Banken knausrig bei Zinsen

Sparer müssen wegen der Euro-Schuldenkrise schwere Abstriche hinnehmen: Geldanlagen bringen nur noch Minizinsen, wie das Beispiel Postbank zeigt. Nach Abzug der Teuerung schrumpft das Vermögen.

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Die Prozente verschwinden einfach, der Sparer ist entsetzt. Illustration: Getty Images

Exakt 12 096 EUR standen am Jahresanfang 2012 auf dem Konto. Das Geld ist eine wichtige Rücklage für die alte Dame. Mitte Dezember lag der neue Kontoauszug in ihrem Briefkasten. Kontostand: 12 097 EUR und damit gerade mal 1 EUR mehr als ein Jahr zuvor. 1,51 EUR Zinsen hat die Bank gezahlt, davon gehen 38 Cent Kapitalertragssteuer ab und 2 Cent Soli-Zuschlag. Bleiben exakt 1,11 EUR. "Kapital Plus" nennt die Postbank das Anlagekonto und zahlt den bemerkenswerten Zinssatz von 0,05 Prozent.

Als "renditestarke Anlage mit langfristiger Kalkulierbarkeit" bewirbt das Institut das Angebot. Dabei hat die Postbank Kunden bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent im vergangenen Jahr faktisch Geld aus der Tasche gezogen und tut dies weiter. Wie andere Banken auch, die sogar noch weniger bieten: Die Allianz Bank etwa zahlt bei einer ihrer Offerten für ein Jahr nur 0,01 Prozent.

Immerhin 1,8 Mrd. EUR hatten Kunden Mitte 2012 zum Minizins von 0,05 Prozent bei der Postbank angelegt. Ein Riesengeschäft. Immerhin ist die Kontoführung kostenlos, auch Auszüge und Porto werden bei "Kapital Plus" nicht in Rechnung gestellt, betont Postbank-Sprecher Rüdiger Grimmert. Die meisten der "Kapital-Plus"-Anleger hätten sich aus Sicherheitserwägungen dafür entschieden. Genauso sicher wäre das Geld aber beim Tagesgeld-Konto der Postbank, das einen Zins von 1,2 Prozent bietet. Da hätte die alte Dame für das vergangene Jahr brutto rund 145 EUR an Zinsen erhalten und nicht nur 1,51 EUR. Sichere zehnjährige Bundesanleihen bieten derzeit immerhin 1,38 Prozent.

Man mache die Kunden nicht aktiv auf Zinssenkungen aufmerksam, sagt Grimmert. "Spezielle Kundenanschreiben oder Mailings bei Konditionsveränderungen sind nicht vorgesehen." Der Kunde muss selbst reagieren. Bei jener alten Dame, die kaum noch allein aus dem Haus kommt und weder Computer noch Internetanschluss besitzt, ist das schwierig.

Die niedrigen Zinsen machen auch für die Banken das Geschäft schwieriger, vertretbare Margen seien kaum noch zu erzielen, sagt Grimmert. Das gesteht auch Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH den Banken zu. "Aber alle Angebote mit einem Zinssatz von weniger als 0,75 Prozent sind unfair." Zu diesem Satz können sich die Banken derzeit bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld leihen.

Diese Zinsen sollten sie auch Anlegern zahlen. Deren Spareinlage ist schließlich nichts anderes als ein Kredit für Bank. Viele Institute zahlen auch mehr: Im Schnitt liegt der Zinssatz für Tagesgeld derzeit bei 1,02 Prozent, in der Spitze sind es 2,03 Prozent. Bei Festgeld für ein Jahr gibt es bis zu 2,20 Prozent, aber eben auch wie bei der Allianz nur 0,01 Prozent.

Umgekehrt verlangt die Postbank im Übrigen für ihren Privatkredit bei 10 000 EUR derzeit knapp 5,8 Prozent pro Jahr, was knapp unter dem Branchenschnitt liegt. Der Dispozins für die Überziehung des Girokontos liegt bei der Postbank bei bis zu 12,3 Prozent. Zwar ist es schwierig bei Spareinlagen von insgesamt 54 Mrd. EUR, die sich auf verschiedene Produkte und verschiedene Laufzeiten verteilen, einen durchschnittlichen Zinssatz zu errechnen: Aber so schlecht kann die Marge nicht sein, wenn zum Teil nur ein Zins von 0,05 Prozent geboten wird.

Nach Ansicht von Herbst zahlen die Banken derzeit auch deshalb für Spareinlagen zum Teil Minizinsen, weil sie das Geld eigentlich gar nicht brauchen. "Die Institute schwimmen im Geld." Dies vor allem auch deshalb, weil das Kreditgeschäft stagniert, teilweise sogar schrumpft. Die Unternehmen halten sich wegen der unsicheren Konjunktur mit Investitionen zurück. Und wenn sie investieren, machen sie das oft mit eigenem Geld.

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