BGH: Schufa muss Daten nicht einzeln aufschlüsseln

Die Schufa muss auf Anfrage Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers oder einer Firma geben. Sie muss aber nicht genau aufschlüsseln, wie sie zu dieser Einschätzung gekommen ist.

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Die 66 Mio. bei der Schufa gespeicherten Deutschen können keine Auskunft darüber verlangen, auf welche Weise ihre Kreditwürdigkeit bewertet wird. Dies hat gestern der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden und damit die Klage einer Angestellten aus Hessen gegen die Wirtschaftsauskunftei abgewiesen. (AZ: VI ZR 156/13). Die Frau hatte sich darüber beklagt, dass sie wegen einer Schufa-Auskunft von ihrem Autohändler zunächst keine Finanzierung für ihr gewünschtes neues Auto erhalten hatte. Von der Schufa wollte sie wissen, warum ihre Bonität schlecht beurteilt worden ist.

Besonders interessiere sie, wie die so genannten "Scorewerte" bei ihr zustande gekommen sind. Diese Werte geben die Wahrscheinlichkeit wider, inwieweit Betroffene ihre Kredite zurückbezahlen werden. Die Schufa ermittelt diese Werte aus der Adresse, Kreditkarten, Ratenzahlungsgeschäften, Zahlungsausfällen, Leasingverträgen oder auch Mobilfunkkonten der Betreffenden. Doch wie bei der Klägerin konkret sich die Bonitätswertung zusammengesetzt hat, wollte die Schufa nicht nennen. Dies sei Geschäftsgeheimnis. Verbraucher könnten nur erfahren, was über sie gespeichert ist, nicht aber, wie ihre Kreditwürdigkeit berechnet worden ist. Dem folgte nun auch der BGH.

Oft sind die Daten, die Auskunfteien speichern, unvollständig oder fehlerhaft, ergab ein Test der Zeitschrift "Finanztest". Eine Überprüfung der Daten ist ratsam. Hier wichtige Fragen und Antworten:

Was macht die Schufa mit den Daten? Die Auskunfteien schätzen mit Hilfe eines mathematisch-statistischen Verfahrens (Scoring) das Zahlungsverhalten eines Verbrauchers ein. Die Daten müssen laut Gesetz für die Wahrscheinlichkeit relevant sein, dass ein Kunde zahlen kann - nur Anschriftendaten genügen nicht mehr. Ihre Scoring-Werte verkaufen die Auskunfteien an Banken, Telefonanbieter oder Versandhändler. Die wiederum nutzen den Scoring-Wert, um einen Kunden vor Vertragsabschluss einzustufen. Je nach Wert muss ein Kunde etwa Vorkasse leisten oder darf auf Rechnung zahlen, bekommt einen günstigen Kredit oder muss dafür mehr Zinsen aufbringen.

Welche Auskunfteien gibt es? Die größte Auskunftei mit Einträgen über 66 Mio. Verbraucher ist die Schufa. Sie ist auch die wichtigste Auskunftei, da sie die meisten Daten zum Finanzverhalten von Privatpersonen speichert und ihre Scoring-Werte von rund 8000 Firmenkunden genutzt werden. Danach folgen Creditreform, Deltavista und Bürgel. Im Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen gibt es mehr als hundert Firmen, die Risikodaten ermitteln.

Wie kann ich Fehler finden? Verbraucher können bei jeder Auskunftei eine Auskunft über ihre Scoring-Werte verlangen - einmal im Jahr ist das laut Gesetz kostenlos. Dabei sollte folgendes abgefragt werden: die gespeicherten Daten und ihre Herkunft, die Empfänger dieser Daten, die aktuellen und die in den vergangenen zwölf Monaten weitergegebenen Scoring-Werte sowie eine "individuelle und einzelfallbezogene Erklärung" dieser Werte.

Was tue ich, wenn meine Daten falsch sind? Die Auskunfteien müssen sie berichtigen. "Finanztest" empfiehlt, einer formlosen, schriftlichen Beschwerde Unterlagen beizulegen, die den Fehler beweisen. Bis zu einer Klärung müssen die Auskunfteien die Daten sperren.

Kann ich meinen Score beeinflussen? Die Auskunfteien geben nicht preis, wie genau sie die Scores berechnen. Sie verweisen auf ihr Betriebsgeheimnis. Ob sich das ändern muss, entscheidet jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Solange die Auskunfteien aber nicht mehr Auskunft geben müssen, wird unklar bleiben, wie der Einzelne seinen Score verbessern könnte.

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