B-Probe im Südwesten

Baden-Württemberg plant ein Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungen. Vorausgegangen war eine Studie auf Bundesebene.

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"Bitte fügen Sie Ihrer Bewerbung keine Zeugnisse, Teilnahmebestätigungen und Arbeitsnachweise bei." Wer sich auf eine Stelle beim Internetportal "mydays" bewirbt und den Bogen für anonymisierte Bewerbungen herunterlädt, wird explizit aufgefordert: Lassen Sie etwas weg, was sonst selbstverständlich zu einer Bewerbung gehört. Das Internet-Portal beteiligt sich an einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die Ergebnisse wurden im April vorgestellt.

Das Fazit lautete : Das Weglassen von Angaben zu Herkunft, Alter, Geschlecht und Familienstand führte in der ersten Auswahlrunde dazu, dass anonymisierte Bewerbungen von Frauen, Bewerbern mit Migrationshintergrund sowie Älteren eher zur Einladung zum Vorstellungsgespräch führten. Je nach Vorgehen sei eine solche Personalsuche für Firmen problemlos umzusetzen, so die Studie weiter.

Noch während des Pilotprojekts auf Bundesebene kamen anonymisierte Bewerbungen auch in einer Arbeitsgruppe des baden-württembergischen Integrationsministeriums zur Sprache. Die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie die Regionaldirektionen der Arbeitsagenturen einigten sich unter der Leitung des Referats "Integration und Arbeit" darauf, über ein eigenes Pilotprojekt zu beraten, sobald die Ergebnisse auf Bundesebene vorgestellt wurden. "Es besteht grundsätzlich die Bereitschaft, anonymisierte Bewerbungen auch in Baden-Württemberg zu testen", sagt Referatsleiter Petar Drakul. "Das Ergebnis bestätigt unsere Hoffnung."

Auf Bundesebene seien nur acht große Firmen und Verwaltungen getestet worden. In Baden-Württemberg sollen nach Vorstellung Drakuls auch mittlere und kleinere Unternehmen, insbesondere Handwerksfirmen als Partner gewonnen werden. Auch kleinere und mittlere Verwaltungen unter 150 Mitarbeitern sollen das Verfahren testen.

"Wir sind in Baden-Württemberg besonders von Fachkräftemangel betroffen. Das erhöht den Druck im Südwesten", sagt Drakul. Er kenne Fälle, in dem Fachkräfte mit Migrationshintergrund wegzögen, da sie anderswo bessere Einstellungschancen sehen. Nach Pfingsten wolle das Ministerium in der Arbeitsgruppe besprechen, wie eine Studie auf Landesebene gestaltet werden kann. Drakul schlägt eine wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts vor. Die Umsetzung könnte frühestens im September starten.

Der Dachverband der Arbeitgeberverbände in Baden-Württemberg zeigt sich offen für das Modellprojekt. "Allerdings ist noch nichts beschlossen oder auch nur diskutiert", sagt ein Sprecher.

Ungeachtet der Ergebnisse der Studie auf Landesebene lehnt der Arbeitgeberverband eine gesetzliche Verpflichtung zu anonymisierten Bewerbungen ab. Der Deutsche Gewerkschaftsbund Baden Württemberg begrüßt die Initiative. Er schätzt anonymisierte Bewerbungen: Verbesserung der Chancengleichheit ein. "Wir sehen ein Modellprojekt im Land als Chance für viele Bewerber."

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