für die Düngung zugelassen. Renée Herrnkind, Sprecherin des Demeter Vereins sagt deshalb klar: "Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Bio-Produkten und bio-dynamischen Demeter-Produkten." Sie verweist auf mehrere Untersuchungen, die Demeter-Äpfel als "apfeltypischer, vitaler und reifer" bezeichnen oder dem biodynamischen Salat "höchste Reife und Gleichmäßigkeiten sowie höchstes antioxidatives Potenzial" bescheinigen.

Demeter findet man zwar im Bio-Supermarkt, aber bei Discountern nicht. Der Anbauverband Bioland ist stark in der Direktvermarktung, die Hersteller verkaufen ihre Waren aber auch im Naturkostfachhandel und in klassischen Supermärkten. "Mit dem Hart-Discount machen wir keine Verträge", sagt Pressesprecher Gerald Wehde. Denn man wolle Bio-Ware nicht verramschen. "Wenn der Discount die Produkte allerdings zu einem vernünftigen Preis verkauft, habe ich da generell nichts dagegen."

Doch wie können die Preise so unterschiedlich sein? Im Bio-Supermarkt ist die Preisgestaltung eine Folge von "ausgeklügelten Prozessen, einer optimalen Logistik und sehr langfristigen Handelsbeziehungen zu unseren Herstellerpartnern", sagt die Alnatura-Sprecherin. Bei Aldi Süd seien offene und konstruktive Gespräche zwischen dem Discounter und den jeweiligen Verhandlungspartnern Basis für die Preisfindung. Es gehöre zu den Grundsätzen der fairen Preispolitik, dass erzielte Ersparnisse an die Kunden weitergegeben werden.

Ist der günstige Preis für Bio-Waren also nur das Ergebnis guter und fairer Verhandlungen? Greenpeace ist da anderer Ansicht. "Jeder will der Billigste sein. Verhandlungsspielraum gibt es meist keinen." Biomüllern würde gedroht, den Weizen in der Ukraine zu kaufen, Bio-Milchbauern kriegen laut der Aktivisten zu wenig Geld für ihr Produkt.

Bioland-Sprecher Wehle ist mit solchen Aussagen vorsichtig: "Die Behauptung, dass Discounter grundsätzlich Landwirte drücken, ist nicht belegt." Geld sparen die Discounter vor allem über die Mechanismen, die auch bei anderen Produktgruppen greifen: Einkauf in Massen, ausgehandelte Rabatte, kleinere Auswahl, Verkauf ohne Beratung direkt aus dem Karton. Außerdem sei der Naturkostgroßhandel bei Discountern nicht zwischengeschaltet - auch ein Sparfaktor.

Wo man einkauft, muss letztlich jeder selbst entscheidet. Renée Hexenkind von Demeter befürwortet den Bio-Boom generell, denn: "Jede auf Bio umgestellte Fläche schützt die Umwelt, das Grundwasser und dient dem Tierwohl." Der Bio-Smiley darf also weiterlachen.

Premium auch im Discounter

Ähnliche Ware Eine Untersuchung von Greenpeace hat gezeigt, dass Bio-Produkte im Discounter Premiumqualität haben können. So stammte die Milch für Bio-Butter von Aldi, Rewe und Penny aus einer Molkerei, die Premium-Bio verarbeitet. Die Eier waren von Bauern, die für Naturland liefern. Auch Kartoffeln und Discounter-Bio-Fleisch erfülle meist strengere Kriterien als vorgegeben, hat "Öko-Test" festgestellt - sofern sie aus Deutschland stammen. Bioland-Sprecher Gerald Wehde sieht die Unterschiede vor allem im Verarbeitungsprozess. So dürfe beispielsweise bei Schlagsahne mit EU-Bio-Siegel der Stoff Carrageen zugefügt werden, der die Sahne flüssig hält, bei Bioland-Sahne nicht. 

 

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