Bangen vor dem Schottland-Referendum wegen Öl, Staatsschulden, Währung

Würde Schottland unabhängig, wäre die finanzpolitische Trennung mit vielen Fragezeichen behaftet. Allen voran steht das Währungsthema. Märkte hassen Ungewissheit - ein Pfund-Absturz könnte die Folge sein.

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Geldscheine des englischen Pfunds - künftig noch in Schottland?  Foto: 

Die Sorgen in der Finanzwelt vor einer Abspaltung Schottlands von Großbritannien sind groß. Sie brächte nach Einschätzung vieler Analysten aus ökonomischer Sicht Unsicherheit. Und sowas hassen die Märkte. Der Chefökonom der Deutschen Bank, David Folkerts-Landay, bezeichnet die Argumente für ein Zusammenbleiben als "überwältigend". Eine Abspaltung verglich er mit den Fehlern, die in den USA vor der Großen Depression gemacht wurden. Die Analysten der Unicredit-Bank erwarten einen deutlichen Abfall des Pfundes gegenüber dem Dollar und Euro: "Auch die Zinslast für Großbritannien würde steigen."

Die Befürworter der Unabhängigkeit halten dies alles für eine große Kampagne, in der der konservative Premierminister David Cameron seine Freunde aus Banken und Konzernen zusammengetrommelt hat. Auch Wahlforscher runzeln die Stirn. Die breite Front der Wirtschaftsführer, die den Teufel der Unabhängigkeit an die Wand malen, könnten im politisch eher linken Schottland, Argwohn wecken.

Bliebe Schottland bei Großbritannien, drohe ihm bei einem Referendum 2017 der Ausstieg aus der Europäischen Union, sagte der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Die Steuereinnahmen aus dem britischen Nordseeöl und dem Whisky-Export würden nach Edinburgh statt nach London fließen - ein Risiko eher für den Rest-Großbritanniens.

Das größte Fragezeichen steht weiter hinter der Währung. Die Befürworter der Unabhängigkeit beharren darauf, dass Schottland das britische Pfund weiterbenutzen kann. Zentralbankchef Carney und alle wichtigen Politiker in London lehnen dies ab.

Zwei mögliche Auswege: Entweder Großbritannien knickt ein und bezahlt eine Duldung der britischen Atomwaffen auf schottischem Boden buchstäblich mit dem Pfund. Oder Schottland nutzt die Währung weiterhin, ohne eigene Zentralbank. Dies wäre nur eine Übergangslösung, aber nicht unmöglich. Immerhin wäre das Wechselkursrisiko gebannt. Aber die englische Zentralbank wäre nicht als Helfer im Notfall zur Stelle.

Schottland müsste wohl aus dem Stand Währungsreserven im Wert von 50 Mrd. Pfund (62 Mrd. EUR) anhäufen, um für den Bankrott einer Bank oder Versicherung gerüstet zu sein. Zwei große Banken, die Royal Bank of Scotland und die Bank of Scotland, haben aber schon erklärt, sie wollten gegebenenfalls unter englischer Lizenz weitermachen.

Für Schottland existenziell ist auch das Problem der Staatsschulden. Schottlands Ministerpräsident Salmond drohte schon: "Keine Währungsunion, keine Schuldenübernahme durch Schottland." Dann säße London auf einem Riesenberg Schulden und hätte im Zweifel auch noch die schottischen Banken am Hals. Für die Seriosität der künftigen schottischen Regierung hätte dies aber möglicherweise langfristig eine Bumerang-Wirkung.

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