Bankkonto: Wechsel leicht gemacht

Beim Bankkonto ist es wie beim Stromanbieter: Die Kunden scheuen den mit einem Wechsel verbundenen Papierkram. Doch die Digitalisierung und neue Dienstleister machen die Sache einfacher.

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Negativ-Zinsen für Privatkunden soll es zwar nicht geben. Stattdessen drehen Banken und Sparkassen an der Gebührenschraube. Auch bei Girokonten. Vergleichen kann sich lohnen. Aber eine vermeintliche Hürde bleibt: der Wechsel des Kontos. Viele Verbraucher scheuen den Schritt, weil sie Aufwand und Papierkram fürchten. Umfragen zufolge wechseln nur 3 Prozent, obwohl jährlich bis zu 100 EUR gespart werden können. 20 Prozent halten den Wechsel für zu zeitraubend. Schließlich müssen Arbeitgeber, Ämter, Stadtwerke, Telefonanbieter und Firmen, denen eine Einzugsermächtigung erteilt wurde, informiert und Daueraufträge umgestellt werden.

Aber so kompliziert ist der Wechsel nicht mehr. Dank der auf Bankdienstleistungen spezialisierten IT-Firmen (Fintechs) geht das in Minutenschnelle. "Der Kontowechsel ist heute nicht mehr so schwierig und aufwändig wie früher. Die meisten Banken und Sparkassen bieten einen Wechselservice", sagt Josefine Lietzau vom unabhängigen Verbraucherportal Finanztip in Berlin.

Das vermeintlich Einfache sieht bei manchen Geldhäusern, auch bei Direktbanken, immer noch so aus: Der Kunde darf sich über die Homepage Formulare ausdrucken. Dann darf er das Formular allen schicken, mit denen er über das Konto regelmäßig in Verbindung steht. Da kommen schnell 20 oder mehr Briefe zusammen. Und Porto. Es sei denn, alles lässt sich auch per E-Mail abwickeln.

"Das ist noch ein wenig Aufwand", bekennt Patrick Herwarth, Sprecher der sonst so fortschrittlichen ING Diba. "Aber dafür schreiben wir dem neuen Kunden auch 75 Euro gut, wenn er bei uns ein Konto eröffnet." Schon bald werde die Diba auf ein automatisiertes, schnelles und für Kunden wenig aufwändiges Verfahren umstellen.

Andere Banken und Sparkassen sind schon viel weiter. "Kontowechsel per Smartphone-App in zehn Minuten", verspricht die Commerzbank, die auf die Kasseler Fintech-Firma Fino digital setzt. Der Kunde lädt sich eine App auf sein Smartphone oder sein Tablet. Weitere Voraussetzung: Sein bisheriges Girokonto muss online zugänglich sein. Hat er das neue Konto eröffnet, erledigt die App alles automatisch. Daueraufträge, Lastschriften und andere regelmäßige Zahlungen der vergangenen zwölf Monate werden auf der App gespeichert, bearbeitet, dem Kunden für das neue Konto noch einmal zur Bestätigung gezeigt. Dann werden seine Zahlungspartner digital über die neue Kontoverbindung informiert. Ist alles übertragen, werden die auf der App gespeicherten Daten gelöscht, der Kontowechsel sei vollzogen, heißt es bei der Commerzbank.

Ein ähnliches Verfahren bietet die Finreach an, direkt über die jeweilige Bank. Auch hier werden Empfänger und Absender von Zahlungen im Auftrag des Kunden per Post oder Fax informiert. Kontowechsel24 oder Dwins sind ebenfalls auf diese Dienste spezialisiert. Die Fintechs versichern, dass sie zu keiner Zeit Zugriff auf die Zugangsdaten des jeweiligen Kontos haben.

Wirklich Kosten sparen werden die Kunden erst nach einigen Monaten. Sechs bis acht Wochen solle man sein bisheriges Konto weiterführen, rät die Commerzbank - für den Fall, dass nicht alle Zahlungsverbindungen übertragen wurden. "Man sollte das alte Konto noch für einige Monate parallel laufen lassen, auch wenn das zusätzliche Gebühren kostet", rät Finanztip-Expertin Lietzau.

Bald neue Vorschrift

Vereinfachung vorgeschrieben Die Bankenbranche muss in Sachen Kontowechsel reagieren. "Der Gesetzgeber drängt auf eine Vereinfachung des Kontowechsels. Das Zahlungskontengesetz, das vermutlich noch in der ersten Jahreshälfte in Kraft tritt, schreibt Banken vor, alle notwendigen Daten kurzfristig bereitzustellen. Der Wechsel soll innerhalb von maximal zwei Wochen abgewickelt werden", sagt Josefine Lietzau von Finanztip. Die Bundesregierung setzt damit eine EU-Richtlinie um: Ein Wechsel des Kontos darf nicht mit hohem bürokratischen Aufwand und hohen Kosten verbunden sein darf. Eine Bank muss alle Zahlungsdaten der vergangenen 13 Monate zur Verfügung stellen.

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