Bilfinger bleibt eine Großbaustelle

Kaum hat er angefangen, ist er auch schon wieder weg: Bilfingers Konzernchef Per Utnegaard geht. Es gibt Spekulationen über interne Querelen. Fest steht jedenfalls, dass der Baukonzern nicht zur Ruhe kommt.

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Im März bei der Bilanzvorlage wirkte er noch ambitioniert. Jetzt nimmt der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Bilfinger, Per Utnegaard, den Hut.  Foto: 

Was ist los bei Bilfinger? Von dem Konzern mit Stammsitz in Mannheim scheint immer weniger übrig zu bleiben. Ein klassisches Bauunternehmen sind die Mannheimer schon lange nicht mehr, spätestens seit der Tiefbau abgestoßen wurde. Das früher hochrentable Kraftwerksgeschäft will Bilfinger seit vergangenem Sommer loswerden.

Auch der Verkauf des Geschäfts rund um Baudienstleistungen steht im Raum - der momentan einzige wirklich lukrative Teil des Konzerns. Was bliebe dann noch? All dies bei einem Rekordverlust von knapp einer halben Mrd. EUR im vergangenen Geschäftsjahr, einer gestrichenen Dividende und Stellenabbau.

Nun - am Mittwoch - kam eine weitere alarmierende Nachricht in Zeiten des Umbruchs an die Öffentlichkeit, in denen die Mitarbeiter sowieso schon mehr als verunsichert sind: Unternehmenschef Per Utnegaard geht - nach noch nicht einmal einem Jahr an der Spitze des im Börsensegment M-Dax notierten Konzerns.

Auch sein Vorgänger und Ex-Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, hatte hingeschmissen. Ihm brachen mehrere Gewinnwarnungen in Reihe das Genick. Bei Utnegaard sollen es "sehr persönliche Gründe" sein, wie es im Unternehmen heißt.

Nach Einschätzung eines Analysten tritt der Norweger vor allem wegen interner Querelen zurück. Er sei mit Finanzchef Axel Salzmann und dem Aufsichtsrat nicht ausgekommen. "Man war sich nicht grün. Strategische Differenzen kann man eigentlich ausschließen", sagt der Analyst. Da das Unternehmen angekündigt habe, in Kürze bereits einen Nachfolger vorzustellen, sei der Weggang wohl schon länger geplant gewesen. In der Mitteilung des Konzerns zur Personalie heißt es jedenfalls in ungewöhnlich dürren Worten: "Der Aufsichtsrat dankt Herrn Utnegaard für seine Tätigkeit bei Bilfinger."

Utnegaard galt als Mann des schwedischen Investors Cevian, der rund 26 Prozent der Bilfinger-Aktien besitzt. Die Investmentfirma hatte 2014 den Rausschmiss von Roland Koch betrieben, den Vorstand erneuert und mit Eckhard Cordes den neuen Aufsichtsratschef etabliert. Utnegaard war weit von der schillernden Aura seines Vorgängers entfernt und galt eher als der Typ besonnener Manager. Am Markt war mit dem Norweger die Hoffnung verbunden, dass er Bilfinger in einzelne Teile zerlegt, die möglicherweise mehr wert wären als der Konzern insgesamt.

Nichts als Turbulenzen, - wohin man auch blickt. Bei den Mitarbeitern ist die Verunsicherung daher groß: Seit Januar steht eine Zerschlagung des Konzerns im Raum, der auf eine gut 125-jährige Geschichte zurückblickt. Immer wieder gab es Entlassungen. Gewerkschafter verteilten vor der Hauptverwaltung Flugblätter.

Wer Utnegaard nachfolgt, braucht auf alle Fälle eine gute Portion Durchsetzungskraft und vor allem auch starke Nerven. Denkbar als neuer Mann an der Spitze des Bauriesens ist Branchenkennern zufolge Finanzchef Axel Salzmann, der das Amt vorübergehend innehat. Auch der Chef der wichtigen Sparte rund um Bau und Bewirtschaftung von Gebäuden, Jochen Keysberg, gilt intern als stark.

Unabhängig von der Person dürfte die wichtigste Aufgabe des Neuen sein: erst einmal Ruhe in den Konzern reinbringen. Die 56.000 Mitarbeiter würden es ihm sicher danken.

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