Bankenbranche steht vor einem Umbruch

Jürgen Fitschen, Chef des deutschen Bankenverbandes, schwört die Branche auf schwierige Zeiten ein: "So wie es ist, kann es nicht bleiben."

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Auf die weltweit größten Banken und damit auch die Deutsche Bank kommen neue Belastungen zu. Die 20 wichtigsten Industriestaaten (G 20) wollen auf ihrem Gipfel Ende der Woche im australischen Brisbane zusätzliche, verschärfte Eigenkapitalregeln absegnen, damit die größten Institute bei einer Schieflage nicht auf Hilfe des Steuerzahlers angewiesen sind.

Jürgen Fitschen, Präsident des Bankenverbandes (BdB) und Co-Chef der Deutschen Bank begrüßt die Vorschläge, auch wenn sie zu neuen Belastungen führten. Der Umstand, dass die größten Banken wegen der indirekten Staatsgarantie nicht pleite gehen können, müsse gelöst werden, sagte er. Das bekannte Problem treibt die Experten seit Beginn der Finanzkrise vor sechs Jahren um.

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) hat entsprechende Vorschläge ausgearbeitet. Danach müssen die weltweit 30 größten Banken ihre Rücklagen so weit aufstocken, dass ihre Eigenkapitalquote gemessen an risikobehafteten Vermögenswerten (etwa Kredite, Aktien, Anleihen) um das Doppelte auf 16 bis 20 Prozent und der gesamte Risikopuffer gemessen an der Bilanzsumme von 3 auf 6 Prozent steigen. Trotz zusätzlicher Kosten ist es laut Fitschen ein richtiger Schritt, "weil es die Mär ausräumt, dass große Häuser und damit auch die Deutsche Bank eine implizite Staatsgarantie genießen".

Dem Bankenpräsident zufolge ist das nicht die einzige Herausforderung. Er betont, dass die Banken zu wenig verdienen und in den letzten Jahren kaum ihre Eigenkapitalkosten erwirtschaftet hätten. "Banken müssen produktiver arbeiten." Gemeinsame Plattformen für die Abwicklung von Geschäften seien ein Weg. Aber auch die Kosten müssen runter - etwa bei der IT, dem Personal und den Filialen. "So wie es ist, kann es nicht bleiben."

Im deutschen Bankenmarkt werde sich in den nächsten Jahren "eine ganze Menge tun". Fitschen denkt an Fusionen, aber auch daran, dass sich im Bankgeschäft neue, kleinere Spezial-Institute herausbilden. Schätzungen zufolge könnten in den nächsten Jahren 125 000 Stellen in der Branche gestrichen und 11 000 Filialen geschlossen werden. Umso mehr ärgert sich Fitschen über die Bankenabgabe, die den Abwicklungsfonds in Europa auffüllt.

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