Billig-Airlines sollen Lufthansa und Co. retten

Ehemalige Staats-Airlines haben oft ein gemeinsames Problem: Ein dichtes, aber unrentables Streckennetz. Viele Gesellschaften legen sich deshalb eine Billigflieger-Linie zu - und sparen so Personalkosten.

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Viele Annullierungen wegen des Streiks bei Air France: So sah es gestern auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle aus.  Foto: 

Sie heißen Germanwings, Eurowings, Transavia und Vueling, und sie sind die Hoffnungsträger von Lufthansa, Air France, Iberia & Co. Um gegen die Billig-Konkurrenz wie Ryanair und Easyjet nicht weiter an Boden zu verlieren, wollen die einstigen Staatsfluglinien europäischer Länder ihre konzerneigenen Billigheimer kräftig ausbauen - und treffen auf heftigen Widerstand der Belegschaft, die ihre Besitzstände wahren will. Doch den Konzernspitzen ist es den Konflikt wert. Sie sehen sonst kaum Hoffnung im umkämpften Europageschäft.

British Airways war konsequent. Als die Airline 2007 erkannte, dass das Unternehmen mit Flügen von vielen britischen Flughäfen nur Geld verlor, konzentrierte sie sich auf Mittel- und Langstreckenverbindungen ab London. Der damalige Lufthansa-Chef Christoph Franz verspottete die Briten zwar als "Heathrow Airways" - weil sie praktisch nur noch von dem gleichnamigen Flughafen aus agierten. Doch dafür hatten sie einen Verlustbringer weniger am Bein.

Die Lufthansa versucht es auf einem anderen Weg. Statt den Kampf gegen die Billigkonkurrenz aufzugeben, verlagert das Unternehmen alle Direktflüge abseits der großen Drehkreuze auf die für sie kostengünstigere Tochter Germanwings. Im kommenden Jahr soll der Bereich die operative Gewinnschwelle erreichen. Dass es so lange dauert, liegt auch daran, dass die Gewerkschaften dem Vorstand weitgehende Zugeständnisse bei den Gehältern abgerungen haben.

Der neue Vorstandschef Carsten Spohr will die Tochter Eurowings, die bislang nur mit kleinen Regionaljets unterwegs ist, mit Airbus-Maschinen quer durch Europa schicken. Damit riskiert er einen weiteren Konflikt mit den Piloten. Deren Gewerkschaft will in den Airbus-Cockpits nämlich nur Kollegen dulden, die nach dem Konzerntarif bezahlt werden - was Spohr auf jeden Fall umgehen will. Er kündigte bereits die Gründung einer ausländischen Dachgesellschaft an.

Damit findet sich die Lufthansa in guter Gesellschaft mit der französisch-niederländischen Air-France-KLM. Deren Chef Alexandre de Juniac hat die Gesellschaft 2013 zumindest operativ aus der Verlustzone geholt und baut nun auf die Tochter Transavia. Sie soll zu einem der führenden Billigflieger in Europa werden. Die französischen Piloten streiken: Sie fordern in den Transavia-Cockpits die gleichen Konditionen wie bei Air France. Für de Juniac kommt das nicht infrage: "Dann bleibt Transavia France in der bisherigen Größe, und wir entwickeln Transavia Europe."

Für die Führungsriegen von Lufthansa und Air France-KLM ist klar: Nur wenn Piloten und Flugbegleiter weniger verdienen, rechnen sich Flüge, mit denen Air France oder Lufthansa bei ihren hohen Kosten unweigerlich Geld verlieren würden. Dem Analysehaus Oddo zufolge muss Air France in ihrem Hauptgeschäft je angebotenem Sitzplatzkilometer rund doppelt so hohe Kosten erwirtschaften wie der irische Billig-Vorreiter Ryanair. Ryanair schreibt daher seit Jahren glänzende Gewinne.

British Airways und Iberia haben den Konflikt auf die harte Weise gelöst: Nachdem sich die britische und die spanische Fluglinie zur International Airlines Group (IAG) zusammengeschlossen hatten, setzte die spanische Gesellschaft ein hartes Sanierungsprogramm durch und strich tausende Stellen.

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