Heimtiermesse „Animal“: Bio für Bello

Hochwertige Tiernahrung und technische Spielereien: Auf der Heimtiermesse „Animal“ in Stuttgart präsentieren 200 Aussteller Trends für Hund, Katze und Co.

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Natürlich, artgerecht, hergestellt in Deutschland und von höchster Lebensmittelqualität. „Das ist der Anspruch, den viele Tierhalter heute an Futtermittel und Snacks haben“, sagt Sandra Kupsch. Sie war am Wochenende für den Crailsheimer Naturdarmhersteller CDS Hackner auf der „Animal“ in Stuttgart, der größten Heimtiermesse im Süden. Vor Testessern auf vier Pfoten konnte sie sich dabei zeitweise kaum retten: Serviert auf dem Silbertablett am weiß eingedeckten Tisch probierten Hunde aller Rassen ihre Rohfutterwürfel vom Rind und vom Lamm. „Ein Futter wie in freier Wildbahn“, wie Kupsch versprach.

Nur wenige Schritte weiter wusste ein weiterer baden-württembergischer Betrieb mit Feucht- und Trockennahrung, Flocken, Müslis und Bio-Keksen aus dem „Auenland“ bei Geislingen-Binsdorf bei Herrchen, Frauchen und Hund zu punkten. „Wir verwenden ausschließlich frisches Fleisch, frisches Gemüse und hochwertiges Getreide“, erklärte Juniorchefin Anna Jetter. Viele Zutaten stammten aus Bio-Betrieben in der Region. Das komme an.

Dass den Deutschen ihre Heimtiere nicht nur lieb, sondern auch teuer sind, hat die Göttinger Professorin für Volkswirtschaftslehre Renate Ohr in ihrer Studie zum Wirtschaftsfaktor Heimtierhaltung festgestellt. Sie addiert sämtliche Ausgaben rund um Hund, Katze und Co. – vom unmittelbaren Heimtierbedarf über Tiergesundheit, Zucht, Dienstleistungen und Hundesteuern bis hin zum Vereinswesen. „Heimtiere haben für unsere Volkswirtschaft eine große Bedeutung“, lautet ihr Fazit.

Mit einem Gesamtumsatz von mehr als 9,1 Mrd. € ist Deutschlands Heimtierhaltung ähnlich stark wie der Buchmarkt. 180 000 bis 200 000 Vollzeit-Arbeitsplätze hängen damit zusammen. „Ausgaben im direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Heimtierhaltung haben etwa einen Anteil von 0,32 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt“, sagt Ohr. Einer der Haupt­umsatzträger der Branche ist Tierfutter.

In Stuttgart lesen sich die Inhaltsangaben auf den schick gestalteten Hundefutterdosen fast wie ein Sonntagsessen für Zwei­beiner: „Rindermuskelfleisch, Möhren, Nudeln, Dinkel, Äpfel, Preiselbeeren, kaltgepresstes Rapsöl, Austernschalenkalk und viel Liebe.“ Das hat seinen Preis: 3,49 € kostet die 400-Gramm-Dose. Teuer? „Das ist es mir wert“, sagt eine Messebesucherin. Weil es hochwertig sei, ohne Schlacht­abfälle und ohne Konservierungsstoffe.

„Viele Tierhalter wollen ihre vierbeinigen Lieblinge gesund füttern“, bestätigt Antje Schreiber vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF). Die Auswahl an Variationen steige ständig; die Fütterung von rohem Fleisch, Inneren und Knochen sowie frischem Obst und Gemüse – biologisch artgerechte Roh-Fütterung oder kurz BARF genannt – habe sich etabliert. Rund 12 Prozent der Hundehalter im Land entscheiden sich dafür.

Eine Entwicklung, die den Futtermittelherstellern nicht verborgen geblieben ist: „Einige bieten mittlerweile fertige BARF-Mischungen an.“

Besonders gefragt sind Snacks. Als Leckerli für zwischendurch, als gesundes Nahrungsergänzungsprodukt und als Belohnung beim Training, Tierarzt oder Spaziergang erzielten sie Jahr für Jahr Umsatzsteigerungen von 3 bis 6 Prozent. Ihre Vielfalt kennt keine Grenzen: Die kleinen Kekse gibt es vegetarisch, vegan oder mit Fleisch, als fressbaren Zahnreiniger, trocken oder halbfeucht.

Auch im Bereich Zubehör hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. „Individualisierung ist ein großer Trend“, sagt Schreiber. Ausgefallene handgearbeitete Hundebetten, individuell gestaltete Gehege für Kleinsäuger und Design-Katzenkratzbäume eroberten die deutschen Haushalte. Dazu kommen vermehrt elektronische Spielereien wie Katzenklappen mit RFID-Technologie, die ausschließlich die eigene Samtpfote ins Haus lassen.

Ein Abflachen der Begeisterung für Heimtiere ist nicht in Sicht. Für Renate Ohr von der Uni Göttingen liegen Wachstumsmärkte vor allem im Bereich Dienstleistungen: Krankenversicherungen, Urlaube mit Hund und Tierbestattungsdienste seien zunehmend nachgefragt.

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